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Die Haftanstalt in Krems-Stein. Bild: wikipedia

Reisserisch aber wahr

Schweizer fault in österreichischem Fritzl-Knast vor sich hin

Ein 74-jähriger Schweizer wurde in einem österreichischen Gefängnis so lange vernachlässigt, bis Verwesungsgestank aus seiner Zelle kam. Der Fall erschüttert Österreich.

22.05.14, 10:22 22.05.14, 13:05

Seine Strafe hat der verurteilte Mörder bereits abgesessen. Für intensive medizinische und psychologische Betreuung blieb er aber noch im Gefängnis in Krems-Stein (Niederösterreich), wo auch Fritzl einsitzt. Nur: Von intensiver Pflege kann keine Rede sein, der Schweizer wurde monatelang unterversorgt, wie die Krone Zeitung berichtet.

Angeblich habe sich der Mann geweigert, Betreuung durch die Wärter anzunehmen. Seine Wunden habe er versteckt, wie es in einem Protokoll der Kriminalpolizei heisst. Die Wunden an Beinen und Füssen wurden erst entdeckt, nachdem die Betreuer im März Verwesungsgeruch aus dem Zimmer des Insassen feststellten: Die Zehennägel waren mehrere Zentimeter lang, die Füsse teilweise angefault, verkrustet und schwarz. Die Ärzte des Schweizers geben Entwarnung, bleibende Schäden seien keine zu befürchten.

Fall erschüttert Österreich

Justizminister Wolfgang Brandstetter ist «betroffen und zornig», alle Umstände dieses «wirklich erschreckenden Falles» müssten aufgeklärt werden. Inzwischen wurden drei Beamte suspendiert, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Quälen oder Vernachlässigen eines Gefangenen. 

«Häftlinge werden schwer vernachlässigt, Insassen von Beamten misshandelt und kriminelle Beamte protegiert.»

Für Brandstetter ist klar, dass dies nur passieren konnte, weil im Straf- und Massnahmenvollzug massive strukturelle Schwächen vorliegen, die jetzt auszumerzen seien. Dafür dürfe nichts unversucht bleiben: «Ich bin für alles offen», sagt er gegenüber der Krone Zeitung.

Auch der österreichische Chef von Amnesty International, Heinz Patzelt, ist empört. Er spricht von einer «kriminellen Verwahrlosung, die ich noch nie gesehen habe». 

Der Fall des 74-jährigen Schweizers dürfte kein Einzelfall sein. Dies legen Dokumente nahe, die der Zeitung «Falter» vorliegen. In den Justizanstalten Stein, Suben, Graz-Karlau, Klagenfurt und Wien werden «Häftlinge schwer vernachlässigt, Insassen von Beamten misshandelt und kriminelle Beamte protegiert». (jas)



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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hugo Wottaupott 22.05.2014 14:22
    Highlight Hab immer gedacht nur Leichen verbreiten Verwesungsgeruch? Unhygienische Schweizer können zaubern!
    0 0 Melden
  • Baba 22.05.2014 11:58
    Highlight "Angeblich habe sich der Mann geweigert, Betreuung durch die Wärter anzunehmen. Seine Wunden habe er versteckt...", "...die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Quälens...eines Gefangenen."
    Und wenn der Mann "zwangsgepflegt" worden wäre, hätte das auch ganz böse Presse gegeben. Klar ist's schlimm, wenn sowas passiert, aber offenbar war es dem Häftling wichtig 'autonom' zu sein.... Und es gibt nun halt mal Menschen, die sich vernachlässigen (wollen). Ich könnte den Aufruhr verstehen, wenn der Häftling Hilfe angefordert, aber nicht erhalten hätte - aber so???
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  • jdd2405 22.05.2014 10:37
    Highlight Ich bin mir sicher, dass die Gefängniswärter so oder so an den Pranger gestellt worden wären. Hätten die Wärter den Gefangenen gezwungen, sich zu pflegen, wäre sie wegen Misshandlung angeklagt worden. Und überhaupt werden die Interessen der Gefangenen viel zu sehr verteidigt, als dass man überhaupt noch von einer Strafe sprechen kann.
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    • Hugo Wottaupott 22.05.2014 14:19
      Highlight Ach so! Gehen sie doch als Freiwilliger in eine Justizvollzugsanstalt.
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    • Schne 22.05.2014 14:20
      Highlight Der Freiheitsentzug ist die Strafe, nicht irgendwelche sonstige Demütigungen.
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    • Baba 22.05.2014 17:46
      Highlight @Schnee: Der Häftling wurde nicht gedemütigt, er hat seine gesundheitlichen Probleme offenbar über lange Zeit bewusst vor seinen Betreuern/Wärtern versteckt, da er ganz offensicht keine Hilfe wollte!
      Ich habe den Eindruck, man empört sich darüber, dass jemand keine Hilfe erhalten hat, der keine Hilfe wollte - hallo???
      Nochmal: es wäre ein Skandal, wenn der Mann um Hilfe gebeten hätte und ihm diese vorenthalten worden wäre. So aber ist's einfach eine unappetitliche Begebenheit.
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