Türkei
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Erdogan: «Khashoggi wurde auf grausame Weise getötet»



epa07112732 Turkish President Recep Tayyip Erdogan (C) prepares to address the parliament in Ankara, Turkey 23 October 2018. Erdogan is expected to address the parliament on the case of Saudi journalist Jamaal Khashoggi. Saudi Arabian official media on 19 October reported that journalists Jamal Khashoggi died as a result of a physical altercation inside the kingdom's consulate in Istanbul, where he was last seen entering on 02 October for routine paperwork.  EPA/STR

Bild: EPA/EPA

Wieviel weiss die Türkei wirklich über den Mord an dem kritischen Journalisten Jamal Khashoggi – oder will es öffentlich sagen? In einer mit Spannung erwarteten Rede sagt der türkische Präsident weniger als erhofft und gibt zu: Es gebe noch viele Fragen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat im Fall Jamal Khashoggi von einem «barbarischen geplanten Mord» gesprochen und von Saudi-Arabien Aufklärung gefordert. Die Türkei habe «starke Beweise in der Hand», sagte er während einer Fraktionssitzung seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP am Dienstag in Ankara.

«Khashoggi wurde auf grausame Weise umgebracht»

Bei der Rede am Eröffnungstag einer wichtigen Investorenkonferenz in Riad, der viele Politiker und Unternehmer wegen des Falls Khashoggi fern blieben, gab Erdogan aber wider Erwarten keine bahnbrechend neuen Details preis. Er hatte die mit Spannung erwartete Rede am Sonntag selbst angekündigt und gesagt, er werde «ins Detail» gehen.

Die Türkei erwarte von Saud-Arabien, alle Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, sagte Erdogan. Er forderte zudem, dass die direkt Verantwortlichen für den Tod Khashoggis in der Türkei vor Gericht gestellt werden. Die 18 festgenommenen Saudis müssten in Istanbul angeklagt werden, sagte er. «So einen Fall einigen Sicherheits- und Geheimdienstmitgliedern anzulasten, würde weder uns noch die internationale Gemeinschaft zufriedenstellen.»

«Verdächtigen soll in der Türkei der Prozess gemacht werden»

«Ein solches Verbrechen zu vertuschen ist gegen die Menschlichkeit»

«Der Khashoggi-Mord war geplant»

Wer hat den Befehl gegeben?

Kronprinz nicht erwähnt

Er zweifle aber nicht an der Aufrichtigkeit von König Salman, sagte Erdogan. Den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, der verdächtigt wird, den Mord in Auftrag gegeben zu haben, erwähnte er nicht.

König Salman soll Untersuchung vorantreiben.

Erdogan lieferte zunächst eine teils minuziöse Darstellung der Tat aus türkischer Sicht, ab der Minute, in der Khashoggi das Konsulat am 2. Oktober betrat. Demnach sollen bereits am Tag vor dem Verschwinden des Mannes mehrere Männer aus Saudi-Arabien angereist sein.

Erdogan sprach von «drei Teams». Eines habe vor dem Mord im Belgrader Wald und im Bezirk Yalova ausserhalb Istanbuls «Nachforschungen angestellt» - zu welchem Zweck liess er offen. Am Tag des Mordes seien die Täter dann zwischen 9.50 Uhr und 11.00 Uhr Ortszeit unabhängig voneinander ins Konsulat gekommen, um sich dort zu treffen.

Noch viele Fragen offen

Es seien aber noch viele Fragen offen, räumte der Präsident ein. «Wieso haben sich diese 15 Personen, die alle mit dem Fall im Zusammenhang stehen, am Tag des Mordes in Istanbul versammelt?», fragte er zum Beispiel. «Wieso wurden zahlreiche widersprüchliche Erklärungen abgegeben, obwohl der Mord Tatsache ist?» Und: Warum sei die Leiche noch nicht gefunden worden?

