Interview
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This Nov. 18, 2017 photo provided by Bea Johnson shows a jar filled with one year of waste produced from Johnson and her family, shown in Mill Valley, Calif. Johnson and her family have produced a mere pint of trash per year since 2008. Once an industrial term, Zero Waste has become a rallying cry for a small but influential number of households trying to winnow their annual trash to, well, zero. From California to Canada to Brooklyn and beyond, a small but growing number of households are joining together in what has become what seems to be a movement, declaring that less may be more, but zero is the best of all, at least where contributing to landfills is concerned. (Bea Johnson via AP)

Bild: AP/Bea Johnson

Interview

Von 17 Litern pro Woche auf 500 Gramm pro Monat: So lebt es sich möglichst abfallfrei

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Seit zwei Jahren lebt die 36-jährige Franziska Rosenbaum ein möglichst abfallfreies Leben. Wie viel Planung dahinter steckt, wo sie ein Auge zudrückt und wie viel Abfall sie pro Monat noch produziert, verrät die Ostschweizerin im Interview.

Du lebst seit zwei Jahren möglichst abfallfrei. Die wichtigste Frage gleich zu Beginn: Benutzt du noch WC-Papier?
Franziska Rosenbaum: (Lacht) Das tue ich tatsächlich. Ich versuche es einfach unverpackt einzukaufen. Und seit wir umgezogen sind, haben wir auch eine WC-Dusche.

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Die Ostschweizerin Franziska Rosenbaum versucht seit zwei Jahren so wenig Abfall wie möglich zu produzieren. bild: lea dörig fotografie

Wie sieht es in deinem Badezimmer sonst noch so aus?
Zahnpasta habe ich keine mehr, um meine Zähne zu putzen, benutze ich Tabs. Shampoos und Duschgel sind bei mir Hartseifen. Und bei den Hygieneartikeln bin ich auf Menstruationscup und Stoffbinden umgestiegen.

«Noch vor zwei Jahren füllte ich zusammen mit meinem Mann einen 17-Liter-Sack Müll pro Woche.»

Was hat dich dazu bewogen, dein Leben möglichst abfallfrei zu leben?
Das Thema Minimalismus hat mich schon immer fasziniert. Vor zwei Jahren bin ich dann auf die Zero-Waste-Bewegung aufmerksam geworden – und bin direkt Mitglied bei Zero Waste Switzerland geworden. Für die Region Ostschweiz war ich eineinhalb Jahre lang Botschafterin. Mit Veranstaltungen und Workshops versuchten wir, die Öffentlichkeit auf ein möglichst abfallfreies Leben zu sensibilisieren und sie bei der Umsetzung zu unterstützen.

Gleich geht's weiter mit dem Interview, vorher ein kurzer Werbe-Hinweis:

Verpackungen reduzieren und Umwelt schützen
Wir haben mitgeholfen, im Verkauf Verpackungen bei Früchten und Gemüse zu reduzieren. Bevor die Produkte in den Verkauf kamen, haben wir im Labor die Temperatur- und Luftfeuchtigkeit in den Verkaufsläden simuliert und die Ware diesen Bedingungen ausgesetzt. So konnten wir sicherstellen, dass Früchte und Gemüse auch unverpackt bei Transport und Lagerung frisch bleiben.

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Und nun zurück zum Interview ...

Wie lebt man denn ein möglichst abfallfreies Leben?
Ich habe mich von einigen materiellen Dingen getrennt. Natürlich ging das nicht von 0 auf 100. Vieles ist ein längerer Prozess, ein Ausprobieren von Alternativen. Aber ich glaube, ich wurde auch kreativer. Und ich habe begonnen, einige Dinge selbst herzustellen.

Zum Beispiel?
Seit einiger Zeit mache ich mein Joghurt selber. Das ist eigentlich ziemlich einfach. Die Milch dafür hole ich mir bei einem Bauernhof in der Nähe. Dafür entschieden habe ich mich, weil ich Joghurt liebe und darauf nicht verzichten wollte. Diese aber unverpackt zu kriegen, ist ziemlich schwierig.

