Coronavirus
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ZUM AERZTEHAUS SEEBACH STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- A physiotherapist at the Seebach Medical Center in Zurich, Switzerland, corrects a patient's exercise, photographed on 19 August 2019. (KEYSTONE/Gaetan Bally)..Eine Physiotherapeutin im Aerztehaus Seebach in Zuerich korrigiert die Uebung einer Patientin, aufgenommen am 19. August 2019. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Physiotherapeuten fallen im Moment durch die Maschen des Hilfspakets. Der Bundesrat arbeitet an einer Lösung für Selbstständige wie sie, die indirekt von der Krise betroffen sind. Bild: KEYSTONE

Physios müssen weiter auf Hilfe warten – 5 Punkte zum neuen Hilfspaket des Bundes

Der Bundesrat dehnt die Kurzarbeit weiter aus: Auch Angestellte auf Abruf profitieren neu davon. Für Selbstständige wie etwa Taxifahrer gibt es dagegen noch keine Lösung.

Maja Briner / ch media



Der Bundesrat stopft eine weitere Lücke im Auffangnetz, das die Schweiz vor einer Entlassungswelle bewahren soll: Die Kurzarbeit wird auf Angestellte auf Abruf ausgedehnt. Zudem schafft die Regierung Anreize, vorübergehend beispielsweise als Erntehelfer zu arbeiten. Andere Berufsgruppen wie Taxifahrer warten hingegen weiter auf Hilfe. Ein Überblick:

Für alle Angestellten in Kurzarbeit gilt eine neue Regelung zum Zwischenverdienst. Was bringt diese?

Der Bundesrat will einen Anreiz schaffen, temporär in anderen Branchen auszuhelfen. Neu werden Einkommen aus einer Zwischenbeschäftigung daher nicht mehr an die Kurzarbeitsentschädigung angerechnet. Das bedeutet konkret: Wenn ein Angestellter in Kurzarbeit vorübergehend beispielsweise als Erntehelfer arbeitet, darf er diesen Zusatzverdienst behalten – ohne dass dadurch die Kurzarbeitsentschädigung gekürzt wird.

Der Bundesrat will dadurch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens soll die Regelung jenen Firmen helfen, die derzeit dringend Personal benötigen, etwa im Gesundheitswesen, in der Landwirtschaft oder der Logistik. Zweitens wird dadurch das Auszahlungsverfahren vereinfacht, was die zuständigen Behörden entlastet.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Wie hilft der Bundesrat Angestellten, die auf Abruf arbeiten?

Der Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung wird erneut ausgeweitet, diesmal auf alle Angestellten auf Abruf. Bedingung ist, dass sie seit mindestens sechs Monaten bei der gleichen Firma arbeiten. Mit dieser Massnahme will der Bundesrat Entlassungen verhindern. Laut Bund leisten rund 200'000 Arbeitnehmende in der Schweiz Arbeit auf Abruf. Sie hatten bisher keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung, wenn der Beschäftigungsgrad um mehr als 20 Prozent schwankte.

Wie kommt das bei den Sozialpartnern an?

Die Massnahme stösst auf Zustimmung: Mit der Ausdehnung der Kurzarbeit für Beschäftigte auf Abruf werde eine kleine, aber wichtige Lücke geschlossen, sagt Urban Hodel vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund. «Damit haben die Firmen nun finanzielle Mittel vom Bund, um Corona-Entlassungen zu verhindern.» Auch der Arbeitgeberverband begrüsst die Ausweitung.

Selbstständige warten nach wie vor auf Hilfe. Weshalb?

Sie fallen bisher durch die Maschen des Hilfspakets: Selbstständigerwerbende, die indirekt durch die Krise betroffen sind, wie etwa Taxifahrer oder Physiotherapeuten. Als Selbstständige können sie keine Kurzarbeit beantragen. Und da ihre Arbeit weiterhin grundsätzlich erlaubt ist, werden sie auch nicht über die Erwerbsersatzordnung unterstützt – anders als etwa Coiffeure und Wirte.

Der Bundesrat hatte vergangene Woche eine Lösung in Aussicht gestellt. Doch noch liegt diese nicht vor. Der Bund arbeite daran, hiess es gestern erneut, die Sache sei komplex.

