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Elon Musk und die Tesla-Unfälle: Das brutale Genie

Elektropionier und Marketingguru: Kaum jemand steht so sehr für Innovation wie Tesla-Chef Elon Musk. Nun zeigt ein Streit mit US-Behörden die andere Seite des Milliardärs.

16.04.18, 08:58

Emil Nefzger



Ein Artikel von

Ob man denn sein Auto nicht so programmieren könne, dass der Sitz zurück und das Lenkrad nach oben fährt, sobald man in den Parkmodus wechselt? Dieser Wunsch eines Autofahrers via Twitter würde bei klassischen Autoherstellern vermutlich ungehört verhallen. Bei Tesla sieht das anders aus. «Gutes Argument», antwortete der Tesla-Chef Elon Musk höchstselbst wenig später. Doch damit nicht genug: Man werde das beim nächsten Softwareupdate für alle Autos einführen.

Ein Tweet, Problem gelöst – kaum ein Firmenchef geht derart offensiv mit den Wünschen seiner Kunden um und ist so stark mit ihnen vernetzt.

Das kommunikative Schnellfeuer exerziert Tesla jedoch auch bei negativen Schlagzeilen: Nach dem tödlichen Unfall eines Model X Ende März beschuldigte die Firma wiederholt den ums Leben gekommenen Fahrer in mehreren Pressemitteilungen.

Im Clinch mit den Behörden

Dieser unkonventionelle Umgang in Sachen Konzernkommunikation hat Tesla jetzt erheblichen Ärger eingebracht: Das in den USA für die Verkehrsaufsicht zuständige National Transportation Safety Board (NTSB) schloss Tesla am Donnerstag von der Mitwirkung an der Untersuchung an eben jenem Unfall aus. Ein ungewöhnliches Vorgehen – normalerweise kooperiert die Behörde mit den Herstellern bei der Aufklärung von Vorfällen.

Allerdings hatte sich Tesla mit seinen Communiqués mehrfach über die Vereinbarung mit der US-Verkehrsaufsicht hinweggesetzt, bis zur Publikation des offiziellen Berichts keine Informationen zum Unfall zu veröffentlichen. Nachdem die Behörde die Zusammenarbeit aufgekündigt hatte, holte Musk zum Gegenschlag aus: Das Abkommen sei «inakzeptabel», da es für mehr als ein Jahr untersage, Informationen zum Fahrassistenten «Autopilot» zu veröffentlichen.

Damit nicht genug: Später legte die Firma des Tech-Milliardärs nach und griff die Behörde scharf an. Das NTSB kümmere sich mehr um Schlagzeilen als um Sicherheitsfragen, hiess es in einem ausführlichen Statement. Die Behörde habe selbst wiederholt unvollständige Informationen an die Medien durchgestochen und damit ihre eigenen Regeln verletzt. «Wir werden eine offizielle Beschwerde beim Kongress einreichen.»

Elon Musk, founder, CEO, and lead designer of SpaceX, speaks at a news conference after the Falcon 9 SpaceX heavy rocket launched successfully from the Kennedy Space Center in Cape Canaveral, Fla., Tuesday, Feb. 6, 2018. (AP Photo/John Raoux)

Elon Musk Bild: AP/AP

Ein Flammenwerfer als Finanzierungshilfe

Elon Musk ist ein Meister der Inszenierung, seinen Projekten verschafft er per Twitter oder Instagram oft höchstpersönlich grosse Aufmerksamkeit. Und der Erfolg gibt ihm auf den ersten Blick recht. Als Newcomer machte er seine Elektroautos quasi aus dem Stand zum Statussymbol, die von ihm gegründete Raketenfirma SpaceX ist mittlerweile mehr als 20 Milliarden Dollar wert. Klar, die Raketen von Musk starten auch spektakulärer als alle anderen: Bei ihrem Erstflug schoss die «Falcon Heavy» von SpaceX stilecht einen kirschroten Tesla Roadster ins All, der noch tagelang die Bilder einer Bordkamera zur Erde funkte.

