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Priests pray on the floor during an ordination ceremony in Econe, southwest Switzerland June 29, 2009. Earlier this year, Pope Benedict XVI lifted the excommunication of the four Bishops of the SSPX (Society of St. Pius X) leading to a possible reconciliation with the Vatican. Archbishop Marcel Lefebvre, founder of the traditionalist Catholic organization SSPX, had consecrated four bishops against Pope John Paul II's will, automatically leading to excommunication in 1988. (KEYSTONE/Olivier Maire)

Gottesdienst bei den Piusbrüdern. Bild: KEYSTONE

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Papst Franziskus vor dem Sündenfall – er will sogar Kinderschänder in die Kirche zurückholen



Die meisten Katholiken verehren Papst Franziskus wie kaum einen Pontifex vor ihm. Der Argentinier ist zugänglich, barmherzig, bescheiden, und er hat ein Herz für Kinder und Arme.

Als Tatbeweis entrümpelte er seinen Alltag vom klerikalen Pomp und Luxus, den seine Vorgänger liebevoll kultiviert hatten. Dafür verdient er die Note 6.

Und sonst? In vielen anderen – wichtigeren – Belangen ist der aktuelle Papst auch kein Musterschüler: Er hat im Heiligen Jahr die Gebeine des umstrittenen Selbstdarstellers und Schummlers Pater Pio im Vatikan ausgestellt, er lässt weiterhin die Geschiedenen im Stich, die Homosexuellen sowieso und vor allem die Frauen, die auch in seiner Ära in der Rolle der Dienenden gehalten werden. Ganz zu schweigen von der Sexualmoral.

Franziskus vor dem Sündenfall

Doch nun steht Franziskus offenbar vor dem ganz grossen Sündenfall. Er möchte die erzkonservative, traditionalistische Priestergemeinschaft der Piusbrüder zurück in den Schoss der Mutterkirche holen. Quasi als Akt der Versöhnung aus Anlass des Heiligen Jahres.

Seminarist from the Seminary of Econe the International Seminary of Saint Pius X, play soccer during a game, in Riddes, Switzerland, Sunday, May 17, 2009.	
During a week, most of the time, the priest pray, but Wednesday and Sunday afternoons are reserved for relaxation. Some priest from the Seminary of Econe used this time for playing soccer. The Seminary of Econe, the International Seminary of Saint Pius X, SSPX, was founded in 1971 by French Archbishop Marcel Lefebvre.  (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Fussball der Priesterschüler im gottgefälligen Dress. Bild: KEYSTONE

Doch wer sind denn die Piusbrüder, die sich offiziell Priesterbruderschaft St.Pius X nennen? Eine ganz feine Herrengesellschaft, die glaubt, den einzig wahren christlichen Glauben zu vertreten. Die Priester in ihren schwarzen Soutanen, die die Hauptsitze in Menzingen und Ecône in der Schweiz haben, leben geistig im Mittelalter.

Für sie ist der Vatikan eine hypermoderne Institution, die die wahre katholische Lehre beim Zweiten Vatikanischen Konzil verraten hat. Diese Bischöfe und Priester sind derart radikal in ihrer fundamentalistischen Auslegung des «wahren Glaubens», dass sie 1975 vom Vatikan sanktioniert wurden.

Piusbrüder wurden exkommuniziert

Das kümmerte den Gründer Marcel Lefebvre wenig, er bildete weiterhin Priester aus und ernannte eigenmächtig Bischöfe. So sah sich die Kurie genötigt, vier geweihte Bischöfe zu exkommunizieren. Ein einmaliger Vorgang in der jüngeren Geschichte der katholischen Kirche.

Für die Piusbrüder ist der Vatikan eine hypermoderne Institution, der die wahre Lehre verrät.

Dann erschrak der Vatikan über seinen eigenen Mut. Papst Benedikt XVI hob 2009 die Exkommunikation wieder auf. Ein Sieg der Fundis auf der ganzen Linie. Doch die bornierten Piusbrüder blieben in den Schlagzeilen.

Der Bischof ist ein Holocaust-Leugner

Für die dicksten sorgte Bischof Richard Williamson, einer der vormals exkommunizierten Geistlichen. In einem Fernsehinterview leugnete er den Holocaust und bestritt die Existenz von Gaskammern im Nationalsozialismus.

** ARCHIV ** Ein Videostandbild vom November 2008 zeigt Bischoff Richard Williamson waehrend eines Interviews in Schierling. Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok hat an die deutsche Justiz appelliert, einen EU-Haftbefehl gegen den Holocaust-Leugner zu pruefen. Er fordere, dass ein europaeischer Haftbefehl gegen Bischof Williamson von deutschen Staatsanwaltschaften geprueft werde, sagte der Parlamentarier der

Holochaust-Leugner Bischof Williamson im TV-Interview.
Bild: Keystone

Damit stürzte Williamson auch die katholische Kirche in eine schwere Krise. Der Ruf der feinen Piusbrüder sauste noch tiefer in den Keller. So tief, dass der neue Chef Bernard Fellay den rechtsradikalen Bruder und Bischof ausschloss.

Danach wurde es etwas ruhiger um die Priester, die eine Art Gegenkirche bilden. Doch nun sind sie zurück in den Medien.

Der Piusbruder und die «Sexsomnie»

Das aktuelle Thema überrascht nicht wirklich. Die Vorwürfe: Sexuelle Übergriffe von Piusbrüdern auf Internatsschüler. Zurzeit läuft ein Prozess in Brüssel. In erster Instanz wurde der beschuldigte Priester freigesprochen. Er bestritt einen bewussten oder gezielten Missbrauch.

Allenfalls habe er in einem Zustand der «Sexsomnie» gehandelt, sagte er vor Gericht. Also in einem schlafwandlerischen Zustand. Konkret: Er wusste angeblich nicht, was er tat und hatte auch keinen Lustgewinn.

Sexuelle Übergriffe von Piusbrüdern sind für Papst Franziskus natürlich kein Grund, die abtrünnigen Bischöfe und Priester nicht in den Schoss der Kurie zurückzuholen. Das Phänomen ist ihm schliesslich von seinen eigenen Geistlichen bestens bekannt.

Hugo Stamm; Religionsblogger

Hugo Stamm

Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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