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Interview

Bencics Freund ist auch ihr Angestellter: «Bei der Lohnfrage ist alles klar definiert»

Erst war Martin Hromkovic Belinda Bencics Fitnesstrainer, dann verliebten sie sich ineinander. Seit sie zusammenarbeiten, ist die Olympiasiegerin seltener verletzt. Doch was macht es mit einer Beziehung, wenn man auch beruflich miteinander verbunden ist?
27.06.2022, 01:5927.06.2022, 06:15
Simon Häring, Wimbledon / ch media

Sie sind unvergessen, die Bilder, wie Belinda Bencic im Sommer 2021 ihrem Freund Martin Hromkovic in die Arme fällt, als sich die inzwischen 25-Jährige in Tokio zur Olympiasiegerin krönte. Der ehemalige Fussballer ist Bencics Freund, aber auch ihr Fitnesstrainer. Und er steht am Ursprung ihres Erfolgs.

Bencic und Hromkovic nach dem Gewinn der Goldmedaille in Tokio.
Bencic und Hromkovic nach dem Gewinn der Goldmedaille in Tokio.Bild: keystone

Bencic sagt: «Er ist die Konstante in meinem Leben, die mir lange gefehlt hat - im Privatleben und im Sport. Ich habe von Anfang an gespürt, dass Martin der Mensch ist, den ich brauche.» Ein Gespräch über den Balanceakt zwischen Berufs- und Liebesleben, über Rollenbilder und die Frage, wie es eigentlich ist, wenn der Freund auf der Lohnliste steht.

Belinda Bencic, Ihr Fitnesstrainer Martin Hromkovic ist auch Ihr Freund, welche Vorteile hat das für Sie und für Ihre Beziehung?
Bencic: Martin will privat und sportlich das Beste für mich, ich habe volles Vertrauen. Er unterstützt mich zu hundert Prozent in dem, was ich mache, ist unglaublich professionell und macht alles für meine Gesundheit und Fitness. Ich habe von Anfang an gespürt, dass er das ist, was ich in meinem Leben brauche, eine Konstante, auf die ich mich voll verlassen kann, im Privatleben und im Sport. Das hat mir lange gefehlt. Martin will bedingungslos das Beste für mich. Für einen Tennisprofi sind Beziehungen schwierig, weil wir viel unterwegs sind. Deshalb ist es ein Vorteil, dass Martin dabei sein kann. Zudem war er als Fussballer selber Sportler. Er versteht, was ich brauche, wann ich nervös oder angespannt bin. Das ist ein grosser Vorteil.

Martin Hromkovic sei die Konstante, die ihr zuvor gefehlt habe, sagt Belinda Bencic. In ihrer Karriere, aber auch in ihrem Privatleben.
Martin Hromkovic sei die Konstante, die ihr zuvor gefehlt habe, sagt Belinda Bencic. In ihrer Karriere, aber auch in ihrem Privatleben.Bild: keystone

Wenn man privat ein Paar ist und auch beruflich zusammenarbeitet, bringt das auch Herausforderungen mit sich, wie trennen Sie das?
Das ist eine schwierige Frage, ich habe auch kein Patentrezept für eine gute Beziehung. Wir sind jetzt vier Jahre zusammen, und es hat sich alles sehr natürlich ergeben und entwickelt. Wir mussten uns nie an einen Tisch setzen und besprechen, wie wir das trennen wollen. Für mich ist klar: Wenn ich auf die Anlage komme und trainiere, hat er das Sagen. Und wenn wir den Platz verlassen, sind wir Freund und Freundin. Es ist logisch, dass wir dann auch über Tennis reden, über das Konditionstraining oder eine Therapie. Aber ich vertraue ihm in dem, was er macht. Und Martin kann sehr gut abschalten. Es gibt ein Leben neben dem Tennis, das wir gemeinsam geniessen können.

Seit vier Jahren ein Duo: Belinda Bencic und Martin Hromkovic.
Seit vier Jahren ein Duo: Belinda Bencic und Martin Hromkovic.Bild: keystone

Wie können wir uns ein Nachtessen von Ihnen vorstellen?
Wir interessieren uns allgemein für Sport, sehen uns Fussballspiele an, sind gerne auf Reisen und erkunden die Städte, in denen wir sind. Wir haben eine ähnliche Weltanschauung, das ist mir sehr wichtig, und wir haben gemeinsame Freunde, was ich als Privileg empfinde.

Weil Sie ein Paar sind und zusammenarbeiten, verbringen Sie viel mehr Zeit miteinander als andere Paare. Wie schaffen Sie Freiräume?
Ja, wir sind schon sehr viel zusammen. Aber das macht uns nicht viel aus. Natürlich ist der persönliche Freiraum sehr wichtig. Ich gehe zum Beispiel oft mit Viktorija Golubic oder Jil Teichmann essen. Und wenn wir zu Hause sind, geht Martin normal zur Arbeit und ich alleine zum Training oder mit unserem Hund Paula in den Wald. Und manchmal bin ich alleine bei Turnieren. Es gibt Zeiten, in denen wir getrennte Wege gehen. Ich finde es grossartig, dass Martin zu Hause auch ein Berufsleben mit anderen Klienten hat. Wir sind auch relativ schnell zusammengezogen, das war natürlich ein grosser Schritt.

