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Zwei St. Galler Bauern sollen Tierseuche verbreitet haben



ARCHIV -- ZU DEN EIDGENOESSISCHEN ABSTIMMUNGEN VOM SONNTAG, 25. NOVEMBER 2018, UEBER DIE HORNKUH INITITAVE, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -- The cows of farmer Pius Mettler drink fresh spring water from a drinking tub about 200 metres above his farm on the Obermatt Alp, below the Dossens on the Rigi, Switzerland, on August 7, 2018. since the springs on the Dossen are dry, the farmer drives twice a day to the Alp to supply his cows with spring water. (KEYSTONE/Gaetan Bally) 

Die Kuehe von Bauer Pius Mettler trinken frisches Quellwasser aus einer Trinkwanne etwa 200 Hoehenmetter oberhalp seines Bauernhofes auf der Alp Obermatt, unterhalb des Dossens auf der Rigi, aufgenommen am 7. August 2018. Da die Quellen auf dem Dossen trocken sind, faehrt der Bauer zwei Mal taeglich auf die Alp, um seine Kuehe mit Quellwasser zu versorgen. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bild: KEYSTONE

Ein St. Galler Landwirt und sein Sohn werden beschuldigt, vorsätzlich kranke Kälber verkauft zu haben. Ausserdem sollen sie mittels fingierter Bestandslisten zu hohe Direktzahlungen erhalten haben. Am Dienstag hat der Prozess am Kreisgericht Wil mit einem Augenschein auf dem Hof der Beschuldigten begonnen.

Die beiden Landwirte hatten auf ihrem Familienbetrieb in den Jahren 2008, 2012 und 2016 Fälle der Bovinen Virus-Diarrhoe (BVD), die fast ausschliesslich Rinder befällt. Gefährlich ist die Krankheit vor allem, wenn sich das Virus vom Muttertier auf das ungeborene Kalb überträgt. Gemäss Tierseuchengesetz müssen infizierte Kälber euthanasiert beziehungsweise ältere Tiere geschlachtet werden.

Über ein Viehhandelsunternehmen soll der 61-jährige Bauer im Sommer 2016 gemäss Anklageschrift wissentlich acht BVD-positiv getestete Kälber an Betriebe in den Kantonen St. Gallen, Graubünden und Zürich verkauft haben, wo die Tiere später getötet werden mussten.

«Zwillingsgeburten» fingiert

Der Landwirt und sein Sohn sollen «Zwillingsgeburten» fingiert haben, indem sie jeweils zwei Ohrmarken-Nummern pro Kalb in der Tierverkehrsdatenbank (TVD) registrierten. So gelang es ihnen, negative BVD-Testresultate gesunder Kälber mit einer dieser Nummern zu verknüpfen und damit Käufer und Amtsstellen glauben zu lassen, dass es sich bei den verkauften Kälbern um gesunde Tiere handelte.

Das Kreisgericht Wil in Flawil SG hat einen 47-jährigen Mann, der im Mai 2018 seine Ehefrau tötete, zu einer Freiheitsstrafe von 12,5 Jahren verurteilt, aufgeschoben zu Gunsten einer stationären Massnahme.

Bild: KEYSTONE

Zudem soll der Schweizer für das nichtexistente, «kranke» Zwillingskalb Entschädigungen vom Kanton kassiert haben, weil er es einige Tage nach Geburtstermin aus der TVD austragen liess unter der Angabe, das infizierte Tier abgetan zu haben, wie es das Tierseuchengesetz verlange. Abgetan wurde damit aber nur eine Nummer, kein Tier.

Im Weiteren soll er zwischen Weihnachten und Silvester 2015 gleich 41 seiner Kühe «sterben» lassen haben, allerdings ebenfalls nur auf dem Papier. Zusätzlich standen im Frühling 2017 acht zugekaufte, aber noch nicht auf seinen Betrieb registrierte Kühe in seinem Stall.

Insgesamt reduzierte er laut Anklage seinen tatsächlichen Bestand von 129 auf 81 Milchkühe und schönte so fürs Erntejahr 2016 seine Nährstoffbilanz. Dank dieser soll er knapp 67'000 Franken mehr an Direktzahlungen erhalten haben als ihm aufgrund seines tatsächlichen Stickstoff- und Phosphatüberschusses zustanden.

Die Staatsanwaltschaft macht den Vater hauptverantwortlich. Sein 41-jähriger Sohn soll jeweils Beihilfe geleistet haben, in dem er am Computer entweder selber TVD-Einträge vorgenommen oder - wo dies nicht möglich war - telefonisch «Abgänge» von Kälbern und Kühen gemeldet oder falsche Zwillingsgeburten bei bereits registrierten Einzelkalb-Geburten nachgemeldet habe.

Den Beschuldigten wird Betrug, Urkundenfälschung, vorsätzliche Verbreitung von Tierseuchen und vorsätzliche Tierquälerei - alle Delikte mehrfach begangen - vorgeworfen. (aeg/sda)

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