Dass es noch keine Hilfe gibt, stösst auf Kritik.«Schwer enttäuscht» zeigte sich der Verband Freier Berufe. Die Entschädigung für Zehntausende Selbstständige sei dringlich, mahnt der Verband. Auch für Angestellte in privaten Haushalten gibt es bisher keine Lösung.

Unzufrieden ist auch der Mieterverband. Weshalb?

Der Bundesrat verzichtet auf Massnahmen im Mietrecht. Er sei sich der schwierigen Situation vieler Geschäftsmietenden sehr bewusst, erklärt er zwar. Aber er wolle nicht via Notrecht in die Vertragsbeziehungen von Privaten eingreifen. Der Bundesrat belässt es daher bei einem Appell: Er ruft Mieter und Vermieter dazu auf, «im Dialog konstruktive und pragmatische Lösungen» zu finden. Der Mieterverband kritisiert das: «Die Untätigkeit des Bundesrates gefährdet die Rechte der Geschäftsmieter.» Denn die Mieter sässen meist am kürzeren Hebel

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

23 verrückt-kreative Wege, wie sich Leute vor Corona zu schützen versuchen

So heitern diese Briten ihre Nachbarskinder im Corona-Lockdown auf

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

5
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • bonpris 09.04.2020 14:50
    Highlight Highlight Wir dürfen nicht an Covid19 sterben! Wir müssen stattdessen verhungern!

    Toll gemacht, Bundesrat!
  • Raphael Stein 09.04.2020 09:41
    Highlight Highlight Offenbar ist der Filz Hauseigentümer/Immobranche rüber ins Bundeshaus grösser als gedacht.
  • Jein 09.04.2020 07:43
    Highlight Highlight Ich verstehe nicht warum der Bund nicht bei den Geschäftsmieten eingreifen möchte. Kaum jemand lebt vom Mietertrag, und gerade für diejenigen selbstständigen Geschäftsinhaber die momentan keine Unterstützung erhalten wäre dies eine wichtige Stützung, selbst wenn nur z.B. 50% der Miete gestrichen würde.

    Selbständige Einzelunternehmer zahlen bereits seit Wochen Lebensunterhalt, Privatmiete und Geschäftsmiete ohne Einkommen oder sonst was. Die Zeit drängt um Geschäfgsschliessungen und sogar Privatinsolvenzen zu vermeiden, denn das wird eine längerfristigere Wirkung auf die Wirtschaft haben.
    • Super8 09.04.2020 09:01
      Highlight Highlight Bin vollkommen deiner Meinung. Vermieter sind grundsätzlich wohlhabend, sonst hätten sie ja keine Wohnung zum Weitervermieten kaufen können. Die Vermieter sollen jetzt Solidarität zeigen.
    • who cares? 09.04.2020 14:57
      Highlight Highlight Vermieter sind nicht grundsätzlich wohlhabend. Manche bauen/kaufen/renovieren Häuser indem sie Hypotheken aufnehmen. Die Verwaltung muss auch bezahlt werden, da arbeiten auch Leute, die vor allem jetzt sehr gefordert sind. Diese leben nun mal vom Mietertrag. Darum macht eine pauschale Lösung keinen Sinn.

Nach 2 Monaten in Isolation: Wie mein Omi ihren Lebensmut verloren hat

Ein Sturz zwang meine 86-jährige Grossmutter in den verhassten Rollstuhl und ins Altersheim. Nachdem sie ihr Leben lang für ihre Selbstständigkeit gekämpft hat, bedeutete das die ultimative Kapitulation. Dann kam der Lockdown.

Ich mache mir Sorgen.

Ich mache mir Sorgen um meine Grossmutter und um ihre Generation. Um fast 100’000 Personen in der Schweiz, die derzeit in einem Alters- oder Pflegeheim leben. Die rund um die Uhr betreut werden, weil die Beine nicht mehr richtig wollen, das Aufstehen Mühe bereitet. Und der Kopf auch. Weil die Erinnerungen kommen und gehen, wie sie wollen.

Seit dem 16. März befinden sich diese Menschen in Isolation. Sie gelten in der Coronakrise als besonders gefährdet. Dringt das Virus in …

Artikel lesen
Link zum Artikel