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Matthew Rosenfeld, bekannt als Moxie Marlinspike, der «Vater» der Signal-App. Er hat sich mit einem der WhatsApp-Gründer zusammengetan, um die IT-Welt zu verändern.
Matthew Rosenfeld, bekannt als Moxie Marlinspike, der «Vater» der Signal-App. Er hat sich mit einem der WhatsApp-Gründer zusammengetan, um die IT-Welt zu verändern.

WhatsApp-Gründer erklärt WhatsApp den Krieg – das steckt dahinter

Ein steinreicher Nerd und ein bekennender Anarchist wollen WhatsApp schlagen und das zuckerbergsche Datenkraken-Imperium ins Wanken bringen.
18.02.2020, 06:05
«Ich möchte, dass Signal Milliarden User erreicht. Ich weiss, was dazu nötig ist.»
Brian Acton, WhatsApp-Gründer

Hast du gewusst, dass WhatsApp die gleiche Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verwendet wie die Signal-App?

Den Smartphone-Messenger gibt's wie WhatsApp kostenlos fürs iPhone und für Android-Geräte. Wer Signal verwendet, bezahlt aber nicht mit den eigenen Daten. «Privacy First», lautet die Devise. Der Schutz der Privatsphäre geht vor.

Das erforderliche Know-how wie auch das «Kleingeld» sind vorhanden bei der Signal Foundation – das ist eine Non-Profit-Organisation mit Sitz in Mountain View, Kalifornien.

Die Mission

Die Gründer heissen Matthew Rosenfeld, besser bekannt unter seinem Hacker-Pseudonym Moxie Marlinspike, und Brian Acton, einer der beiden WhatsApp-Gründer.

Die Stiftung ging aus dem 2013 von Rosenfeld gegründeten Unternehmen Open Whisper Systems hervor. Er hat das kryptografische Verfahren für Signal entwickelt, das seit 2016 auch von WhatsApp verwendet wird, und damit hat er die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung massentauglich gemacht. (Wohlgemerkt drei Jahre nach Apples Umsetzung mit iMessage.)

Laut «Wired»-Magazin war Rosenfeld ein bekennender Anarchist, der Verschlüsselung als eine Präventivmassnahme sehe gegen «ein Abgleiten in den Orwellschen Faschismus», der Protest und zivilen Ungehorsam verunmögliche.

Und Brian Acton amtet als Präsident der Signal-Stiftung und schoss zum Start 50 Millionen Dollar Kapital ein – ein Klacks für den 48-jährigen Programmierer, der seit dem WhatsApp-Verkauf an Facebook Multimilliardär ist.

Damals waren Jan Koum (links) und Brian Acton noch selbstständige Unternehmer und führten bei WhatsApp die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein – mit Hilfe von Moxie Marlinspike.
Damals waren Jan Koum (links) und Brian Acton noch selbstständige Unternehmer und führten bei WhatsApp die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein – mit Hilfe von Moxie Marlinspike.
screenshot: wired

Wie sein Kompagnon Koum liess er sich nach der Übernahme in den Facebook-Konzern einbinden, ging aber 2018 frustriert von Bord und machte keinen Hehl daraus, dass er Zuckerberg und dessen Machenschaften verabscheut.

Facebook hatte sich 2014 den werbefreien Smartphone-Messenger einverleibt. Und wie Instagram und andere Tochterfirmen auch muss sich WhatsApp für den Facebook-Konzern irgendwann mal lohnen, bzw. richtig Geld abwerfen.

Nachdem der Facebook-Konzern laut eigenen Angaben davon abgerückt ist, bei WhatApp Werbung zu platzieren, bleibt eigentlich nur noch die Verwertung der wertvollsten Daten. Das sind die der weltweit rund 2 Milliarden User.

Die Kriegserklärung

Die Botschaft, die Acton Ende letzter Woche über das «Wired»-Magazin verbreiten liess, ist nicht weniger als eine persönliche Kriegserklärung. Adressiert an einen der reichsten und mächtigsten Männer der Welt: Mark Zuckerberg.

Sein Ziel: Signal soll WhatsApp überflügeln.

Das will Acton mit einer perfekten Mischung aus Benutzerfreundlichkeit und Datensicherheit schaffen. Signal soll die Vorzüge anderer moderner Messenger bieten, aber beim Datenschutz gehen die Macher keine Kompromisse ein.

«Das ist nicht nur für hyperparanoide Sicherheitsforscher, sondern für die Massen. Das ist etwas für jeden auf der Welt.»
Brian Acton über die Signal-App

Die Signal Foundation hat inzwischen 20 Angestellte und sucht weitere IT-Spezialisten, wie die Website verrät. Arbeitsort: irgendwo in den USA, ob zuhause oder im Café.

Die Stiftung rekrutiert IT-Spezialisten.
Die Stiftung rekrutiert IT-Spezialisten.
screenshot: signal.org

Wie das «Wired»-Magazin im aktuellen Artikel schreibt, mache Brian Acton keinen Hehl aus seinem Ehrgeiz, dass sich Signal zu einem Dienst in WhatsApp-Grösse entwickle.

Schliesslich habe er nicht nur WhatsApp gegründet und dazu beigetragen, dass das Start-up zu einem Koloss mit Milliarden von Usern heranwachsen konnte. Er sei auch schon vorher in den frühen, explosionsartigen Wachstums-Tagen von Yahoo Mitte der 1990er-Jahre dabei gewesen.

Und Acton glaube, dass er es wieder tun könne.

Was muss passieren, damit die Signal-App, die bekanntlich auch vom NSA-Whistleblower Edward Snowden empfohlen wurde, zu einem echten WhatsApp-Killer wird?

Zunächst einmal müssen die Signal-Entwickler einen der wenigen (und vermutlich grössten) technischen Nachteile beseitigen, den ihre App derzeit noch aufweist: die Identifizierung der Nutzer anhand ihrer eigenen Handynummer.

Tatsächlich arbeiten die IT-Spezialisten an einer Lösung, die es ermögliche, die virtuellen Identitäten der User sicher und anonym auf den Signal-Servern zu speichern. Die verschlüsselt in der Cloud abgelegten Kontakte blieben dann auch erhalten, wenn man als Signal-User das Smartphone wechselt.

Die Signal-App gibt es für Android, für iOS-Geräte (iPhone und iPad) sowie als Browser-Version auf Desktop- und Notebook-Rechnern, gekoppelt mit dem eigenen Mobilgerät.

Quellen

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