Bei seinen PR-Stunts bewegt er sich allerdings auch oft hart an der Grenze zur Scharlatanerie. Per Twitter beklagte er sich 2016 über den Verkehr in Los Angeles und kündigte an, auf eigene Faust Tunnel zu graben und die endlosen Staus in den Griff zu kriegen. Die dafür gegründete Firma, «The Boring Company», verdient ihr Geld jedoch bisher nicht mit Tunneln oder Bauaufträgen – sondern mit Fanartikeln, nämlich Baseballkappen und dem Verkauf von 20'000 Flammenwerfern. «Belebt jede Party», war der Slogan des ungewöhnlichen Produkts, 500 Dollar kostete einer der Flammenwerfer - trotzdem waren sie innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.

Solche Gags sind, das lässt sich inzwischen mit ziemlicher Sicherheit sagen, Teil einer Strategie und zwar über die Querfinanzierung anderer Projekte hinaus: Sie lenken von Problemen ab, die Musk in seinen Firmen hat. So häuften sich vor dem Flammenwerfer-Fabel zufälligerweise die Nachrichten über Schwierigkeiten bei der Produktion des Tesla Model 3, die Aktie des Autobauers fiel daraufhin um knapp zwei Prozent. Doch wer liest schon solche Nachrichten, wenn es stattdessen Videos mit Flammenwerfern gibt?

Teurer Aprilscherz

Einen noch krasseren Kurssturz bei Tesla löste Musk dagegen selbst aus, mit einem Aprilscherz: Tesla sei bankrott, erklärte er am 1. April 2018. Die Aktie fiel daraufhin um sechs Prozent, die Kursverluste seit Anfang März betrugen zeitweise mehr als 25 Prozent.

Musks Humor seinen Anlegern gegenüber und Teslas Umgang mit Behörden mögen zwar befremdlich wirken, sind jedoch harmlos im Vergleich zum Verhalten der Firma bei früheren Unfällen im Zusammenhang mit ihrem «Autopiloten». Ein Grundproblem dabei ist zunächst der Name des Systems und der Umgang mit seinen Fähigkeiten – immerhin suggeriert die Bezeichnung «Autopilot» ein zu 100 Prozent selbstständiges Fahrzeug.

Auf seiner Website verspricht Tesla «die notwendige Hardware für autonomes Fahren» und präsentiert, aufwendig bebildert, die Fähigkeiten seines Systems – nur um weit unten darauf hinzuweisen, man könne «noch nicht präzise voraussagen, wann die einzelnen Elemente der oben beschriebenen Funktionalität verfügbar sein werden». Dass die meisten Kunden das wahrscheinlich niemals lesen werden? Geschenkt.

Autopilot – schicker Name für einen Fahrassistenten

Denn eigentlich ist der Autopilot von Tesla nur ein Fahrassistenzsystem, mit dessen Hilfe der Wagen selbstständig die Geschwindigkeit anpassen, die Spur wechseln und einparken kann. Die etablierten Autohersteller schauen deswegen doppelt skeptisch auf das Treiben von Musk: Nicht nur, dass er sie beim Thema Elektromobilität kalt erwischt hat. Das Autonome Fahren ist auch für sie eine wichtige Schlüsseltechnologie der Zukunft, aber eine, die sie mit aller Vorsicht erforschen und in den Markt bringen wollen. Das hemdsärmelige Vorgehen von Tesla dürfte sie deswegen nicht erfreuen: Es könnte die ganze Technologie in Verruf bringen.

Wie stark die Sichtweisen der alten und der neuen Autowelt auseinanderdriften, zeigte sich auch nach dem tödlichen Unfall eines Tesla im Autopilot-Modus aus dem Jahr 2016: «Unter dem Strich wird der Autopilot Leben retten», erklärte er lapidar.

Das autonome Auto als Teil eines Lerneffekts, ähnlich den Bugs einer Software – hier offenbarte sich das Denken eines Mannes, der in der New Economy sozialisiert wurde. «Wenn Dinge nicht schiefgehen, warst du nicht innovativ», erklärte Musk einst selbstbewusst.

Nicht nur zum Spass schickte Elon Musk dieses Auto ins All

Video: watson

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Brikne, 20.7.2017
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36
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36Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • NaSkivaL 16.04.2018 16:57
    Highlight Visionäre waren schon immer verschroben bis verrückt.
    Und ein Held ist, wer sich mit dem Establishment anlegt.

    Ihr könnt noch mit weiteren 100 Artikel versuchen, ihn zu bashen. Für mich bleibt er eine der wichtigsten Personen unserer Zeit. Weil er neue Bewegung in den ganzen alten Scheiss bringt. Genau das brauchen wir! Abgesehen davon gibt es keine perfekten Charaktere. Nirgendwo!

