Analyse
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Analyse

Wer blufft im China-USA-Poker?

Das neue Handelsabkommen zwischen den USA und China droht, im letzten Moment zu platzen. Die beiden Präsidenten Xi Jinping und Donald Trump pokern mit hohem Einsatz. Aber wer hat die besseren Karten?



Alles nur Bluff oder was? Will Trump in seiner bekannten Manier im letzten Moment alles in Frage stellen, um danach als strahlender Sieger dazustehen? Oder hat Xi sich über- und Trump unterschätzt?

Dabei schien der Deal bereits in trockenen Tüchern zu sein. Die ursprüngliche Frist von Anfang März wurde über den Haufen geworfen, um die letzten Details zu klären. In Washington traf man bereits Vorbereitungen für den Empfang des chinesischen Präsidenten Xi Jingping, an dem das neue Handelsabkommen feierlich unterschrieben werden sollte.

epa07539539 US Treasury Secretary Steven Mnuchin (L) and his Trade Representative Robert Lighthizer arrive for a group photo session after their meeting with Chinese Vice Premier Liu He, at the Diaoyutai State Guesthouse in Beijing, China, 01 May 2019.  EPA/ANDY WONG / POOL

Sollen es für Trump richten: Finanzminister Steven Mnuchin (links) und Chefunterhändler Robert Lighthizer. Bild: EPA/AP POOL

Seit dem vergangenen Wochenende ist alles wieder anders. Präsident Trump kündete per Tweet an, er werde schon am Freitag die bestehenden Strafzölle von 10 auf 25 Prozent erhöhen und zudem auf weitere Güter ausweiten, sollten die Chinesen nicht zu Konzessionen bereit sein.

Trumps Chefverhandler, Robert Lighthizer, klagte derweil: «Wir marschieren nicht vorwärts, sondern rückwärts, und der Präsident akzeptiert das nicht. In den letzten Tagen haben wir ein Zerbröckeln der chinesischen Zusagen erlebt.»

Das Handelsabkommen zwischen den USA und China ist somit erneut zu einem Poker verkommen. Hier sind die Asse und die Nieten auf beiden Seiten:

Trumps Asse

Die amerikanische Wirtschaft boomt. Sowohl der März als auch der April haben mit Wachstumszahlen überrascht, die über den Erwartungen lagen. Allfällige Rezessionsängste sind vom Tisch gewischt. Selbst die Löhne der unteren Einkommen steigen.

Trump und seine Crew sind überzeugt, dass dies ihr Verdienst sei. «Es ist gar keine Frage, dass das Wirtschaftswachstum ein Resultat unserer Handelspolitik ist», sagt Wirtschaftsminister Steven Mnuchin.

Senate Minority Leader Sen. Chuck Schumer of N.Y., speaks with reporters after meeting with President Donald Trump about infrastructure, at the White House, Tuesday, April 30, 2019, in Washington. (AP Photo/Evan Vucci)

Sogar der demokratische Senator Chuck Schumer unterstützt Trump. Bild: AP/AP

Die harte Linie gegen China findet breite Unterstützung. In einem Kommentar in der «Washington Post» schreibt Trumps in Ungnade gefallener Ex-Chefstratege Steve Bannon: «Wir befinden uns in einem Wirtschaftskrieg mit China. Es ist sinnlos, Kompromisse einzugehen.» Selbst der Anführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, feuert für einmal den Präsidenten an. «Bleib gegenüber China hart», twitterte er.

Trumps Nieten

Bereits der Tweet vom Wochenende hat für Nervosität an den Börsen gesorgt. Die Investoren sind bis dato fest davon ausgegangen, dass es zu einer Einigung kommen wird. Das tun sie auch heute noch.

Als im Dezember ein Handelsstreit unvermeidbar schien, brachen die Kurse auf breiter Front ein. Sollte der Deal jedoch platzen, ist mit heftigen Reaktionen an den Finanzmärkten zu rechnen. Ein Börsencrash ist jedoch das Letzte, das Trump im Hinblick auf eine Wiederwahl gebrauchen kann.

In this July 12, 2018 photo, farmer Don Bloss examines a tall sorghum plant in his field in Pawnee City, Neb. Farmers and agricultural economists are worried that president Donald Trump’s trade, immigration and biofuels policies will cost farms billions of dollars in lost income and force some out of business. (AP Photo/Nati Harnik)

Leiden unter dem Handelsstreit: US-Farmer. Bild: AP/AP

Die Farmer im Mittleren Westen der USA gehören zu den treuesten Trump-Wählern. Sie leiden jedoch am meisten unter dem Zwist. Die Soja-Exporte nach China sind massiv eingebrochen und treiben viele Farmer in existenzielle Nöte. Eine weitere Verschärfung könnte dazu führen, dass sie sich von Trump abwenden.