Wenn Sie im Hotel sind, fällt vieles weg. Zu Hause muss eingekauft, gewaschen und geputzt werden. Wie haben Sie sich das aufgeteilt?
Martin hilft mir sehr ...

... das heisst, Sie haben das Sagen?
Ich bin die Chefin im Haushalt, wasche, koche, putze und räume auf. Martin ist für den Garten, den Pool oder die Garage zuständig. Sagen wir, für die «Männersachen». Aber damit kein falsches Bild entsteht: Wenn ich mal eine Woche weg bin, ist Martin nicht hilflos, und es bricht auch nicht gleich das Chaos aus. Er hat das alles im Griff. Aber wenn ich ehrlich bin: Mir ist es lieber, wenn ich es mache (lacht).

In der Wohnung hat sie gerne das letzte Wort, Gartenarbeit überlässt Belinda Bencic lieber ihrem Freund.
In der Wohnung hat sie gerne das letzte Wort, Gartenarbeit überlässt Belinda Bencic lieber ihrem Freund.Bild: keystone

Als Fitnesstrainer steht Martin auch auf Ihrer Lohnliste. Wie ist es für Sie, dass Sie ihrem Freund einen Lohn zahlen?
Das ist sicher schwierig, aber uns gelingt es gut, das zu trennen. Ich kann gut sagen: Das ist dein Job, dafür wirst du bezahlt. Und ich habe das Gefühl, das ist in Ordnung für ihn. Wenn wir bei einem Turnier und mit dem ganzen Team unterwegs sind, bezahle ich. Das war für Martin schon gewöhnungsbedürftig, aber wir haben uns angepasst. Sind wir zu zweit oder zu Hause, führen wir eine normale Beziehung, dann zahlt einmal Martin und einmal ich.

Seit Sie vor vier Jahren angefangen haben, mit Martin zu trainieren, gehören Sie zu den fittesten Spielerinnen und sind deutlich seltener verletzt. Hat er noch nie nach einer Lohnerhöhung gefragt?
Der Vorteil ist, dass wir erst ein Paar geworden sind, als wir schon zusammengearbeitet haben. Wir hatten also bereits einen Vertrag, in dem alles geregelt ist. Wenn ich mich in der Weltrangliste verbessere, steigt sein Lohn, wenn ich zurückfalle, sinkt er. Dazu ist die Höhe des Lohns auch davon abhängig, wie viel Zeit wir beruflich miteinander verbringen. Weil alles klar definiert ist, war das nie ein grosses Thema zwischen uns. Zudem ist es nicht so, dass ich Martin Geld überweise. Den Lohn zahlt mein Buchhalter aus. Mir ist bewusst, dass das eine spezielle Situation ist, aber für mich und im Tennis ist das eher die Regel als die Ausnahme.

Als Olympiasiegerin stehen Sie im Fokus der Öffentlichkeit, über die sozialen Medien erhalten Sie nicht nur Hassnachrichten, sondern ab und zu auch Liebesbekundungen. Wie ist es mit der Eifersucht?
Sehr viele Nachrichten sehe und beantworte ich nicht. Martin ist bewusst, dass ich solche Nachrichten bekomme, und er sieht sie auch - geht aber sehr entspannt damit um. Wir haben keine Geheimnisse voreinander. Es gibt Spinner im Netz, aber auch schöne Nachrichten. Umgekehrt weiss ich, dass auch er Nachrichten bekommt, und auch ich bin nicht eifersüchtig. Deshalb ist das kein grosses Thema.

Nach einem Sturz vor Wochenfrist sind der linke Knöchel und das Knie bei Belinda Bencic einbandagiert.
Nach einem Sturz vor Wochenfrist sind der linke Knöchel und das Knie bei Belinda Bencic einbandagiert.Bild: keystone

Sie sind meist nur zu dritt unterwegs - Sie, Martin und Ihr Trainer, Sebastian Sachs. In Wimbledon ist das anders. Wie fühlt sich das an?
Allgemein bin ich lieber im Dreierpack unterwegs, also mit Basti (Sebastian Sachs, ihr Trainer) und Martin. Wenn es eine grössere Gruppe ist, muss die Chemie stimmen, jeder muss seine Rolle finden. Wenn man zusammenwohnt, muss man sich zurückziehen können. Hier ist das sehr stimmig, eine schöne Abwechslung, das gefällt mir. Die Freundin von Basti ist dabei, sie ist aus London. Dazu ein Freund von Martin und mir, der ein absoluter Tennisfanatiker ist und dessen grösster Traum es ist, Wimbledon zu sehen. Dazu musste ich meinen Physiotherapeuten, Jaroslav Holub, mitnehmen, weil mein Fuss nach der Verletzung in Berlin noch zusätzliche Behandlung braucht.

