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«Die coolen Kids auf Japans Strassen sind ausgestorben»

Das japanische Modemagazin «FRUiTS» ging mit seiner 233. Ausgabe zum letzten Mal in den Druck. Wir schauen zurück auf 20 Jahre kontroverse Street-Fashion. 
15.02.2017, 14:4216.02.2017, 06:58

Tokyo, an einem bewölkten Sonntagnachmittag der frühen 90er. Das Durchkommen ist schwer auf der kleinen Brücke, die den Bahnhof Harajuku mit dem Yoyogi-Stadtpark verbindet. J-Rock-Bands spielen einen Mix aus Linkin Park, Queen und Patent-Ochsner-Balladen. Zu Tausenden flanieren junge Menschen durch das Klang- und Farbgemenge. Sie tragen pastellrote Kleidchen und leuchtende Plateau-Schuhe – kombiniert mit traditionellen Kimonos und amerikanischen Lederjacken.

Mittendrin steht Shoichi Aoki. Der gebürtige Japaner wanderte in den 80ern nach London aus, wo er nebst seinem Hauptberuf als Informatiker anfing, Punker und Metalheads zu fotografieren.

Als er 1985 nach Tokyo zurückkehrte, gab er das «STREET Magazine» heraus – in der Absicht, der japanischen Jugend einen Einblick in die radikale Art der europäischen Streetfashion zu verschaffen.

Doch während er da so stand, an diesem Sonntagnachmittag, realisierte er, dass den Japanern Europa nicht näher gebracht werden müsse – viel wichtiger sei es, den Europäern das skurrile Japan zu zeigen.

«Die japanische Strassenmode provoziert. Sie verbindet Tradition mit Kitsch, erzeugt ‹unattraktive› Silhouetten und spielt mit der Macht der Ironie.»    
Shoichi Aoki
Seite drei und vier aus der 9. Ausgabe: Aoki war fasziniert von der Art, wie die mittlere Frau ihren Kimono trägt.

Im Juli 1997 war es dann so weit. Die erste Ausgabe «FRUiTS» wurde publiziert. Aoki schickt die Bilder der «Harajuku-Kids» in die Welt hinaus und klärt den einheitsliebenden Westen bildlich über die Mehrdimensionalität japanischer Alltagsmode auf.

Das Cover der 3. Ausgabe.
Das Cover der 3. Ausgabe.

Vom süssen Punk zur düsteren Kinderpuppe 

Die ersten Models, die das Cover des Magazins zierten, waren androgyn aussehende Teenie-Punks. Ein Look, der heute kaum zu irritieren vermag, damals aber als rebellisch und bahnbrechend galt.

«Die Kids in Harajuku haben sich nicht für sich oder für die anderen gekleidet. Mode war für sie ein Schrei gegen Konformität und eine Leidenschaft dazu.»
Shoichi Aoki

Während wir hierzulande die Highschool-Looks von Britney Spears mit Jeansrock, Leggins und Turnschuhen aus dem Grosshandel zu kopieren versuchten, brachte das Harajuku-Quartier eine Reihe einzigartiger und kontroverser Stilrichtungen hervor. Und das «FRUiTS» dokumentierte deren Auf- und Abschwellen in 233 Hochglanz-Heften über 20 Jahre lang.

Um nur ein paar zu nennen …

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Japanische Modestyles der 90er und 00er
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Tokyo, Bahnhof Harajuku, an einem Sonntagnachmittag im Januar 2017. Immer noch spazieren Unmengen von Leuten über die kleine Brücke zum Yoyogi-Stadtpark. Ihre Kleidung ist noch immer bunter und schriller, als man sie in einer europäischen oder amerikanischen Grossstadt sehen würde.

Doch Shoichi Aoki ist nicht mehr beeindruckt. Gegenüber der japanischen Modezeitung Fashionsnap meint er:

Die 233. und letzte Ausgabe. 
Die 233. und letzte Ausgabe. 
«Es gibt hier einfach keine coolen Kids mehr auf der Strasse.»
Shoichi Aoki

Die Leute tragen Plastiktaschen internationaler Grossanbieter in den Händen, die sie aus einer der riesigen Shoppingmalls ums Eck ergattert haben. Sie schiessen Selfies von sich im «Taylor Swift Look» und denken, sie seien speziell. Niemand hier würde sich mehr aus Leidenschaft kleiden, beteuert der Fotograf im Interview. Niemand huldigt mehr dem alten Slogan «Style against Conformity».

Die Zeiten der kontroversen Harajuku-Kids sind gezählt. Aoki stellt das «FRUiTS»-Magazin ein und überlässt die Dokumentation des japanischen Streetstyles den sozialen Netzwerken.

Das fruchtige Vermächtnis: Die 50 ersten Covers des «FRUiTS»-Magazins

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«FRUiTS»-Magazin: Die ersten 50 Ausgaben
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