DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

NSA spähte Merkel mithilfe des dänischen Geheimdienstes aus



epa09231645 German Chancellor Angela Merkel (CDU) attends a press conference after talks on the country's coronavirus strategy as the pandemic continues, in the German federal Chancellery in Berlin, Germany, 27 May 2021. Representatives of the country's federal and state governments, or Laender, held talks to discuss Germany's vaccination strategy and lockdown measures, among other current topics related to dealing with the coronavirus.  EPA/Adam Berry / POOL

Angela Merkel wurde vom dänischen Geheimdienst abgehört. Bild: keystone

Der dänische Geheimdienst hat laut Medienberichten dem US-Geheimdienst NSA dabei geholfen, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere europäische Spitzenpolitiker abzuhören.

Der dänische Auslands- und Militärgeheimdienst Forsvarets Efterretningstjeneste (FE) habe der NSA die Nutzung der geheimen Abhörstation Sandagergardan in der Nähe von Kopenhagen ermöglicht, berichteten der Dänische Rundfunk (DR) und weitere europäische Medien, darunter der NDR, der WDR und die «Süddeutsche Zeitung» am Sonntag.

Laut den gemeinsamen Recherchen der Sender und Zeitungen konnte der US-Geheimdienst in den Jahren 2012 bis 2014 dort einen wichtigen Internetknotenpunkt verschiedener Unterseekabel anzapfen. Die Abhöraktion habe sich gegen führende Politikerinnen und Politiker aus Deutschland, Schweden, Norwegen, den Niederlanden und Frankreich gerichtet. In Deutschland war demnach neben Merkel und dem heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier auch der damalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück betroffen.

Den Recherchen zufolge wurde die Kooperation der NSA und des dänischen Geheimdienstes bei der Überwachung europäischer Nachbarländer 2015 in einem internen Bericht des FE dokumentiert. Die dänische Verteidigungsministerin Trine Bramsen, die seit Juni 2019 im Amt ist, wurde laut DR im August 2020 darüber informiert. Sie sagte dem Sender, «das systematische Abhören von engen Verbündeten» sei inakzeptabel.

Steinbrück sagte dem Rechercheverbund von NDR, WDR und «SZ», er habe erst durch die Berichte von der Abhöraktion gegen ihn erfahren. «Politisch halte ich das für einen Skandal.» Zwar glaube er, dass auch westliche Staaten funktionsfähige und tüchtige Nachrichtendienste benötigten. Doch zeige diese Art des Abhörens unter Partnern, «dass sie doch ein ziemliches Eigenleben führen».

Auch die deutsche Regierung hatte von der Bespitzelung führender Regierungsmitglieder aus Dänemark demnach keine Ahnung. «Der Gegenstand Ihrer Recherche ist der Bundeskanzlerin durch Ihre Anfrage bekannt geworden», sagte ein Regierungssprecher. Bundespräsident Steinmeier erklärte ebenfalls, er habe von den Abhöraktionen aus Dänemark bislang nichts gewusst.

Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hatte 2013 tausende streng geheime Dokumente über die Überwachungspraktiken der US-Nachrichtendienste veröffentlicht. Die Enthüllungen lösten weltweit Empörung aus. Unter anderem stand der Vorwurf im Raum, dass die NSA Merkels Handy angezapft habe. Die Ermittlungen dazu stellte die Bundesanwaltschaft allerdings 2015 ein. (sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Mit Büchsenantennen gegen NSA-Bespitzelung

1 / 15
Mit Büchsenantennen gegen NSA-Bespitzelung
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

«Hört auf, uns zu mobben!»: 10-jährige Transaktivistin hält emotionale Rede

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Trump liess sie ins Gefängnis werfen – nun kommt die NSA-Whistleblowerin frei

Sie verbüsste die längste Haftstrafe, die die US-Justiz gegen eine journalistische Informantin verhängte. Nun wurde Reality Winner aus dem Gefängnis entlassen. Aber nicht etwa, weil ihr Präsident Joe Biden half.

Reality Winner, 29-jährige Amerikanerin und die «prominenteste und am härtesten bestrafte Whistleblowerin der Trump-Ära», ist aus dem Gefängnis entlassen worden. Dies berichtete The Intercept in der Nacht auf Dienstag. Allerdings sei die Sprachwissenschaftlerin formell noch nicht frei.

Die Whistleblowerin war zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Dies, weil sie einen streng geheimen Bericht über Russlands Bemühungen, die US-Präsidentschaftswahl 2016 zu manipulieren, an …

Artikel lesen
Link zum Artikel