«15-köpfiges Saudi-Team betrat das Konsulat»

Zuvor hatten die türkischen Behörden lange gar keine Stellungnahme zum offiziellen Stand der Ermittlungen abgegeben, aber dafür anonym Informationen an türkische und US-Medien weitergegeben. Woher die Informationen stammten, blieb unklar. In den vergangenen Tagen waren die Details zunehmend grausiger geworden. Türkische Ermittler gehen nach Medienberichten davon aus, dass Khashoggi von einem aus Saudi-Arabien angereisten 15-köpfigen Kommando im Konsulat gefoltert, ermordet und zerstückelt wurde.

Am Wochenende gab das Königreich dann die Tötung Khashoggis zu, stellte sie aber als Folge einer spontanen Schlägerei dar. Wo sich Khashoggis Leiche befindet, wisse die Führung in Riad nicht, sagte Aussenminister Adel al-Dschubair. Das Sicherheitsteam vor Ort habe eigenmächtig gehandelt und dann versucht, die Tötung zu vertuschen.

Absagen bei Investorenkonferenz

Gleichzeitig fallen die Konsequenzen für Saudi-Arabien immer schärfer aus. Vor einer hochkarätigen Investorenkonferenz, die am Dienstag in Saudi-Arabien begann, hatten viele Regierungsvertreter, Investoren und Unternehmer ihre Teilnahme abgesagt. Auch in der EU wurde über mögliche Auswirkungen auf die Beziehungen zu Riad beraten.

Besonders schwerwiegend für Saudi-Arabien dürfte die zunehmende Ungeduld von US-Präsident Donald Trump sein. Der hatte in der Nacht auf Montag gesagt, er halte die offizielle Erklärung Saudi-Arabiens nach wie vor für unzureichend. Der Zeitung «USA Today» sagte er, der Kronprinz habe ihm versichert, dass weder er noch König Salman in die Sache verwickelt seien. Sollte sich das Gegenteil herausstellen, «wäre ich sehr verärgert darüber».

Nach einem Bericht der «Washington Post» aus der Nacht macht sich die US-Regierung Sorgen, dass Erdogans Enthüllungen den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman als engen Verbündeten der Regierung Trumps schwer belasten könnten. Dem Bericht zufolge sollte auch die Chefin der CIA, Gina Haspel, am Dienstag in der Türkei ankommen. (sda/dpa)

Unsicherheit und Unmut in der Türkei

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Video: srf

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Influenzer 23.10.2018 14:08
    Highlight Highlight Vielleicht haben die Saudis ob ihrer eigenen Unfreiheit den türkischen Überwachungsapparat unterschätzt? Geschieht ihnen auf jeden Fall recht, dass sie es jetzt mit einem undiplomatischen Gegner zu tun haben. Aber man fragt sich, wo die scharfe Verurteilung seitens ihrer Ölkunden bleibt.
    11 0 Melden
  • Pasch 23.10.2018 12:58
    Highlight Highlight Wieviele sitzen in der Türkei im Knast weil sie etwas gegen den Sultan "nur" gesagt haben?
    23 5 Melden
  • banda69 23.10.2018 12:45
    Highlight Highlight Erdogan als Moral-Apostel... 🤔

