Gesundheit
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
A dried chili as seen inside an abandoned boat which carried Rohingya and Bangladeshi migrants from Thailand, is found off the coast near the city of Kuta Binje, Indonesia's Aceh Province May 20, 2015.  Malaysia and Indonesia issued a joint statement on Wednesday saying they will continue to offer international assistance to 7,000 migrants adrift at sea and assist them with

Chilis enthalten Capsaicin, ein Stoff, der einen guten Ruf geniesst. Bild: BEAWIHARTA/REUTERS

Gute Nachrichten für alle Chili-Fans: Wer scharf isst, lebt länger (sagen zumindest chinesische Forscher)

Ist scharfes Essen gesund? Eine Studie aus China kommt zum Schluss: Menschen, die oft scharf Gewürztes speisen, leben länger. Also mehr Chili ans Essen tun?

Nina Weber / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Frische Chilis, getrocknete Chilis, Chilisosse, Chili-Öl: Nicht nur in der chinesischen Küche haben scharfe Paprikaschoten ihren festen Platz. Das sogenannte Capsaicin und andere Pflanzenstoffe sorgen dafür, dass mit Chili Gewürztes auf der Zunge brennt und den Esser schon mal in Schweiss ausbrechen lässt.

Kleinere Studien deuten darauf hin, dass Capsaicin auch länger anhaltende Effekte hat – und zwar wünschenswerte. Forscher berichten, dass es vermutlich der Entstehung von Krebs entgegenwirkt sowie dazu beiträgt, Herzkreislauf- und Verdauungssystem gesund zu halten.

Ein internationales Forscherteam ist nun der Frage nachgegangen, ob Menschen, die häufig scharf gewürztes Essen verspeisen, länger leben. Im British Medical Journal (BMJ) berichten sie, dass die Freunde der Schärfe tatsächlich ein geringeres Risiko hatten, im Verlauf der gut siebenjährigen Studie zu sterben. Ihr Risiko war um etwa 14 Prozent gesunken, schreiben Jun Lv von der Uniklinik in Peking und Kollegen. Dies machte sich auch einzeln betrachtet bei den Todesfällen durch Herzkreislauferkrankungen, Krebs und Atemwegsleiden bemerkbar.

Umfrage

Magst du Chilis?

  • Abstimmen

256

  • Ja, ich kann gar nicht genug davon kriegen85%
  • Naja, geht so11%
  • Nein, das mag ich gar nicht3%

Dass Gewürze antibakterielle Eigenschaften haben, ist auch bekannt. Die Zahl der Todesfälle durch Infektionen war in der Studie jedoch so gering, dass die Forscher keine Aussage darüber treffen können, ob dieses Risiko möglicherweise durch den Konsum von scharfem Essen beeinflusst wird.

Knapp 500'000 Teilnehmer

Fast eine halbe Million Menschen, die in zehn unterschiedlichen Städten beziehungsweise ländlichen Regionen Chinas lebten, hatten für die Untersuchung unter anderem über ihre Ernährung Auskunft gegeben. 20'224 Teilnehmer starben innerhalb des Studienzeitraums. (Details zur Studie findest du in der Infobox am Ende des Textes.)

Die Mehrheit – rund 57 Prozent – ass seltener als einmal pro Woche scharfe Speisen. Rund 31 Prozent taten dies an sechs bis sieben Tagen pro Woche. Die restlichen zwölf Prozent gaben an ein- bis zweimal oder drei- bis fünfmal pro Woche scharf zu essen. Die verschiedenen Chilivarianten wurden besonders oft als Gewürz verwendet.

Der Zusammenhang zwischen scharfem Essen und Sterberisiko war bei Männern und Frauen gleichermassen ausgeprägt, berichten die Forscher. Allerdings war er bei jenen Teilnehmern deutlich schwächer, die regelmässig Alkohol tranken.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass Capsaicin und andere scharf schmeckende Stoffe das Leben verlängern. Ebenso ist es möglich, dass die Chinesen, die scharfes Essen besonders schätzen, von Natur aus eine bessere Konstitution haben. Oder die Lebensumstände der Gruppen variieren in anderen, nicht genau untersuchten Punkten, die den Unterschied erklären. So lebten etwa die Scharf-Esser deutlich häufiger auf dem Land.

Oder liegt es am Tee?

In einem begleitenden Kommentar im BMJ beschreibt die Epidemiologin Nita Forouhi von der University of Cambridge (Grossbritannien) eine mögliche andere Erklärung zu dem beobachteten Zusammenhang: Es könnte eben auch an den Trinkgewohnheiten liegen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass Menschen mit einem überdurchschnittlichen Chilikonsum auch grössere Mengen Wasser oder Tee trinken, schreibt sie. Und es gebe Hinweise darauf, dass Teekonsum die Lebensdauer beeinflussen könnte.

Jedenfalls ist es aus ihrer Sicht zu früh, um generell scharfes Essen zu empfehlen. Aber wer's mag, kann nun natürlich mit besonders gutem Gefühl bei den Penne all'arrabbiata grosszügig nachwürzen.

