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Democratic presidential candidate former Vice President Joe Biden, with Democratic vice presidential candidate Sen. Kamala Harris, D-Calif., raise their arms up as fireworks go off in the background during the fourth day of the Democratic National Convention, Thursday, Aug. 20, 2020, at the Chase Center in Wilmington, Del. Looking on are Jill Biden, far left, and Harris' husband Doug Emhoff, far right. (AP Photo/Andrew Harnik)
Joe Biden,Kamala Harris,Jill Biden,Doug Emhoff

Ein knalliger Abschluss: Joe Biden und Kamala Harris mit ihren Ehepartnern. Bild: keystone

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Der alte Mann kann's ja doch

Er musste die Rede seines Lebens halten. Und er hat geliefert. Joe Bidens Ansprache am Konvent der US-Demokraten war eine Botschaft der Hoffnung – und eine Kampfansage an Donald Trump.



Am Ende gab es etwas von dem Brimborium, das Parteitage in den USA üblicherweise begleitet. Über dem Kongresszentrum in Wilmington (Delaware), in dem sich Joe Biden während des Konvents der Demokraten eingerichtet hatte, wurde ein Feuerwerk gezündet. Die Autos auf dem Parkplatz begleiteten es mit einem Hup- und Blinkkonzert.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat, seine Frau Jill sowie «Running Mate» Kamala Harris und ihr Mann verfolgten das Spektakel mit Gesichtsmasken – eine Erinnerung daran, dass die USA und die Welt sich nicht in normalen Zeiten befinden. Die Parteiversammlung der Demokraten fand rein virtuell statt, unüblich still, fast andächtig angesichts der Opfer der Corona-Pandemie.

Highlights von Bidens Rede

Video: watson/een

Vor der Parkplatzshow hatte Biden seine mit Spannung erwartete Nominierungsrede gehalten. Würde der ehemalige Vizepräsident, der bekanntlich kein glänzender Redner ist, ein rhetorisches Feuerwerk zünden? So weit kann man nicht gehen. Aber gemessen an den teilweise tiefen Erwartungen hat Biden nicht nur geliefert. Er war brillant.

Vier historische Krisen gleichzeitig

Natürlich gab es ein paar Stolperer. Ab und zu nuschelte er, was den ehemaligen Stotterer verriet. Aber ansonsten war Biden fit, präsent, angriffig. Zu keinem Zeitpunkt hatte man den Eindruck, einen senilen Tattergreis zu erleben. Wer zuvor gezweifelt hatte, dass der 77-Jährige auf der Höhe der Aufgabe sein könnte, dürfte etwas ruhiger schlafen.

Denn gewaltig ist die Aufgabe, daran erinnerte Joe Biden mit klaren Worten: «Wir erleben vier historische Krisen gleichzeitig, einen perfekten Sturm. Eine Pandemie, eine Wirtschaftskrise, Rassenunruhen und den Klimawandel.» Es ist eine Jahrhundert-Herausforderung, die auf den nächsten Präsidenten wartet. Biden machte klar, dass er sie anpacken will.

Seine Abrechnung mit der Performance des Amtsinhabers in der Coronakrise war heftig: «Er hat Amerika im Stich gelassen, das ist unverzeihlich.» 5 Millionen Infizierte, mehr als 170’000 Tote, die schlechteste Bilanz weltweit. «Es hätte nicht so schlimm sein müssen», betonte Biden und verwies auf das Nachbarland Kanada, Europa und Japan als positive Beispiele.

Obama attackiert seinen Nachfolger

«Ich habe eine Botschaft für ihn: Es wird kein Wunder geschehen», sagte der Demokrat an die Adresse von Donald Trump, dessen Namen er nie erwähnte – ein alter, etwas billiger Rhetorik-Trick. Eindringlich warnte er vor dessen Wiederwahl: «Vier weitere Jahre werden wie die letzten vier Jahre sein.» Amerika aber könne «diese Zeit der Dunkelheit überwinden».

Botschaft der Hoffnung

«Ich werde auf der Seite des Lichts stehen», betonte Biden im Wissen darum, dass die USA kein Land sind, das auf Schwarzmalerei steht. Er erinnerte an den New Deal von Franklin Roosevelt, einen Präsidenten, der durch ein Virus – vermutlich Polio – in den Rollstuhl gezwungen worden war. Wie dieser habe er eine Botschaft der Hoffnung.

Er verteidigte die Krankenversicherung Obamacare, die Donald Trump zerstören wolle. Er versprach gut bezahlte Jobs, das Stopfen von Steuerschlupflöchern, die Rücknahme von Trumps Steuergeschenk an die Superreichen, und dass die USA die Welt bei sauberer Energie anführen würden: «Ich werde das Beste aus uns herausholen, nicht das Schlimmste.»

Der menschliche Faktor

Einen emotionalen Höhepunkt erreichte die Rede, als Biden die von Covid-19 geplagte Nation an seine eigenen Schicksalsschläge erinnerte: «Ich weiss, wie es sich anfühlt, jemanden zu verlieren.» Etwa seinen Sohn Beau, der 2015 mit erst 46 Jahren starb und an den vor der Rede mit zahlreichen Rückblenden ausgiebig erinnert wurde.

Seine Augen wurden feucht, und wohl auch die vieler Zuschauer. Dieser menschliche Faktor könnte sich als stärkste Waffe gegen den gefühllosen Amtsinhaber erweisen, der bekanntlich nur an sich selber denkt. Joe Biden betonte denn auch ausdrücklich, dass er die tiefe Spaltung im Land überwinden und ein Präsident für alle Amerikaner sein wolle.

Ein grosser Redner wird Joe Biden nicht mehr. Und es stimmt, dass er wenig Begeisterung erweckt, zumindest bei jenen, die sich beruflich mit Politik befassen. Doch der alte Mann kann genau das vermitteln, was Amerika nach vier Jahren Trump braucht: Normalität und Hoffnung. In seiner Nominierungsrede ist ihm dies auf beeindruckende Art gelungen.

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