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A resident places a candle in front of a building where a gunman opened fire in a restaurant in Uhersky Brod, Czech Republic, Tuesday, Feb. 24, 2015.  The gunman killed eight people and seriously wounded a waitress before he fatally shot himself, officials said.  (AP Photo/Petr David Josek)

Eine Kleinstadt steht unter Schock. Bild: Petr David Josek/AP/KEYSTONE

Amoklauf in Uhersky Brod

«Noch während ich auf der Toilette ausharrte, habe ich im Internet gelesen, dass es Tote gab»

Nach dem Amoklauf mit neun Toten in der tschechischen Kleinstadt Uhersky Brod laufen die Ermittlungen. Der Täter und seine offenbar verwirrte Frau waren für ihre Ausbrüche gefürchtet. «Jeder hat damit gerechnet, dass hier mal was passiert», sagte ein Nachbar.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Die tschechische Kleinstadt Uhersky Brod trauert: Nach einem Amoklauf mit neun Toten werden Angehörige, Nachbarn und Politiker um zehn Uhr zu einer kurzen Gedenkfeier zusammenkommen. «Wir stehen alle unter Schock», sagte Bürgermeister Patrik Kuncar.

Der Täter war am Dienstag mit zwei Waffen in der Hand in das Restaurant «Druschba» gestürmt und hatte wahllos auf die Gäste gefeuert. Eine Frau und sieben Männer starben im Kugelhagel.

Ein Augenzeuge berichtete dem Internetportal «Lidovky», er habe sich zwei Stunden lang auf der Toilette des Restaurants versteckt und sei auf diese Weise mit dem Leben davongekommen. Das Ganze sei «wie in einem Action-Film» gewesen, berichtete der Mann. «Ich habe Schüsse gehört und mich zuerst gefragt, ob da wohl eine Feier mit Feuerwerk veranstaltet wurde.» Dann aber hätte er Menschen schreien hören und sofort mit seinem Handy Krankenwagen und Polizei alarmiert. Noch während er auf der Toilette ausharrte, habe er im Internet gelesen, dass es Tote gegeben habe.

Der Schütze tötete sich am Dienstag selbst. Ersten Ermittlungen zufolge handelt es sich um den 62-jährigen Zdeněk K., einen arbeitslosen, nicht vorbestraften Elektriker.

Verwahrloste Wohnung, verwirrte Ehefrau

Polizisten begaben sich am Abend zu der Wohnung des mutmasslichen Täters. Dort hatte sich die Frau des Amokläufers in der Wohnung verschanzt. Offenbar dauerte es drei Stunden, bis die Beamten sich Zutritt verschaffen konnten – dem Internetportal «Lidovky» zufolge mit Hilfe einer Kreissäge. Gegen 23.30 Uhr betraten sie die verwahrloste Wohnung, wo sie auf die offensichtlich verwirrte Ehefrau trafen, die zu diesem Zeitpunkt noch nichts von dem Überfall auf das Restaurant und dem Tod ihres Mannes wusste.

«Lidovky» zufolge galt die Frau in der Nachbarschaft als «psychisch labil» und soll öfter durch Lärm, Geschrei und Beleidigungen aufgefallen sein. Der Polizei zufolge wurden Beamte mindestens einmal wegen Ruhestörung zu dem Haus in der Siedlung Olšava gerufen. Das Paar soll einen Sohn gehabt haben.

«Jeder hat damit gerechnet, dass hier mal etwas passiert. Es war ein Irrenhaus.»

Aussage eines Nachbars

Die Frau wurde festgenommen, die Polizei suchte in der Wohnung nach weiteren Waffen. Der Schütze soll einen Waffenschein besessen haben. Vor dem Hintergrund des Amoklaufs stelle sich die Frage, ob es nicht zu viele Waffenschein-Besitzer in Tschechien gebe, sagte Innenminister Milan Chovanec von der sozialdemokratischen Partei CSSD im Fernsehsender Prima. Laut offiziellen Angaben beträgt die Zahl der in Tschechien legal gehaltenen Handfeuerwaffen etwa 760'000. Das Land hat knapp zehneinhalb Millionen Einwohner.

Der Amokläufer hatte seine Tat angekündigt. Er rief beim privaten TV-Sender Prima an und erklärte, er fühle sich schikaniert und werde die Sache «in die eigenen Hände nehmen». Der Sender soll daraufhin die Behörden alarmiert haben. Der Innenminister trat Vorwürfen entgegen, die Polizei habe es an Professionalität vermissen lassen. «Ich glaube nicht, dass der Angriff hätte verhindert werden können», sagte Chovanec.

Das Motiv für die Tat ist bislang unklar. «Es ist ein Rätsel, warum er sich gerade diese Gaststätte ausgesucht hat», sagte Staatsanwalt Roman Kafka dem Sender CT über den Täter. Der 62-Jährige habe Menschen ermordet, die mit seinen persönlichen Problemen nichts zu tun gehabt hätten.

(ala/dpa)



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