Zusammengefasst: Eine grosse chinesische Studie kommt zum Ergebnis, dass Menschen, die täglich oder nahezu täglich scharfe Speisen verzehren, länger leben. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich daraus nicht schlussfolgern, dass Chilis und andere Scharfmacher das Leben verlängern.

Zur Studie:

Wer hat's bezahlt?
Die Natural Science Foundation of China, das chinesische Wissenschaftsministerium, der britische Wellcome Trust sowie die Kadoorie Charitable Foundation haben die Studie finanziert.
Das war die Fragestellung:
Ob der regelmässige Verzehr von scharf gewürzten Speisen mit dem Sterberisiko insgesamt sowie der Sterblichkeit infolge von Krebs, Herzkreislauferkrankungen und Schlaganfällen zusammenhängt.
So wurde untersucht:
Die Forscher griffen auf Daten der sogenannten China Kadoorie Biobank zurück. An dieser grossen Langzeitstudie nehmen Menschen aus zehn unterschiedlichen Regionen Chinas teil, und zwar aus fünf städtischen Gebieten sowie fünf ländlichen. Für diese Untersuchung wurden Daten von knapp 200'000 Männern und rund 288'000 Frauen ausgewertet, die im Schnitt gut sieben Jahre an der Studie teilgenommen hatten. Zu Studienbeginn waren sie zwischen 30 und 79 Jahren alt. Die Teilnehmer machten zu Studienbeginn Angaben zu ihrem Essverhalten, darunter auch zum Verzehr scharf gewürzter Speisen. Diverse andere Faktoren – vom Rauchen bis zum Haushaltseinkommen – wurden ebenfalls abgefragt. 20'224 Teilnehmer starben innerhalb des Studienzeitraums.
Das fällt auf:
Rund 57 Prozent der Teilnehmer fielen in die Grundkategorie, weil sie seltener als einmal pro Woche scharf Gewürztes assen. Nur rund zwölf Prozent waren in den beiden mittleren Kategorien vertreten (1-2 Mal oder 3-5 Mal pro Woche scharfes Essen). Circa 31 Prozent assen sechs- oder siebenmal pro Woche scharf. Diese Menschen lebten deutlich öfter auf dem Land als jene, die seltener Scharfes assen. Sie waren zudem viel häufiger Raucher und gaben auch öfter an, dass sie regelmässig Alkohol konsumierten. Häufiger Verzehr von scharfem Essen und Sterberisiko waren bei jenen Teilnehmern, die regelmässig Alkohol tranken, weniger stark miteinander verknüpft.
Was die Studie nicht kann:
Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, kann sie keinen kausalen Zusammenhang beweisen. Die Daten liefern also nicht den Beweis, dass das scharfe Essen tatsächlich lebensverlängernd wirkt. Auch wenn die Forscher zahlreiche andere Faktoren bedacht und eingerechnet haben, könnte es für den beobachteten Zusammenhang eine andere Erklärung geben.

Das könnte dich auch interessieren:

Alle gegen Trump: Demokraten treten an zum ersten TV-Duell

Link zum Artikel

Wer in Europa am meisten Dreckstrom produziert – und wie die Schweiz dasteht

Link zum Artikel

25 Bilder von Sportstars, die Ferien machen

Link zum Artikel

Mit diesen 10 Apps pimpst du dein Smartphone zum Büro für unterwegs

Link zum Artikel

Holland ist aus dem Häuschen, weil diesem Schwimmer gerade Historisches gelang

Link zum Artikel

Schneider-Ammanns Topbeamter gab vertrauliche Infos an Privatindustrie weiter

Link zum Artikel

Weshalb die Ära Erdogan jetzt schneller vorübergehen könnte, als du denkst

Link zum Artikel

Das sind die besten Rekruten der besten Armee der Welt

Link zum Artikel

9 «Ratschlag»-Klassiker, die du dir in Zukunft einfach mal sparen kannst

Link zum Artikel

Christian Wasserfallen nicht mehr FDP-Vize – wegen der Klimafrage?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen

«Ich ass krankhaft gesund»: Wenn der Zwang nach gesunder Ernährung krank macht

Nur ausgewählte Lebensmittel, nur bestimmte Hersteller, alles bis aufs letzte Gramm abgewogen. Aus dem Wunsch, sich gesund zu ernähren, wurde bei Nils Binnberg ein Zwang. Er litt jahrelang an Orthorexie.

Auf dem Höhepunkt seiner Suche nach dem perfekten Ernährungsstil wog Nils Binnberg bei einer Grösse von 1.85 Metern noch 68 Kilo und nahm nur noch fünf Lebensmittel zu sich: Räucherlachs, Avocado, Fleisch, Salat und ein paar Nüsse.

Über die Jahre hatte er sich immer strengere Ernährungsregeln auferlegt: alle Produkte mussten bio, gluten- und zuckerfrei sein, mussten leistungssteigernde Eigenschaften haben. Kohlenhydrate ass der damals 37-Jährige schon seit sieben Jahren nicht mehr.

All dies tat …

Artikel lesen
Link zum Artikel