Sie sind in Berlin im Final ausgeglitten und haben sich dabei eine Quetschung der Achillessehne zugezogen. Wie geht es Ihnen?
Es könnte schlimmer sein. Gott sei Dank ist es nichts Ernstes. Ich habe einige Tage gar nichts gemacht, versucht, den Fuss zu schonen. Hier im Training ist es gut gelaufen. Natürlich habe ich die Grenzen noch nicht ausgereizt, und es wäre besser gewesen, wenn ich am Dienstag gespielt und einen Extratag Pause gehabt hätte. Aber ich bin sicher, dass es gut kommt. Ich werde mit einem Verband spielen, das hilft mir auch, das Vertrauen in den Fuss zurückzugewinnen.

Sie bezeichnen Wimbledon als Lieblingsturnier, sind bisher aber noch nie weiter gekommen als in die Achtelfinals. Wie erklären Sie sich das?
Es stimmt, dass ich hier nicht meine allerbesten Ergebnisse hatte in den Jahren, in denen ich nicht verletzt war. Manchmal braucht es für ein gutes Turnier, dass alles für dich läuft: Glück mit der Auslosung, gute Form zum richtigen Zeitpunkt. Bisher war das nicht der Fall. Aber ich hoffe, dass es passieren wird. Ich bin 25 Jahre alt und habe noch viele Wimbledon-Turniere vor mir. Ich glaube immer noch daran.

Weshalb denken Sie, dass Rasen besser für Sie ist als Hartplätze?
Ich weiss es nicht so genau, es ist ein Gefühl. Als ich als Juniorin zum ersten Mal auf Rasen gespielt habe, sagte ich mir schon nach zehn Minuten: «Oh mein Gott, das ist unglaublich, es fühlt sich so gut an.» Es fühlt sich so natürlich an und kommt meinem Spiel entgegen, weil die Bälle tief bleiben und meine Schritte dazu passen. Aber ja, es stimmt, dass ich bei den US Open die besseren Resultate habe, was seltsam ist. Ich spiele auch gerne auf Hartplätzen, aber diese sind zum Teil sehr verschieden, mal schneller, mal langsamer. Deshalb kann nicht sagen, dass ich auf allen Hartplätzen gerne spiele. Auf Rasen schon.

2015 gewann Belinda Bencic in Eastbourne als 17-Jährige ihr erstes WTA-Turnier. Natürlich auf Rasen.
2015 gewann Belinda Bencic in Eastbourne als 17-Jährige ihr erstes WTA-Turnier. Natürlich auf Rasen.Bild: GEPA pictures

Nach Ihrem Olympiasieg sagten Sie, dass Sie nun niemandem mehr etwas beweisen müssen. Zehren Sie immer noch von diesem Gefühl?
Ja, auf jeden Fall. Wenn ich jetzt aufhören würde, wäre es super. Dann hätte ich eine super Karriere gehabt und müsste mir nicht vorwerfen, dass ich nichts Grosses gewonnen hätte. Aber klar: Ein Grand-Slam-Sieg ist immer noch mein grosser Traum, und solange ich spiele, werde ich alles dafür geben, dass es einmal klappen wird.

Wie sehr beschäftigt es Sie, dass Sie bisher noch kein Grand-Slam-Turnier gewonnen haben, wenn Sie sehen, was für Spielerinnen das in den letzten Jahren zum Teil sehr überraschend gelungen ist?
In Paris war ich sehr enttäuscht, weil ich mich vor dem Turnier sehr gut gefühlt und gedacht habe, dass etwas Grosses möglich ist. Ab und zu gibt es ein Grand-Slam-Turnier, wo ich denke: «Hey, wenn die gewinnt, kann ich es doch auch.» Andererseits gibt es viele sehr gute Spielerinnen, die schon lange vorne dabei sind und noch keines gewonnen haben. Ich kann es nicht erzwingen, hoffe aber, dass es noch kommt.

Haben Sie den Eindruck, dass Sie sich in Wimbledon manchmal zu sehr unter Druck gesetzt haben, weil Ihnen das Turnier viel bedeutet?
Nein, eigentlich nicht. Einige Male war ich verletzt, ein anderes Mal kam Corona dazwischen. In den Jahren, in denen ich gespielt habe, erreichte ich oft die dritte oder vierte Runde, verlor dann knapp. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich mich zu sehr unter Druck gesetzt habe. Es hat bisher einfach nicht alles zusammengepasst. Noch nicht. Denn ich bin nach wie vor optimistisch, dass es passieren wird. (aargauerzeitung.ch)

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quelle: keystone / mic smith
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