DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

100-facher Kindsmissbrauch: Im Lügde-Prozess legen alle Hauptangeklagte Geständnisse ab



epa07676466 Andreas V. (not pictured), 56, Mario S. (not pictured), 34, and Heiko V. (2-R with his lawyer Jann Popkes), 49, arrive for the first day of their trial on charges of child abuse and child pornography at the Landgericht Detmold courthouse in Detmold, Germany, 27 June 2019. State prosecutors accuse Andreas V. of 298 cases of sexual child abuse against 23 victims and Mario S. of 162 cases against 17 victims. The abuse is believed to have occurred at the Eichwald summer camp in Luegde-Elbrinxen during the period from 1999 to 2019. The men are also accused of having filmed themselves performing the acts. Heiko V. is accused of having watched some of the acts via webcam. The scale and long time period of the abuse cases has shocked Germany. The case has been overshadowed by police failures, including the disappearance of CDs that possibly contain pornographic materials created by the accused.  EPA/THOMAS F. STARKE / POOL

Einer der Angeklagten vor Gericht Bild: EPA

Im Prozess um hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im deutschen Lügde haben alle drei Angeklagten am ersten Verhandlungstag überraschend Geständnisse abgelegt. Andreas V. (56) und Mario S. (34) - die beiden Hauptangeklagten - räumten die angeklagten Taten am Donnerstag vor dem Detmolder Landgericht über ihre Verteidiger weitestgehend ein.

Bei den Ermittlungen waren mehr als 40 Opfer identifiziert worden, angeklagt sind sexuelle Gewalttaten gegen 34 minderjährige Opfer.Auch der dritte Angeklagte Heiko V. (49) räumte über seinen Verteidiger die Vorwürfe wenig später ein. Das schilderten Nebenklägeranwälte - die Öffentlichkeit war von der Verlesung der Erklärung ausgeschlossen.

Zu Beginn des Strafverfahrens betonte die Vorsitzende Richterin Anke Grudda: «Die Anschuldigungen lassen niemanden unberührt.» Sie fügte hinzu: «Das macht alles fassungslos.» Das Gericht werde aber unvoreingenommen und unparteiisch arbeiten.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

epa07673891 The entrance to the campsite in Luegde, Germany, 25 June 2019 (issued 26 June 2019). In the so-called 'abuse case of Luegde' three men are accused of serious sexual abuse of children as well as the production and distribution of child pornography. According to the Detmold public prosecutor's office, there are suspicions of 1,000 individual acts within about 10 years. After the investigation had been completed, the owner of the campsite had all the suspect's cabins and caravans removed. The trial at the Detmold Regional Court will begin on 27 June 2019.  EPA/FRIEDEMANN VOGEL

Der Tatort Bild: EPA

Bei der Verlesung der zwei Anklageschriften mussten Zuschauer und Medienvertreter am Morgen den Saal verlassen. Grudda begründete das mit dem schutzwürdigen Interessen der Opfer. Deren Namen seien in den Anklagen genannt.

Ebenso würden die vorgeworfenen Missbrauchstaten im Detail aufgeführt, die gegen die Kinder und Jugendlichen verübt worden sein sollen.

Am Prozess gegen Andreas V. aus Lügde, Mario S. aus Steinheim und Heiko V. aus Stade nahmen auch 18 Anwälte teil, die 28 Opfer als Nebenkläger vertreten. Opferanwalt Christian Thüner sagte kurz vor Behandlungsbeginn, er hoffe auf Geständnisse. So könnten den Opfern Zeugenaussagen wohl erspart bleiben.

Die Taten sollen sich vor allem auf einem Campingplatz in Lügde an der Grenze zu Niedersachsen ereignet haben. Andreas V. werden fast 300 Straftaten vorgeworfen. Er soll im Sommer 1998 und von 2008 bis 2018 insgesamt 23 Mädchen teilweise schwere sexuelle Gewalt angetan haben. Bei ihm fanden sich fast 900 Bild- und Videodateien, die sexuelle Übergriffe auf Minderjährige zeigen.

Der 34-jährige Mario S. ist angeklagt, in rund 160 Fällen acht Mädchen und neun Jungen missbraucht zu haben. Der Mann soll die Gewalttaten über einen Zeitraum von 20 Jahren ab 1999 auf dem Campingplatz und in seiner Wohnung verübt haben. Bei ihm wurden rund 4800 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Material sichergestellt.

Gewalttaten gefilmt

Den Vorwürfen zufolge hatten beide Männer manche Gewalttaten gefilmt. Einige Kinder wurden Opfer sowohl von Andreas V. als auch auch von Mario S. Alle Opfer waren minderjährig, die jüngsten sollen erst vier Jahre alt gewesen sein.

Beide Hauptangeklagten sollen auch vergewaltigt haben. Heiko V. soll nicht selbst Gewalt ausgeübt haben, sondern an mehreren Webcam-Übertragungen teilgenommen und teils zu den Taten angestiftet haben.

Die beiden Hauptangeklagten räumten die Vorwürfe aus der Anklage weitestgehend ein, allerdings bestritten sie rund ein Dutzend Fälle. Zum Teil gaben sie an, sich an diese Taten nicht erinnern zu können.

Bei anderen Fällen sahen sie Verwechselungen der Opfer mit dem jeweils anderen Angeklagten. In einem Fall gab Mario S. an, als 13-Jähriger zum Tatzeitpunkt nach einem Umzug nicht mehr am vermeintlichen Tatort gewohnt zu haben.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Das Gericht will einige Opfer als Zeugen befragen. Nach Auskunft ihrer Anwälte soll es dabei aber nach den Geständnissen nicht mehr um die konkreten Taten gehen. (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

AfD will leichteren Zugang zu Waffen prüfen – Aufregung um «Dexit»

Die AfD will Möglichkeiten für eine Liberalisierung des Waffenrechts prüfen. In einem Antrag hiess es: «Insbesondere soll der mittlerweile so gut wie nicht mehr vergebene Waffenschein, der besonders gefährdeten Personen das Führen von scharfen Waffen in der Öffentlichkeit erlaubt, bei nachgewiesener Gefährdung leichter als bislang ausgestellt werden.» Dieser Antrag wurde zwar am Sonntag auf einem Bundesparteitag in Dresden mit knapper Mehrheit abgelehnt. Er wurde aber zur Prüfung an …

Artikel lesen
Link zum Artikel