    "Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben."
    G.B. Shaw
    24 2 Melden
  • AustinOsmanSpare 16.04.2018 13:44
    Highlight Kein Kuchen ohne dass man ein paar Eier zerbricht. Ihn desswegen "brutal" zu betiteln, grenzt an Weicheierei ...
    21 4 Melden
  • rolf.iller 16.04.2018 13:25
    Highlight Mein Model X ist ein Traumauto und der Autopilot ist eine echte Hilfe. Schade, dass die deutsche Autoindustrie statt Innovation bei Abgastests bescheissen muss und dann noch Spiegel-Tesla-Bashing braucht.
    29 6 Melden
  • Domino 16.04.2018 12:51
    Highlight Mein Benz aus dem 2004 kann das auch mit der Sitz und Lenkradverstellung. Nix wirklich neues.
    7 9 Melden
    • EvilBetty 16.04.2018 15:29
      Highlight Hat ja auch niemand gesagt es wäre etwas neues... Lediglich ein Wunsch der ein Kunde geäussert hat und der (wohl) umgesetzt wird.
      13 1 Melden
    • arpa 16.04.2018 16:40
      Highlight Das klingt nach einem Apple-Fanboy-Argument
      7 5 Melden
    • EvilBetty 16.04.2018 18:11
      Highlight Eher nach einem Apple-Hater Argument. Mimimi... Android kann das schon lange. XY hat schon lange Fingerabdrucksensor mimimi
      12 1 Melden
  • Dr.Med.dent T.Hill 16.04.2018 11:35
    Highlight Ich liebe den Typen einfach !
    der Nikola Tesla unserer Zeit !
    Ein Genie mit unglaublich viel Humor und selbst Ironie !

    - Er wäre sicher ein guter Präsident :P ... nein jetzt aber mal ernsthaft - Elon hat die Welt verändert ! und ich bin sicher, er wird noch viel erreichen !
    33 14 Melden
    • Eagle 16.04.2018 12:52
      Highlight !
      !
      !
      9 2 Melden
    • Mutzli 16.04.2018 13:32
      Highlight Öhm, also man kann den Musk ja schon sehr gern haben, aber in nur deswegen auf die gleiche Stufe wie einen der wichtigsten Erfinder des 20. Jahrhunderts zu heben, ist dann doch ein bisschen übertrieben. Nur weil jemand super ist/sein soll, ist er wegen dem noch kein allround-superheld. Die Entwicklungen seiner Firmen sind sehr beachtlcih und er hat definitv sehr viele Ideen, aber wegen dem ist er nicht ein Erfinder bzw. Wissenschaftler. Da würde noch einiges mehr dazukommen. Aber die Impulse bzgl. Elektormobilität und Akku etc. sind schon positiv, wenn auch (noch) nicht Weltverändernd.
      10 7 Melden
  • Donald 16.04.2018 10:56
    Highlight Nein, im Flugzeug muss der menschliche Pilot beim "Autopilot" auch immer eingreifen können und jederzeit das Flugzeug überwachen. Der Begriff suggeriert nichts falsches.

