DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Die Liste toter russischer Oligarchen wird immer länger

26.04.2022, 09:5628.04.2022, 06:20

Innerhalb 24 Stunden sind letzte Woche die Leichname von zwei russischen Oligarchen und ihren Familien gefunden worden. In beiden Fällen geht die Polizei davon aus, dass es sich um sogenannte «murder-suicides» handelt. Morde also, die wie erweiterter Suizid aussehen sollen.

Dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt, zeigt die folgende Liste.

Sergey Protosenya

Die Leiche von Sergey Protosenya, einem ehemaligen Top-Manager des russischen Energieriesen Novatek, wurde zusammen mit dem seiner Frau und seiner Tochter am letzten Dienstag in einer gemieteten Villa in Spanien gefunden, wo die Familie Berichten zufolge über Ostern im Urlaub war.

Wurde sein Suizid gestellt? Sergey Protosenya.
Wurde sein Suizid gestellt? Sergey Protosenya.bild: facebook

Der 55-jährige Millionär wurde von der katalanischen Polizei erhängt im Garten der Villa in Lloret de Mar aufgefunden, während seine Frau und seine Tochter mit Stichwunden an ihren Körpern in ihren Betten gefunden wurden. Dies berichteten spanische Medien.

Laut den lokalen Medien «Telecinco» und «El Punt Avui» wurden neben der Leiche von Protosenya eine Axt und ein Messer gefunden.

Die Polizei untersucht zwei mögliche Szenarien, wie Telecinco weiss: Entweder hat der russische Oligarch seine Frau und seine Tochter getötet und sich dann erhängt, oder die gesamte Familie wurde ermordet und der Tatort sollte später wie ein erweiterter Selbstmord aussehen.

Der Tod von Protosenya wurde am Donnerstag von der russischen Staatspresse TASS bestätigt. Die Familie Protosenya lebte hauptsächlich in Frankreich. Novatek ist das zweitgrösste Unternehmen in Russland, das an der Förderung von Erdgas beteiligt ist.

Vladislav Avaev

Nur einen Tag, bevor die Leiche von Protosenya am 18. April in Spanien gefunden wurde, wurde der ehemalige Vizepräsident der Gazprombank Vladislav Avaev zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter tot in seiner Luxuswohnung in Moskau aufgefunden.

Berichten zufolge wurden die Leichen von einem Verwandten der Avaevs entdeckt, nachdem er mehrere Tage lang keinen Kontakt mit der Familie aufnehmen konnte.

Die Wohnung wurde von innen verschlossen und in Avaevs Händen wurde eine Pistole gefunden, was die Ermittler dazu veranlasste, die Theorie zu untersuchen, dass Avaev seine Frau und seine 13-jährige Tochter erschossen hatte, bevor er sich selbst tötete.

Die in Privatbesitz befindliche Gazprombank ist nach Vermögen die drittgrösste Bank in Russland.

Vasily Melnikov

Am 24. März berichtete die russische Zeitung «Kommersant» über den Tod des Milliardärs Wassili Melnikow in seiner Luxuswohnung in Nischni Nowgorod, der sechstgrössten Stadt des Landes.

Laut polizeilichen Ermittlungen wurde Melnikov, der Berichten zufolge für die medizinische Firma MedStom arbeitete, zusammen mit seiner Frau Galina und zwei Söhnen tot in der Wohnung aufgefunden. Sie waren alle an Stichwunden gestorben und die für die Morde verwendeten Messer wurden am Tatort gefunden.

Kommersant berichtete, dass die Ermittler zu dem Schluss kamen, dass Melnikov seine 41-jährige Frau und seine 10-jährigen und 4-jährigen Kinder tötete, bevor er sich selbst tötete. Nachbarn und Verwandte haben jedoch Schwierigkeiten, diese Theorie zu glauben. Laut dem ukrainischen Medienunternehmen Glavred erlitt Melnikovs Unternehmen aufgrund westlicher Sanktionen enorme Verluste.

Eine andere Theorie sei eine mögliche Konfrontation mit einem ehemaligen Geschäftspartner. Aber laut von Kommersant zitierten Quellen fand die Polizei in der Wohnung der Melnikovs keine Spuren eines Kampfes.

