Konferenz ruft zu mehr Anstrengung gegen Hunger in Somalia auf

11.05.17, 11:00

Politiker und Vertreter von Hilfsorganisationen sind am Donnerstag zu einer internationalen Somalia-Konferenz in London zusammengekommen. Das Land am Horn von Afrika wird wegen anhaltender Dürre von einer Hungersnot bedroht.

Die Gefahr sei trotz rascher internationaler Hilfe noch nicht abgewendet, sagte der Koordinator für humanitäre Massnahmen der Vereinten Nationen, Peter de Clercq, am Donnerstag. Dazu seien weitere Schritte und Geldmittel notwendig. Auch die Schweiz ist in London mit einer Delegation vertreten.

Ziel der Konferenz ist ein Abkommen zur Stabilisierung des gescheiterten Staats am Horn von Afrika. Obwohl das Land seit der ersten Somalia-Konferenz in London im Jahr 2012 Fortschritte gemacht hat, herrscht in vielen Teilen des Landes Chaos. Die militante islamistische Bewegung Al-Shabaab kontrolliert noch immer grosse Gebiete.

Im Jahr 2011 kamen in dem zersplitterten Land mehr als 250'000 Menschen ums Leben. Die Regierung hat nur wenig Kontrolle ausserhalb der Hauptstadt Mogadischu.

Knapp drei Millionen Menschen bedroht

Das UNO-Kinderhilfswerks UNICEF warnte in einer Erklärung vor einer Hungersnot in Somalia und rief zu einer massiven Ausweitung der internationalen Hilfe auf. Schätzungsweise 2.9 Millionen Somalier werden im Juni in Gebieten leben, in denen Nahrungsmittel knapp sind. Die Organisation befürchtet, dass im Laufe des Jahres 275'000 Kinder an akuter Mangelernährung leiden werden.

Angesichts der weiterhin dramatischen Lage versuchen die Organisation und ihre Partner, die bedrohten Kinder rechtzeitig zu identifizieren und sie mit therapeutischer Spezialnahrung zu versorgen und medizinisch zu behandeln. In diesem Jahr wurden bereits über 80'000 Kinder auf Mangelernährung untersucht und 56'000 schwer betroffene Kinder behandelt. 90 Prozent der behandelten Kinder konnten demnach gerettet werden.

Zusätzlich zum Nahrungsmangel seien Kinder auch von Krankheiten durch verseuchtes Wasser bedroht, erklärte das Kinderhilfswerk. Die zumeist sehr armen Familien hätten kein Geld, um Trinkwasser zu kaufen und müssten ihr Wasser aus verunreinigten Quellen beziehen.

Mit dem Beginn der kurzen Regenperiode hätten sich die hygienischen Verhältnisse überall verschlechtert. Hierdurch komme es zu einer starken Zunahmen lebensgefährlicher Durchfallerkrankungen. Seit Anfang des Jahres seien in Somalia über 36'000 Fälle von extremem Durchfall oder Cholera registriert worden.

Eine tödliche Gefahr für Kinder seien zudem Infektionskrankheiten. So nähmen etwa Maserninfektionen kontinuierlich zu. Bis Anfang Mai wurden laut UNICEF über 7000 Erkrankungen gemeldet. Zwei Drittel waren Kleinkinder unter fünf Jahren. (sda/dpa/afp)

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