    Nimmt mich ja schon grausam wunder wieso er die Geschichte so gross macht...
    19 7 Melden
  • Skydiver58 23.10.2018 12:32
    Highlight Highlight Gerade Erdogan sagt so etwas. Grausam hätten sie ihn ermordet.....und was macht er die ganze Zeit? Ein Hohn
    62 13 Melden
    • Bert der Geologe 23.10.2018 13:29
      Highlight Highlight @Skydiver58: Und wieder ein Whatboutism. Eine vergleichbare derart grausame und feige Tat wird Erdogan bisher nicht nachgewiesen. Also verurteil den Erdogan nicht für etwas, das er richtigerweise verurteilt. Verurteil ihn für seine Misstaten.
      28 9 Melden
    • Nummelin 23.10.2018 14:30
      Highlight Highlight Und jetzt? Macht es die Tat weniger schlimm, nur weil Erdogan diese verurteilt? Es geht hier nicht darum, was die Erdogan Regierung alles macht, sondern um den Fall Khashoggi. Es ist eine verdammte Sauerei, dass Regierungen glauben sie dürfen alles tun ohne Konsequenzen zu fürchten. Leider ist dem ja auch so!! Es wird genau gar keine Auswirkungen auf die Saudis haben. Die Familie Khashoggi wird keine Gerechtigkeit erfahren und die Geheimdienste können einfach weiter Morden wie sie wollen. In einer echt traurigen Welt leben wir, wo immer noch Menschen gefoltert und ermordet werden!!!
      10 1 Melden
  • Calvin Watsn 23.10.2018 12:17
    Highlight Highlight Showtime für den Herrn Sultan.
    52 9 Melden
    • Snowy 23.10.2018 13:10
      Highlight Highlight Immerhin entwickelt sich die Show gerade in die richtige Richtung...
      23 0 Melden
    • rodolofo 23.10.2018 13:41
      Highlight Highlight Dass Erdogan eigentlich keine Prinzipien hat, wissen wir. Dazu gehört auch, zwischendurch mal so zu tun, als hätte man Prinzipien...
      Sein einziger Lebensinhalt besteht darin, möglichst viel Macht und Bling Bling (z.B. einen Palast mit 1000 Zimmern) zu ergattern.
      In dem Sinne ist Erdogan sehr "amerikanisch"...
      Und als Pragmatiker kann er die tausendundeinte Nacht wieder in Zimmer Nummer 1 verbringen.
      8 5 Melden
  • ThomasHiller 23.10.2018 12:09
    Highlight Highlight Ganz ehrlich, das kommt Erdogan doch ganz recht, da kann er sehr erfolgreich von sich selbst ablenken.

    Aber gut, das machen andere ja auch, "die Gunst der Stunde nutzen" nennt man dann halt "Politik".

    Unter anderen Umständen hätte das doch kaum einen in der Türkei interessiert.
    81 21 Melden
    • Clife 23.10.2018 13:11
      Highlight Highlight Klar hätts andere interessiert. Man könnte meinen, dass die Saudis die Unschuldslämmlein darstellten. Aber in Wahrheit ist Saudi Arabien korrupter als die Türkei. Ich persönlich bin froh, dass dieses Land endlich der Öffentlichkeit ihr wahres Gesicht zeigt und hoffe, dass entsprechende Sanktionen erlassen werden. Andernfalls beweist das nur wieder, dass die Saudis falsche Spiele spielen.
      11 1 Melden
  • pfffffffff 23.10.2018 12:04
    Highlight Highlight Jetzt macht er auf Gutmensch und Moral-Apostel, weil dem Land die Kohle ausgeht. ich könnte k...
    32 13 Melden
  • wasps 23.10.2018 12:01
    Highlight Highlight Was sind das für Menschen, die zu solchen Verbrechen im Stande sind!
    32 1 Melden
  • rodolofo 23.10.2018 11:48
    Highlight Highlight Erdogan, der Vorkämpfer für die Pressefreiheit...
    Und ich habe immer gedacht, er sei deren Bestatter!
    Die Welt wird immer absurder.
    Der Irrsinn hat System, bzw. wir leben in einem "systematischen Wahnsinn".
    Denn auch für die Irrenanstalt gilt:
    Ordnung und Sauberkeit müssen sein!
    35 7 Melden

Überwachungsvideo zeigt: So haben die Saudis Khashoggis Kleider verschwinden lassen

Im Fall Kashoggi vergeht zurzeit kein Tag ohne neue Entwicklungen. Heute haben die türkischen Behörden ein Video veröffentlicht, welches darauf schliessen lässt, wie die Kleidung des getöteten Journalisten entsorgt wurde. Im Zentrum der Aufnahmen steht ein gewisser Mustafa al-Madani.

Und das ist auf dem Video zu sehen:

Um etwa 11 Uhr betritt ein Mann das saudische Konsulat in Istanbul. Laut türkischen Sicherheitskreisen heisst er Mustafa al-Madani und ist Teil eines 15-köpfigen Teams, …

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