    Watson, seid vorsichtig beim Übernehmen von Artikeln. Deutsche Medien bashen gerne Asiatische und Amerikanische Autohersteller.
    98 8 Melden
  • TheGoon 16.04.2018 10:30
    Highlight In diesem Jahrhundert werde ich kein deutsches Auto mehr kaufen. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat deutlich gezeigt wie der Filz funktioniert. Der Typ mit dem Flammenwerfer scheint mir vernünftig.
    98 23 Melden
    • Froggr 16.04.2018 11:29
      Highlight Für mich kommen sowieso nur britische Fahrteuge in Frage. Ganz klar
      3 8 Melden
    • TheGoon 16.04.2018 13:00
      Highlight good old Morris Minor!
      6 3 Melden
    • Joachim Wiedemann 16.04.2018 13:03
      Highlight Er ist ein unrealistischer Utopist der fremdes Kapital vernichtet.
      8 20 Melden
    • TheGoon 16.04.2018 15:21
      Highlight so wie C. Columbus damals?
      4 4 Melden
    • Urs457 17.04.2018 08:19
      Highlight @froggr Britische Autos? Das sind doch heute deutsche oder indische Autos bis auf den McLaren (?)! Die Briten haben es total verpennt und die Deutschen beinahe. Ohne Musk (und die Asiaten) wären die immer noch im Diesel-Schlaf, aber jetzt erwachen sie langsam!
      4 1 Melden
    • Mutzli 17.04.2018 08:47
      Highlight @the goon Da Columbus eine genoizidale Pappnase war, die nicht navigieren konnte, sollten sie vielleicht ein anderes Beispiel wählen. Nur so btw. Er war so unfähig und brutal, dass er unter zwang nach Spanien zurückverschifft wurde.
      3 0 Melden
  • marcog 16.04.2018 10:10
    Highlight Mit dem "auto drive" ist nicht nur Musk am Übertreiben. Die Übersetzung von Tempomat zu "cruise control" ist auch etwas hoch gestochen und hat schon für Unfälle gesorgt.
    19 10 Melden
  • AustinOsmanSpare 16.04.2018 09:35
    Highlight Entfernt. Bitte formuliere deine Kritik sachlich. Danke, die Redaktion.
    • Triumvir 16.04.2018 10:00
      Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • WhatZitTooya 16.04.2018 09:19
    Highlight Tesla hin oder her, es liegt in der Eigenverantwortung des Fahrers diesen "Autopilot" zu nutzen. Wer sich zu 100% darauf verlässt und während des Fahrens lieber die Füsse hochstellt, muss sich aber auch nicht wundern wenn es zum Unfall kommt. Ich verstehe die Kritik an Tesla diesbezüglich nicht, da sie ja ganz klar darauf hinweisen. Wer sich ein solches Fahrzeug kauft sollte sich zum vornherein über die Systeme informieren. Ich schallte bei meinem Auto ja auch nicht einfach das ESC und ABS aus.
    181 13 Melden
    • Mutzli 16.04.2018 10:23
      Highlight Das Problem ist in diesem Fall ja nicht, dass sich die Personen komplett auf den Autopilot verlassen und "die Füsse hochstellen", sondern das aufgrund eines Bugs das Auto mit eingestelltem Autopilot aktiv Autobahnbarrieren ansteuert. Wie schnell das bei solchen Geschwindigkeiten verheerend sein kann, wird z.B. in diesem Video eines Teslafahrers mit dem genau gleichen Problem ersichtlich: https://www.reddit.com/r/teslamotors/comments/8a0jfh/autopilot_barrier_lust_201812/

      Kann man sich nicht einfach zurücklehen? Klar. Sollte man jedoch damit rechnen müssen, dass ein das Auto umbringen will?
      13 4 Melden
    • Mutzli 16.04.2018 10:27
      Highlight Gerade wenn das Problem bei solchen Bugs liegt, welche erst durch neue Systemupdates über Nacht ins System eingeschleust werden, greift auch das Argument des sich vorher informierens nicht. Klar sollte man wohl besser mit Updaten warten, aber wenn Tesla nicht einmal so einen auffäligen Bug erwischt, der auf reichlich behämmerten Grundannahmen "Strasse teilt sich nicht, sondern wird breiter, also rein in die Mitte" basiert, dann spricht das nicht sehr für ihre QA. Wenn das jetzt ein Massenfahrzeug mit 100k oder mehr Usern wäre...dann gäbe es mehr als nur einen Toten.
      5 5 Melden

Unterwegs mit Teslas «Autopilot» – eine krasse Erfahrung

Nachdem ich kritisch über Teslas «Autopiloten» geschrieben hatte, machte mir ein watson-User ein Angebot, das ich nicht ausschlagen konnte.

Der Ton ist schwer zu beschreiben.

Ein Surren. Ein leises Pfeifen.

Kein nerviges Geräusch. Im Gegenteil. Es klingt mehr nach einem Versprechen: «Da, wo diese Kraft herkommt, ist noch mehr», säuselt mir der Tesla ins Ohr.

Es ist ein lauer Frühlingsabend. Ich sitze am Steuer eines Model S und cruise in den Sonnenuntergang.

Das kam so ...

Inhaltsverzeichnis:

Vor ein paar Wochen wandte ich mich in einem offenen Brief an die Tesla-Fans: Es war ein kritischer Artikel, der sich mit den Risiken und …

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