DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Tour dur d'Schwiiz, 37. Etappe

1 / 48
Tour dur d'Schwiiz, 37. Etappe: Mollis - Göschenen
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
Tour dur dSchwiiz

Weil der Glarner Güggel zu viel frass und zu lange schlief, ist der Kanton Uri jetzt grösser

Der Grenzstreit zwischen den Kantonen Glarus und Uri dauerte lange und war heftig. Beide Parteien wollten so viel gutes Weideland rund um den Klausenpass wie möglich für sich. So kam es gemäss einer Sage zu einem entscheidenden Wettkampf.
15.08.2015, 12:2215.08.2015, 12:54
Reto Fehr
Folgen
Mit dem Velo durch die ganze Schweiz
In den kommenden knapp vier Monaten bereise ich mit dem Velo die ganze Schweiz. Auf meiner Tour dur d'Schwiiz besuche ich alle 2324 Gemeinden der Nation und werde eine Strecke von 11'000 Kilometern mit dem Velo hinter mich bringen. Dies entspricht der Distanz von Zürich nach Peking. Folge mir im Liveticker, auf Facebook und Twitter

Der Klausenpass bildet zwar den Übergang von Glarus nach Uri, doch die Kantonsgrenze verläuft nicht dort. Sondern eigentlich weit auf Glarner Gebiet unterhalb des Urnerbodens. Diese grösste Alp der Schweiz mit acht Kilometern Länge auf knapp 1400 Metern wird heute von knapp 40 Menschen ganzjährig bewohnt. Bis 1877 war eine «Überwinterung» gesetzlich verboten. Denn der Klausenpass ist dann nicht passierbar und der Weg nach Linthal je nach Schneesituation auch nicht.

Der Urnerboden mit dem Anstieg zum Klausen im Hintergrund. Die grösste Alp der Schweiz.
Der Urnerboden mit dem Anstieg zum Klausen im Hintergrund. Die grösste Alp der Schweiz.bild: watson

1315 wurde die Grenze bestimmt. Wie es dazu kam, erzählt eine herrliche Sage, die jeder Glarner und Urner in der Schule lernt: 

Die beiden Kantone stritten sich fast täglich um das schöne Weideland rund um den Klausenpass. Eines Tages beschlossen die beiden Bürgermeister der Täler: «Zur Tag- und Nachtgleiche solle von jedem Teil frühmorgens, sobald der Hahn krähe, ein rüstiger, kundiger Wanderer ausgesandt werden und jedweder nach dem jenseitigen Gebiet zulaufen; da, wo beide Männer sich begegneten, solle die Grenzscheide festgesetzt bleiben; der kürzere Teil möge nun fallen diesseits oder jenseits.»

Im Ort Urnerboden der Gemeinde Spiringen UR leben heute rund 40 Personen.
Im Ort Urnerboden der Gemeinde Spiringen UR leben heute rund 40 Personen.

Beiden Lagern war klar: Der Güggel muss so früh wie möglich krähen. Wie soll das trainiert werden? Die Glarner entschieden, dass sie ihren Güggel mästen und ihm so viel zu essen und trinken geben, wie er möchte. Glücklich soll er dann frühmorgens krähen. Die Urner fuhren eine andere Strategie. Ein altes Mütterlein habe den Tipp gegeben, ihren Hahn fast verhungern zu lassen. So soll er frühmorgens krähen.

Als die Tag- und Nachtgleiche im September kam, krähte der Urner Hahn noch vor Sonnenaufgang. Angeblich soll das Mütterlein schon in der Nacht in der Küche herumhantiert und gehofft haben, ihn so zu wecken. Während der Urner also schon loslief, wartete der Glarner noch immer. Erst nach der Morgenröte bequemte sich der vollgefressene Güggel in Linthal aufzustehen und zu krähen. Die Glarner waren so fair und weckten das Tier nicht auf.

Die Kantonsgrenze: 37,5 Kilometer von Altdorf, aber nur 9,8 von Linthal entfernt. Hier brach der Glarner Läufer gemäss der Sage tot zusammen.
Die Kantonsgrenze: 37,5 Kilometer von Altdorf, aber nur 9,8 von Linthal entfernt. Hier brach der Glarner Läufer gemäss der Sage tot zusammen.bild: watson

Kein Wunder, trafen sich die beiden Läufer oberhalb der Fruttbergen (Nähe des Gasthaus Bergli an der heutigen Klausenpassstrasse. Der Urner schrie glücklich: «Hier ist die Grenze!» Der Glarner aber versuchte noch zu retten, was zu retten war und erwiderte: «Sei gerecht und gib mir ein Stück von dem Weidland, das du errungen hast.» Der Urner liess sich erweichen – unter einer Bedingung: «So viel will ich dir noch gewähren, als du mich bergauf tragen kannst.»

Blick vom Anstieg zum Klausen hinunter auf den Urnerboden.
Blick vom Anstieg zum Klausen hinunter auf den Urnerboden.Bild: watson

Der Glarner akzeptierte und schleppte seinen Konkurrenten den Berg hoch. Als er kurz vor dem Urnerboden ein Bächlein erreichte, war er mit seinen Kräften am Ende. Er bat zu trinken. Der Urner erlaubte dies, allerdings nur mit ihm auf dem Rücken. Als der Glarner trank, verliessen ihn auch die letzten Kräfte und er sackte tot zusammen. Noch heute verläuft die Grenze der Kantone genau an diesem Ort.

So gehört der Urnerboden zum Kanton Uri. Die gut 40 Einwohner sprechen zwar den Dialekt des Uris, sind aber klar nach Glarus orientiert, da dieses Tal einfacher – und vor allem ganzjährig – zu erreichen ist. Und jeder Glarner weiss: Willst du, dass der Güggel früh kräht, lass ihn hungern.

Tour dur d'Schwiiz, 36. Etappe: Zürich – Mollis

1 / 52
Tour dur d'Schwiiz, 36. Etappe: Zürich - Mollis
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
No Components found for watson.appWerbebox.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

1 Kommentar
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1
92. Etappe, Thun – Belp: Die flachste und eine der kürzesten Etappen der gesamten Tour 

Auf meiner «Tour dur d’Schwiiz» besuche ich alle 2324 Gemeinden der Schweiz und werde eine Strecke von 11'000 Kilometern mit dem Velo hinter mich bringen. Folge mir im Liveticker (unten), auf Facebook und Twitter!

Zur Story