Die Kinder wurden im Kinderzimmer und Melnikovs Frau im Schlafzimmer gefunden. Melnikov wurde mit einer durchtrennten Arterie im Badezimmer gefunden.

Mikhail Watford

Der in der Ukraine geborene russische Tycoon Mikhail Watford wurde am 28. Februar tot in seinem Haus im britischen Surrey aufgefunden.

Watford – der seinen Namen vom ursprünglichen Tolstosheya geändert hatte – wurde 1955 in der damaligen sowjetischen Ukraine geboren und hatte sich einen Namen als Öl- und Gasmagnat gemacht.

Der 66-jährige Watford wurde laut «Daily Mail» erhängt in der Garage seines Hauses von einem Gärtner aufgefunden. Die Polizei von Surrey sagte, die Umstände seines Todes seien nicht verdächtig, wie die BBC berichtete.

Watford lebte mit seiner estnischen Frau Jane und seinen drei Kindern in dem Haus.

Alexander Tyulyakov

Am 25. Februar wurde der stellvertretende Generaldirektor von Gazprom, Alexander Tyulyakov, tot in einer Hütte in der Nähe von St.Petersburg aufgefunden, wie die russische Zeitung Gazeta berichtete.

Tyulyakovs Leiche wurde Berichten zufolge erhängt in der Garage der Wohnung gefunden. Die Polizei fand neben seiner Leiche eine Notiz, die die Ermittler zu der Annahme veranlasste, der Oligarch sei durch Selbstmord gestorben.

Ein Mitarbeiter des Untersuchungsausschusses für das Leningrader Gebiet, der an Tyulyakovs Tod arbeitete, sagte der unabhängigen russischen Zeitung Novaya Gazeta, dass forensische Spezialisten bereits am Ort des offensichtlichen Selbstmords arbeiteten.

Tyulyakov, 61, war seit rund zehn Jahren für Gazprom tätig und war zuvor stellvertretender Generaldirektor für Unternehmenssicherheit und Personal beim Energieriesen.

Leonid Shulman

Der erste Todesfall im Zusammenhang mit dem russischen Energieriesen Gazprom datiert aus dem Januar, bevor die russische Invasion in der Ukraine überhaupt begonnen hatte.

Damals wurde der 60-jährige Top-Manager von Gazprom, Leonid Shulman, tot im Badezimmer eines Landhauses in der Region Leningrad aufgefunden neben einer Notiz, die die Polizei zu der Annahme veranlasste, er sei durch Selbstmord gestorben, so die Gazeta und die russische Mediengruppe RBC.

Laut RBC war Shulman krankgeschrieben, als er starb.

(bal)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Französische Aktivisten brechen in «Putins Palast» ein – und laden Flüchtlinge ein

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

164 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
MacB
26.04.2022 10:43registriert Oktober 2015
Bestimmt alles Spezialzufälle.
3776
Melden
Zum Kommentar
avatar
Asmodeus
26.04.2022 10:19registriert Dezember 2014
So viele offensichtliche Selbstmorde...
Nichts auffälliges oder seltsames.
Klingt als würde eine staatliche Übernahme einiger "privaten" Firmen angestrebt. Oder die Oligarchen waren sonst nicht happy mit Pate Putin und sind aus seinen Gnaden gefallen.

Nächste Woche lesen wir dann "Abrahimowic mit 12 Stichwunden im Rücken. Polizei geht von Selbstmord aus."
2978
Melden
Zum Kommentar
avatar
Doktor Faustus
26.04.2022 11:05registriert März 2022
Hat nicht Putin vor ca. einem Monat mit "Selbstreinigung" und "Säuberung" gedroht und pro-westliche Russen als "Abschaum" geschmäht?
1023
Melden
Zum Kommentar
164
Ex-Formel1-Boss Ecclestone wünscht sich «erstklassigen Mensch» Putin als Herrscher Europas

Während sich viele Politiker, Unternehmer, Prominente und Sportler aufgrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine von Wladimir Putin abwenden, macht Bernie Ecclestone exakt das Gegenteil. Die britische Boulevardzeitung «Daily Mail» berichtet von einem «bizarren Interview», das der ehemalige Formel-1-Funktionär der Fernsehsendung «Good Morning Britain» gegeben hat.

Zur Story