Xis Asse

Nach einem kurzen Schwächeanfall scheint Chinas Wirtschaft ebenfalls wieder auf Kurs zu sein. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) soll im laufenden Jahr 6,5 Prozent zulegen. Die UBS-Ökonomin Tao Wang schätzt, dass ein Platzen des Deals eine Wachstumseinbusse von 1,6 BIP-Prozenten zur Folge hätte. Das scheint verkraftbar zu sein.

epa07530324 Vietnam's Prime Minister Nguyen Xuan Phuc (L) is welcomed by Chinese President Xi Jinping (C) and his wife Peng Liyuan for a welcoming banquet at the Belt and Road Forum at the Great Hall of the People in Beijing, China, 26 April 2019. Beijing hosts the Second Belt and Road Forum for International Cooperation  EPA/JASON LEE / POOL

Hat Gäste aus aller Welt empfangen: Präsident Xi. Bild: EPA/REUTERS POOL

An der kürzlichen «Belt and Road»-Konferenz hat Präsident Xi sehr viel Lob aus aller Welt erhalten. Das hat ihn ermutigt, weniger Konzessionen gegenüber den USA zu machen.

Xis Nieten

China droht eine Überalterung der Bevölkerung. Und trotz des imposanten Wirtschaftswunders der letzten Jahrzehnte ist die wirtschaftliche Zukunft des Reichs der Mitte noch keineswegs gesichert. Ein Handelskrieg mit den USA wäre daher ein schwerer Rückschlag.

Unter Präsident Xi ist China nationalistischer geworden und vertritt seine Supermachts-Ambitionen aggressiv. Zu aggressiv, glauben Kritiker. «Mr. Xi macht gegenüber den Amerikanern den gleichen Fehler wie Mao seinerzeit gegenüber den Sowjets», stellt Yi-Zheng Lian in der «New York Times» fest. «Er fordert die Führungsrolle der USA zu hart und zu schnell heraus.»

Chinese Vice Premier Liu He, right, poses with U.S. Treasury Secretary Steven Mnuchin, center, and U.S. Trade Representative Robert Lighthizer, left, before they proceed to their meeting at the Diaoyutai State Guesthouse in Beijing, Wednesday, May 1, 2019. (AP Photo/Andy Wong, Pool)

Werden sich wieder treffen: Robert Lighthizer, Steven Mnuchin und Lie He (von links nach rechts). Bild: AP/AP POOL

Vielleicht ist das derzeitige Gerangel jedoch bloss viel Lärm um nichts. Beide Seiten wollen und brauchen ein Abkommen. Trump, weil er nach den Flops in Nordkorea und Venezuela einen aussenpolitischen Sieg dringend nötig hat und weil er keinen Börsencrash riskieren will.

Xi seinerseits kann kein Interesse an einem Handelskonflikt mit seinem wichtigsten Exportpartner haben. Er weiss, dass er die Ausfälle der Ausfuhren nach den USA nicht so schnell kompensieren kann. Deshalb wird sein Chefunterhändler, Vizepremierminister Liu He, morgen auch nach Washington reisen.

Handelskrieg zwischen den USA und China abgewendet

Play Icon

Das könnte dich auch interessieren:

Merkel beginnt bei Staatsbesuch plötzlich zu zittern – Entwarnung folgt kurz darauf

Link zum Artikel

Federer vor Halle-Auftakt: «Rasen hat seine eigenen Regeln – vor allem für mich»

Link zum Artikel

In der Schweiz leben eine halbe Million Millionäre

Link zum Artikel

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Link zum Artikel

5 Action-Heldinnen, die die Filmwelt ordentlich gerockt haben

Link zum Artikel

Ein Streik kommt selten allein – so wollen die Frauen weitermachen

Link zum Artikel

14 Gründe, warum die Frauen heute streiken

Link zum Artikel

Turbo Jens ist alles, was du heute gesehen haben musst (wer hat den Typen eingestellt?)

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Vorfall in Paris: Autolenker geht auf Blinden los

Link zum Artikel

Fazit nach Frauenstreik: Hunderttausende Menschen protestierten für Gleichstellung

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

Ein 3-jähriges Mädchen zerstört eine Fliege – das macht dann 56'000 Franken

Link zum Artikel

9 spannende Geisterstädte und ihre Geschichten

Link zum Artikel

YouTuberin verwandelt Teslas Model 3 in Pick-up – und das Resultat ist grandios

Link zum Artikel

Ohrfeige für Bundesanwalt vom Bundesstrafgericht – Lauber ist im FIFA-Fall befangen

Link zum Artikel

We will always love you – vor 60 Jahren veröffentlichte Dolly ihre erste Single

Link zum Artikel

FCB-Sportchef Streller tritt mit emotionalem SMS zurück: «Es bricht mir s’Herz»

Link zum Artikel

Du willst dein Handy sicherer machen? Dann solltest du diese 10 Regeln kennen

Link zum Artikel

Preisgeld-Vergleich: So viel mehr kassieren Männer im Sport als Frauen

Link zum Artikel

Diese Schweizer Fussballer haben noch keinen Vertrag für nächste Saison

Link zum Artikel

«Die Schweiz ist eine Gold-Weltmacht – ein enormes Risiko»

Link zum Artikel

Warum Donald Trump 2020 wiedergewählt wird – und warum nicht

Link zum Artikel

«Kann man sich in einen guten Freund verlieben?»

