Interview
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ARCHIVBILD ZUM KEYSTONE-SDA-INTERVIEW MIT GRANIT XHAKA --- Arsenal's Granit Xhaka during the English Premier League soccer match between Arsenal and Watford at Emirates Stadium in London, England, Sunday, July 26, 2020. (AP Photo/Rui Vieira)

Gibt in Arsenals Mittelfeld den Takt vor: Granit Xhaka. Bild: keystone

Interview

Xhaka, der Boss: «An mangelndem Selbstvertrauen habe ich nie gelitten»

Wenige Tage vor dem Topspiel in der Premier League in Liverpool spricht Arsenals Mittelfeld-Stratege Granit Xhaka mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA über das wichtigste Comeback seiner Laufbahn. «Mich macht enorm stolz, wie ich zurückgekommen bin.»

Sven Schoch / Keystone-SDA



Vor knapp zehn Monaten drohte ihm in London ein unfreundliches Ende. Hohn und Spott, persönliche Erniedrigungen; Xhaka litt, Xhaka zweifelte. «Gegen aussen hin sagte ich nie, wie weh mir das alles tat», blickt er auf die trüben November-Tage zurück. Tempi passati, der 27-Jährige bestimmt den Takt wieder, er gibt die Richtung vor – in England gleichermassen wie im Nationalteam. Auf dem Rasen seit Jahren, seit dem Rückzug von Stephan Lichtsteiner auch in der Garderobe. «Das bin ich, ich verstelle mich nicht!»

Granit Xhaka, bei den jüngsten Auftritten im Nationalteam wirkten Sie wie ein Dirigent. Sie bestimmten den Rhythmus, das Tempo.
Granit Xhaka: Ich hatte viele Einzelgespräche mit Vlado (Petkovic). Er bezieht mich ein, er gibt mir Inputs, wie ich auftreten soll. Mir gefällt meine Aufgabe. Das Vertrauen beruht auf Gegenseitigkeit. Wir schätzen uns sehr.

Längst ist der Mittelfeldspieler in London wieder glücklich.

Wachsen Sie am Captain-Amt?
Ich orientiere mich an meinem Vorgänger. Steph Lichtsteiner erlebte ich im Nationalteam und im Klub. Er gab mir unfassbar viele Dinge mit, die ich nun umzusetzen versuche. Auf und neben dem Rasen spüre ich die Akzeptanz meiner Kollegen, auch wenn ich sie verbal mal hart anfasse. Das bin ich, ich verstelle mich nicht.

Was fürs Nationalteam gilt, ist auch beim FC Arsenal ebenso. Die Spielkonzepte sind an beiden Orten auf Sie zugeschnitten.
Zurzeit geht es auf. Ich kann mich voll einbringen. In beiden Teams schenken mir die Coaches das hundertprozentige Vertrauen. Das hilft, und das sieht man auch.

In London drohte indes vorübergehend eine unwiderrufliche Zerrüttung zwischen Ihnen und dem Klub. Der damalige Coach Unai Emery stellte Sie bloss, Sie verloren die Captain-Binde, der totale Liebesentzug drohte.
Was im letzten November passierte, war hart. Gegen aussen hin zeigte ich nie richtig, wie weh mir das alles tat, wie sehr ich von gewissen Leuten enttäuscht worden war. Zum ersten Mal in meinem Leben wurde ich komplett auf dem falschen Fuss erwischt.

Ihr neuer Trainer Mikel Arteta holte Sie offenbar auf der richtigen Ebene ab?
Für mich steht fest: Ohne ihn wäre ich nicht mehr in London. Er war der entscheidende Faktor, mit seiner Philosophie, mit seiner Art, mit seiner Idee. Dafür bin ich ihm wirklich dankbar!

Die Kritik der Fans an Ihrer Person erreichte vor einem Jahr Orkanstärke. Wie war das für Sie wieder zu kitten?
Mit Leistung, mit harter und ehrlicher Arbeit. Letzthin holte ich mir in der City einen Becher Kaffee. Da kam ein Arsenal-Anhänger zu mir und gratulierte mir. Mein Comeback unter schwierigsten Bedingungen habe ihn tief beeindruckt. Viele hätten die Flucht ergriffen, ich nicht. Er zollte mir persönlichen Respekt. Solche Begegnungen öffnen mein Herz.

Sind sie reifer und mental stabiler denn je?
An einem Mangel an Selbstvertrauen habe ich nie gelitten (lacht). Aber das Tief vor einem Jahr nahm mir schon Energie. Die ist nun wieder zurück. Mich macht enorm stolz, wie ich zurückgekommen bin, dass ich mich der Herausforderung gestellt habe.

ARCHIVBILD ZUM KEYSTONE-SDA-INTERVIEW MIT GRANIT XHAKA --- Switzerland's midfielder Granit Xhaka puts his captain armband during the UEFA Euro 2020 qualifying Group D soccer match between Switzerland and Republic of Ireland, at the Stade de Geneve, in Geneva, Switzerland, Tuesday, October 15, 2019. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Im Nationalteam trat Xhaka als Captain die Nachfolge von Stephan Lichtsteiner an. Bild: keystone

Am Ende der komplizierten letzten Saison stemmten Sie ihre zweite FA-Cup-Trophäe in die Höhe.
Diesen Sieg gönne ich vor allem Mikel Arteta. Er gibt ihm Vertrauen und eine gewisse Sicherheit. Wir Spieler retteten eine komische Saison mit der letztmöglichen Qualifikation fürs internationale Geschäft. Ich will mir nicht ausmalen, wie die Reaktionen ausgefallen wären, wenn wir die Europa League verpasst hätten.

Wie beurteilen Sie das Potenzial der Equipe für die nähere Zukunft?
Wir sind sehr gut gestartet. Mit Willian und Gabriel hat Arsenal viel Qualität und Mentalität in die Kabine geholt. Willian weiss, wie man Titel gewinnt. Und die Verlängerung mit Aubameyang war ein wichtiges Signal für uns alle – wir wollen zurück in die Champions League!

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2 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Erklärbart.
25.09.2020 23:50registriert January 2020
Naja, Selbstvertrauen hin oder her. Er ist 27ig, bringt vor allem im Klub die Leistung, eigentlich fast immer. Ihm ist sein Erfolg und sein Aufstieg (Captain bei Gladbach, dann bei Arsenal, jetzt in der Nati) nicht in den Kopf gestiegen. All die Shaqiris, Balotellis, Götze, etc. könnten sich bei ihm eine Menge abschauen. Nochmals, er ist erst 27ig. Respekt.
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