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Bild: Giphy

Die Zeitschrift für den Deutschen Hundefeind 

Sind Sie ein Hundehasser? Dann wird Ihnen «Kot & Köter» gefallen

Eine Nische im Zeitschriftenmarkt ist gefüllt: Der Hamburger Journalist Wulf Beleites bringt «Kot & Köter» heraus, das Blatt für Hundehasser. Finanziert wurde die erste Ausgabe per Crowdfunding. Unterstützer gibt es genug – Gegner aber auch.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Benjamin Schulz, spiegel online

Sie sind überall. Leute, die sich von nächtlichem Gebell gestört fühlen. Die es als Zumutung empfinden, dass Hundehaufen den Spaziergang zum Hindernislauf machen. Die auf die andere Strassenseite wechseln, wenn ein Hund, womöglich noch ein Kampfhund, um die Ecke kommt. Oder die mit den Augen rollen, wenn Bekannte Dackel oder Schäferhund gefühlsduselig wie Ersatzkinder verhätscheln.

Für die Genervten und Verängstigten hat der Hamburger Journalist Wulf Beleites eine Zeitschrift gemacht, eine Art Zentralorgan für Leute, die keine Hunde mögen, kurz: die Zeitschrift für Hundehasser. «Kot & Köter» heisst sie, Untertitel: «Die Zeitschrift für den Deutschen Hundefeind». Am Freitag will Beleites, Chefredakteur und Herausgeber in einem, die sogenannte Nullnummer der Öffentlichkeit präsentieren.

Die Blattlinie beschreibt der 66-Jährige im Editorial als «satirisch – bissig – realistisch». Man wolle übertreiben, «weil nur mit Übertreibung die Realität sichtbar wird, die Missstände aufgezeichnet werden». So erklären sich Themen wie «Das Private ist politisch, und der Hund noch politischer. Warum Gefahr von ‹Gefährte› kommt» oder «Kleine Phänomenologie des Nuttenpudels».

«Überhaupt kein Verständnis dafür, was Satire darf»

Manche finden das lustig. Beleites hat Zuschriften erhalten wie «Super, herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg für Ihre Zeitschrift» oder «Ich bin eigentlich ein Hundefreund, finde die Idee zu Kot & Köter aber trotzdem klasse». Aber es gab auch viele «krasse Reaktionen», wie er sagt. Dass viele Leute das Heft nicht witzig finden, findet Beleites in Ordnung. Aber es geht ihm «ziemlich auf den Keks, dass Leute überhaupt kein Verständnis dafür haben, was Satire darf». Ein paar Kostproben:

Eine Rockergruppe soll sogar angekündigt haben, Beleites' Pressekonferenz aufzumischen. Er will sich mit der Polizei besprechen. Ernsthafte Sorgen macht er sich aber nicht. «Bei meiner Talkshow-Tingelei habe ich mir Sorgen um meine kleinen Kinder gemacht. Aber die sind jetzt aus dem Haus.»

Die «Talkshow-Tingelei»: Sie ist so etwas wie der Gründungsmythos der Zeitschrift. Damals, in den Neunzigern, wurde aus dem in einer Bierlaune entstandenen Namen «Kot & Köter» mehr. Beleites ging mit nichts weiter als einem Titelblatt-Entwurf in Talkshows. Dort gab er den Hundefeind, kassierte Honorare und deckte nebenbei auf, dass es den Redaktionen völlig egal war, ob seine Geschichte stimmte. Die ernsthafte Absicht, die Zeitschrift herauszubringen, hatte er nicht.

Aber irgendwann merkte er, dass es für «Kot & Köter» tatsächlich eine Nische auf dem Zeitschriftenmarkt geben könnte. Deswegen sei es ihm dieses Mal auch ernst, beteuert er. Kein Fake wie in den Neunzigern, sondern eine echte Zeitschrift. Monatelang arbeitete er ohne Unterstützung eines grossen Verlags an der Ausgabe – für einen erneuten Gag wäre das absurd viel Aufwand. Wer vom Leben abseits der Grossstadt träumt, liest «Landlust». Wer Hunde mag, greift zu «Dogs». Hundehassern fehlte bislang eine entsprechende Option.

7000 Euro an Spenden eingesammelt

Beleites begreift «Kot & Köter» auch als Experiment, wie sich Journalismus finanzieren lässt. Auf einer Crowdfunding-Website sammelte er Spenden. 7000 Euro mussten bis 25. November 2013 zusammenkommen, um die Nullnummer zu produzieren. 7032 Euro gingen von 235 Spendern ein – genug, um Produktion, Druck und Versand von tausend Exemplaren zu bezahlen.

«Mich irritiert wirklich, dass so viele beim Crowdfunding mitgemacht haben und das Geld zusammenkam», sagt Udo Kopernik, Pressesprecher des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH). «Für so einen Scheiss würde ich nicht einen Cent ausgeben.» Sehr viele Mitglieder hätten sich über die neue Zeitschrift echauffiert. «Ich hoffe, das nehmen nicht allzu viele ernst. Die meisten unserer Mitglieder ordnen es wie ich in die Rubik Nonsens und Unfug ein.» Die VDH-Verbandszeitschrift «Unser Rassehund» erscheint monatlich, hat eine Auflage von mehr als 30.000 Exemplaren.

Das zeigt, wo «Kot & Köter» derzeit steht. Vier Ausgaben pro Jahr sind geplant, Stückpreis 7,80 Euro. Mit 5000 Abonnenten würde sich das Projekt lohnen. 850 Abonnenten hat Beleites bislang gewonnen, «Tendenz stark steigend». Innerhalb eines Tages seien 175 neue Anfragen im Abo-Mail-Postfach eingegangen. Schon ab 3000 Exemplaren würde es sich laut Beleites rechnen, auch den Vertrieb über Kioske und Bahnhofsbuchhandlungen zu starten.

Für den Erfolg am Zeitschriftenregal wäre allerdings ein anderes Layout hilfreich. Das aktuelle ist veraltet und bieder. Es entstand vor 20 Jahren, als Beleites etwas brauchte, das er in den Talkshows vorzeigen konnte. Für die Nullnummer habe er es aus sentimentalen Gründen genommen, sagt er. «Da hängt mein Herz ein bisschen dran. Die nächste Nummer wird dann aufgepeppt.»

Beleites ist optimistisch, dass es eine solche nächste Nummer geben wird. «Kot & Köter» sei «ein altes Baby, das jetzt gut zur Welt gekommen ist. Ich bin jetzt 66 und werde es hegen und pflegen, bis ich den Löffel abgebe.»



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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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    Alle Leser-Kommentare
  • papparazzi 14.04.2014 16:21
    Highlight Highlight Gibt es eigentlich auch eine Zeitschrift namens Katz und Kotze? ut (dp)
  • FourR 14.04.2014 13:21
    Highlight Highlight Da kann man nur hoffen das nicht viele Hundehasser auf die Idee kommen die Hunde zu vergiften. Oder das in der Zeitung Tipps zu lesen sind wie man einen Hund möglichst qualvoll vergiftet.

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