Link zum Artikel

OMG – wir haben Knoblauch unser ganzes Leben lang falsch geschält

Link zum Artikel

40 Millionen Liter Trinkwasser verschwunden? Das Rätsel von Tägerig ist gelöst

Link zum Artikel

Nach 27 Jahren kommt der Nachfolger der SMS – das musst du über RCS wissen

Link zum Artikel

«Ab 30 kann Mann keine kurzen Hosen mehr tragen!» – watson-Chef klärt uns auf 🙄

Link zum Artikel

«Er hat nicht unrecht» – das sagt Christoph Blocher zu SVP-Glarners Handy-Terror

Link zum Artikel

Nach Handy-Terror: Betroffene Mutter rechnet mit SVP-Glarner ab – und wie

Link zum Artikel

Herr Matthes, wie gross ist die Schadenfreude bei Nokia über Huaweis Trump-Schlamassel?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
sentifi.com

Watson_ch Sentifi

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ökonometriker 07.05.2019 22:00
    Highlight Highlight Die Demokraten und die Republikaner sind sich kaum irgendwo einig. Ausser bei einem Thema: China zurückdrängen und die Vorherrschaft der USA zu erhalten. Deswegen muss sich Trump auch keine Sorgen um seine Wiederwahl machen und kann aggressiv auftreten, selbst wenn die Wirtschaft heult.

    Würde ein Demokrat öffentlich das Ende des Handelskrieges fordern hätte er allen Umfragen zu Folge schlechte Chancen auf eine Wahl.
  • Jungle Head 07.05.2019 19:51
    Highlight Highlight Mich nähmt eher Wunder wieviel Kohle Insider an der Börse ertraden, dadurch, dass Trump wieder mal so ne Message raushaut...
    • Chrigi-B 07.05.2019 23:07
      Highlight Highlight Tja, bist eingeladen am Buffett😏
  • NocheineMeinung 07.05.2019 19:34
    Highlight Highlight In meinen Augen Schaumschlägerei:
    Trump markiert in letzter Minute nochmal den "genialen Verhandler", der die Chinesen zum scheinbaren Einlenken zwingt. Das bereits ausgehandelte Abkommen wird kaum verändert und fixiert, aber Trump kann nachher behaupten, nur dank ihm sei es gelungen. Vor seiner Wählerschaft steht er dann als Held da, so wie er sich selber gerne sieht.
  • tzhkuda7 07.05.2019 19:05
    Highlight Highlight China

    Weil China echtes Geld als Reserven hat

    Die USA hingegen liegen bei so einem hohen Schuldenberg, das es nur noch dank des Petrodollars läuft

    Wenn die Oel und Benzin Zeit mal vorbei ist bin ich gespannt, wie die USA Währungstechnisch die hohen Schulden tragen werden, woe Stahl Kohle und weiteres nicht mal 14% ausmachen am Handelsvolumen
    • Wander Kern 07.05.2019 20:45
      Highlight Highlight Was ist 'echtes Geld'?
    • Blitzmagnet 08.05.2019 08:55
      Highlight Highlight Wander Kern: Devisen oder Gold, und die Relation von Reserven und Staatsschulden.

      Wobei da halt auch wieder die "too big to fail" Thematik für mich aufkommt, ich glaube, der US Dollar ist so stark, dass sie den einfach drucken können.

Warum Donald Trump recht hat und man Huawei nicht trauen kann

Der Telekom-Konzern Huawei spielt eine zentrale Rolle bei Chinas Führungsanspruch im Technologie-Sektor. Deshalb ist er im Visier der USA. Doch auch der Rest der Welt sollte im Umgang mit Huawei vorsichtig sein.

Im Zentrum von Peking ist vor 30 Jahren nichts passiert. So lautet die Lesart der chinesischen Führung. Auf dem Tiananmen, dem Platz des Himmlischen Friedens vor der «Verbotenen Stadt», herrschte Anfang Juni 1989 demnach genau das, was der Name besagt. Wer sich diese Propagandabrille nicht aufsetzt, weiss, dass es weder friedlich noch himmlisch zu und her ging.

Damals hatten Studenten den Platz während Wochen besetzt und für Demokratie demonstriert. In der Nacht zum 4. Juni 1989 schlug die …

Artikel lesen
Link zum Artikel