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Nick Dunne (Ben Affleck) begibt sich in die Arena der skandalhungrigen Medien.   bild: twentieth century fox

Zum Filmstart von «Gone Girl»

David Fincher hat sich ganz auf krasse Ehepaare spezialisiert



Am besten weiss es am Ende die rote Katze, die immer still in einer Ecke sitzt oder auf einem Möbel, und deren Augen genauer hinsehen als jede Überwachungskamera. Weiss, was wirklich geschah in dem Einfamilienhaus in Missouri. Und sagt, wie Katzen das so an sich haben, kein Wort. Und nimmt keinen Einfluss. Im Gegensatz zu den TV-Kameras einer ganzen Nation. Im Gegensatz zu den Dutzenden von Überwachungskameras in einer vornehmen Supervilla, in der eine blutige Schlachterei stattfinden wird.

Denn «Gone Girl» von David Fincher, die buchstabengetreue Verfilmung von Gillian Flynns gleichnamigem Bestseller, ist dies: Ein bisschen Thriller, viel Ehedrama, ein bisschen Komödie und eine Parabel auf den hysterischen Wellengang der amerikanischen Medienindustrie. Und verrückterweise ist der Film dann am spannendsten, wenn er dem Thriller in sich nicht nachgibt. Wenn er diesen wegdrückt und auf das Ehedrama und die Medienparabel fokussiert.

Die Handlung, die kennen bereits viele: Über sechs Millionen Mal verkaufte sich «Gone Girl» allein als Hardcover, die Zahl der E-Books-Downloads und Taschenbuchverkäufe ist noch nicht bekannt. Aber tun wir so, als gäbe es noch Kinogänger, die das Buch nicht gelesen haben, und verraten wir vom Plot bloss dies: Nick Dunne (Ben Affleck) findet seine Frau Amy (Rosamund Pike) nicht mehr zuhause vor, dafür einen zersplitterten Glastisch. Er lässt sie suchen, zusammen mit ihren Eltern, zwei Kinderbuchautoren, die aus ihrer Tochter Amy die makellose literarische Figur «Amazing Amy» gemacht haben.

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Es steckt eine Absicht hinter Amys (Rosamund Pike) Aktion. Bloss welche? Bild: Twentieth Century Fox

Trailer zu «Gone Girl»

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video: youtube/MovieTrailers

«Amazing Amy» klingt wie eine Anleitung zur Schizophrenie. Nick betrügt Amy schon längst mit der blutjungen Andie. Der ähnliche Klang von Amy und Andie ist eine weitere Schattierung von Wahnsinn. Amy hat Fährten für Nick gelegt, eine Schatzsuche aus Briefen, die zu seltsamen Geschenken führen, und diese Schatzsuche mündet vollends in ein Labyrinth der Psychopathologie. Nachbarn, die Nick noch nie gesehen hat, sind plötzlich enge Freunde von Amy und wissen mehr über sie als ihr Mann. Die Medien zerfleischen Nick. Der wiederum lernt, die Medien seinerseits zu manipulieren.

Und so entwickelt sich langsam – über 145 Minuten hinweg – eine Geschichte über ein Paar. Und über eine Gesellschaft, die nicht mehr unterscheiden kann, zwischen dem, was wirklich war, und einer Simulation von Wirklichkeit. Und das Paar, das sich exakt so verdient wie Kevin Spacey und Robin Wright als Francis und Claire Underwood in David Finchers anderem grossen Powergame, also der Netflix-Serie «House of Cards», ist der mikroskopisch kleine Beginn dieses grossgesellschaftlichen Täuschungsmanövers. Das in seiner harmlosen Variante die Tragfläche von Alltag und einer ignoranten Sorte von Glück sein kann, in seiner gefährlicheren, raffinierteren, eine Falltür hinab in den tiefsten menschlichen Abgrund. Und in die Faszination des Abgründigen.

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Zu gerne würde Nick Amys Kopf aufbrechen und in ihre Hirnwindungen hineinschauen. bild: twentieth century fox

Es ist natürlich vermessen, einem Meister wie Fincher Fehler vorzuhalten, aber tatsächlich ist «Gone Girl» nicht sein stärkster Film. Vielleicht war es ein Fehler, dass er Gillian Flynn das ganze Drehbuch anvertraut hat. Denn Gillian Flynn ist zwar eine grosse Thriller-Ingenieurin, aber keine grosse Stilistin. Und «Gone Girl» hat sich zwar am besten verkauft, ist atmosphärisch gesehen aber weit weniger atemberaubend als ihr älterer Roman «Sharp Objects». Manches – etwa die ermittelnden Kommissare – klingt jetzt sehr nach dem Baukasten von simplem  TV-Futter wie «CSI». Da ist man sich bei Fincher Hochkarätigeres gewohnt.

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Staranwalt Tanner Bolt (Tyler Perry) bringt Nick die Rhetorik der Imagepflege bei. bild: twentieth century fox

Und der comic relief, die komische Erleichterung, die sich überraschend oft einstellt beim Zuschauen und das feine Gewebe des Grauens zerreisst, das Affleck und Pike ganz hervorragend aufbauen können, war die beim Lesen auch schon da? War das nicht alles viel, viel düsterer? Gab's da nicht wundervolle Details, die jetzt alle zugunsten des Plots verworfen wurden? Doch, die gab's. Kleinigkeiten, bei denen eigentlich die Fincher-Tauglichkeit des Stoffes sofort eingeleuchtet hatte.

David Fincher hat eben noch Stieg Larssons «The Girl With the Dragon Tattoo» so überzeugend verdichtet. Und ihm diesen typischen Look umgelegt, der macht, dass seine Filme aussehen und giftig nachwirken wie flüssiges Quecksilber. Dagegen ist «Gone Girl» schon beinah eine romantische Komödie. Aber eben: Es ist immer noch ein Fincher mit zwei blendenden Protagonisten – die kühle, an Catherine Deneuve oder Faye Dunaway mahnende Rosamund Pike (sie sieht übrigens aus wie die Zwillingsschwester von Gillian Flynn) und der hemdsärmelige Stoffel Ben Affleck, in dem sich doch auch die durchtrieben Virtuosität eines Kevin Spacey verbirgt.

Eine gar nicht so kleine Rolle gehört übrigens noch Neil Patrick Harris, dem Barney Stinson aus der Sitcom «How I Met Your Mother». Harris spielt in «Gone Girl» eine minimal gesellschaftstauglichere Variante von Barney – wie es ihm dabei ergeht, ist allerdings eine ganz andere Geschichte. Und die weiss nicht einmal die rote Katze.

«Gone Girl» läuft am Montag, den 29.9. um 18 Uhr am Zurich Film Festival (ausverkaufte Vorstellung) und ab 2. Oktober in der ganzen Schweiz im Kino.

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