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ZUM THEMA GELAENDEWAGEN UND STADTVERKEHR STELLEN WIR IHNEN HEUTE FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- A Mercedes SUV in traffic at the intersection Uraniastrasse and Sihlstrasse in Zurich, Switzerland, on March 4, 2019. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

SUVs sind bei Schweizern sehr beliebt – und eine Gefahr fürs Klima. Bild: KEYSTONE

«Kassensturz»: Wie die SUVs unsere Klimaziele zerstören und was unternommen werden kann



Ab diesem Jahr gilt eine neue Richtlinie: 95 Gramm CO2 pro Kilometer dürfen alle neuen Autos, die innerhalb eines Jahres verkauft wurden, im Schnitt noch ausstossen. Tatsächlich sind wir heute durchschnittlich noch bei über 130 Gramm, wie der «Kassensturz» berichtet. Diese 95 Gramm werden die neuen Autos nicht so schnell erreichen – ein Grund dafür sind die steigenden Absatzzahlen von SUVs (Sport Utility Vehicle).

Nirgends auf der Welt ist die SUV-Dichte so hoch wie in der Schweiz. Im Jahr 2019 war jedes zweite Auto das in der Schweiz verkauft wurde ein 4x4. SUVs sind schwerer und stossen deshalb mehr CO2 aus. Die Schweiz belegt aus diesem Grund in der europäischen Statistik zum CO2-Ausstoss bei Neuwagen den letzten (23.) Platz mit 137.3 Gramm pro Kilometer. Am besten schneidet Norwegen ab, dort stossen die Autos nur 72.4 g/km aus.

Was sagt die Automobilbranche zum hohen CO2-Ausstoss und der Problematik fürs Klima? Der Direktor der Schweizer Autoimporteure, Andreas Burgener, begründet das schlechte Abschneiden der Schweiz folgendermassen: «Die Schweizer haben eine hohe Kaufkraft. Sie kaufen Autos mit vielen Zusatzoptionen, was zusätzliches Gewicht bedeutet und zu höherem Verbrauch führt. »

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Andreas Burgener sieht beim Kunden Handlungsbedarf. screenshot: srf.ch

Inserate und TV-Spots kurbeln den SUV-Verkauf zusätzlich an. Die SUVs sind jedoch ein wichtiger Grund, weshalb wir die Klimaziele nicht erreichen. Das Klima leidet folglich unter der SUV-Schwemme, doch was muss getan werden, damit die Klimaziele eingehalten werden können? Burgener meint: «Es braucht Innovationen, es braucht neue Technologien und es braucht eine Verhaltensänderung – da sind wir schlussendlich beim Kunden. Er entscheidet bei der zweitgrössten Investition die er tätigt, was er kaufen möchte.»

Doch Jahr für Jahr werden schweizweit mehr SUVs gekauft. Eigentlich sollten Neuwagen in den letzten Jahren im Schnitt maximal 130 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen. Dieses Ziel wurde jedoch nicht erreicht. Im Gegenteil, seit 2016 nimmt der Ausstoss sogar weiter zu. Ab 2020 gilt der Zielwert von 95 Gramm, doch die Emissionen liegen derzeit noch weit darüber.

Und was sagen die zuständigen Behörden? Der «Kassensturz» konfrontierte das Bundesamt für Energie (BFE). Die Behörde ist dafür zuständig, dass die Emissionsziele bei Neuwagen von den Autoimporteuren eingehalten werden. Bisher halten sich viele Importeure nicht an die Vorgaben. Doch wie sieht es jetzt aus, wenn die 95 Gramm gelten? Christoph Schreier, Leiter Energieeffizienter Verkehr beim BFE meint, dass 95 Gramm nur erreicht werden können, wenn die Autos signifikant leichter werden und vermehrt auf Hybrid- und Elektroautos gesetzt wird.

Grosse Autohersteller wie BMW und Mercedes verkauften jedoch in den letzten Jahren immer schwerere Autos als vorgegeben und wurden dafür sogar noch belohnt: Ihre Zielwerte wurde nach oben korrigiert – weit über die 130 Gramm. Ab 2020 wird der Gewichtsbonus jedoch abgeschafft. Importeuren droht nun eine Busse, wenn sie weiterhin Autos verkaufen, deren Durchschnittsgewicht über der Zielvorgabe liegt.

Der Ökonomieprofessor Mark Schelker von der Uni Fribourg ist jedoch der Ansicht, dass gesetzliche Regelungen mit Zielwerten für Neuwagenflotten dem Klima wenig bringen: «Wenn man beim Neuwagenkauf einmal bezahlt hat, kann man danach quasi gratis CO2 ausstossen. Das ist ein typischer Fehlanreiz. Wir wollen Fahrkilometer reduzieren und damit die Emissionen senken.»

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Mark Schelker ist gegen eine einmalige Strafzahlung: «Es bringt dem Klima nichts.» screenshot: srf.ch

Schelker fordert daher eine umfassende CO2-Steuer, die auch eine Erhöhung des Benzinpreises mit sich bringt. Eine Teuerung des Benzins, «ohne dass Einnahmen wieder zurückgeschüttet werden», sei nachvollziehbar unpopulär bei der Bevölkerung. Doch die erhöhte Steuerlast könnte problemlos abgefedert werden, indem beispielsweise die Mehrwertsteuer reduziert würde, wie Schelker meint. Dadurch ist der Anreiz grösser, verbrauchsarme Fahrzeuge zu kaufen.

Thierry Burkart, Vize-Präsident vom TCS, ist der Ansicht, dass die Strafzahlungen genug weit greifen. Bisher seien sie noch klein gewesen, da die Vorgabe noch bei 130 Gramm lag, beim neuen Ziel von 95 Gramm werden die monetären Strafen deutlich höher ausfallen. In seinen Augen führt diese Massnahme längerfristig dazu, dass die Zielvorgabe von 95 Gramm auch tatsächlich erreicht wird. Zudem sollten noch mehr Anreize geschaffen werden, um den Verkauf von Elektrofahrzeugen zu pushen.

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Thierry Burkart (links) und Ruedi Blumer (rechts) bei der Debatte im «Kassensturz». screenshot: srf.ch

Der Präsident vom Verkehrsclub Schweiz (VCS), Ruedi Blumer, ist anderer Meinung: Die Strafzahlungen seien zu klein und der Wohlstand in der Schweiz zu gross. Die 95 Gramm seien dadurch nicht zu erreichen. Es brauche ganz andere Massnahmen: «Entweder ein höherer Benzinpreis oder noch drastischere Strafen».

(mim)

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