Wie aufwändig ist es, möglichst abfallfrei einzukaufen?
Es steckt tatsächlich etwas Planung dahinter. Ich wohne am Walensee, die nächsten Unverpackt-Läden sind in St.Gallen, Zürich, Chur oder Glarus. Da kaufe ich jeweils einmal im Monat ein und fülle meine Reis-, Linsen-, Haferflocken- und Pasta-Vorräte auf. Auch Nachschub für Reinigungsprodukte hole ich dort. Viele Lebensmittel besorge ich aber auch in kleinen Bio-Läden. Fleisch kaufe ich häufig beim Metzger im Dorf. Im November öffnet aber ein Unverpackt-Laden in Walenstadt, darauf freue ich mich sehr.

Gehst du überhaupt noch in die grossen Detailhändler wie Migros und Coop?
Ich komme nicht drum rum. Dort versuche ich aber, möglichst im Offenverkauf Lebensmittel einzukaufen. Mit Stoffsäcken für Nüsse, Gemüse und Obst bewaffnet, geht das eigentlich ziemlich gut und mit wenig Abfall.

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Auch in den Ferien wird Abfall gespart: Hier ein Bild aus Brasilien. bild: instagram/lumpepack_stofftaschen:

Auf was kannst du trotz Verpackungsmüll nicht verzichten?
Ich liebe Knäckebrot und Butter. Das kaufe ich verpackt ein, obwohl es das auch in Unverpackt-Läden im Offenverkauf gäbe oder ich es selbst machen könnte. Wenn ich Besuch oder selbst Lust darauf habe, kaufe ich manchmal auch eine Chipstüte. Schokolade ist in meiner Region natürlich auch eher schwierig, unverpackt zu kriegen. Da ich aber gerne backe, habe ich meistens was Süsses, wovon ich naschen kann.

Hand aufs Herz, wie viel Abfall gibt's bei dir monatlich noch?
Noch vor zwei Jahren füllte ich zusammen mit meinem Mann einen 17-Liter-Sack Müll pro Woche. Heute füllen wir den Sack in zwei Monaten. Im Januar kamen wir unter 500 Gramm Abfall.

Wo liegen weiterhin deine grössten Abfallsünden?
Ich brauche neben meiner Brille auch Tageslinsen für den Sport. Gerade bei sportlichen Aktivitäten sammelt sich einiges an, ein Eintrittsticket zum Beispiel oder ein Energieriegel für unterwegs. Viele Skibillette werden immer noch auf plastifiziertes Papier gedruckt, obwohl es Alternativen wie Depotsysteme gäbe.

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bild: Instagram/lumpepack_stofftaschen

Wie ist das bei Besuchen an Konzerten oder Open Airs? Da gestaltet sich ein Zero-Waste-Vorsatz ja jeweils etwas schwierig.
Das ist alles eine Frage der Planung. Als wir im Sommer an ein Konzert gingen, habe ich meinen eigenen Becher mitgebracht. Falls ich den nicht dabei hätte, würde ich einfach den ersten Becher behalten und mir danach Getränke einfach wieder darin auffüllen lassen. Manchmal ist es im Alltag oder in der Freizeit einfach nicht möglich, komplett abfallfrei zu leben. Weil man im Stress ist oder keine Alternativen hat. Aber es geht auch nicht darum, perfekt zu sein, sondern das Bestmögliche zu machen.

«Viele Skibillette werden immer noch auf plastifiziertes Papier gedruckt, obwohl es Alternativen wie Depotsysteme gäbe.»

Gibt es trotzdem manchmal Momente, wo du dich ärgerst?
Beim Einkaufen zusammen mit meinem Mann ist es jeweils etwas schwierig. Er achtet nicht so penibel wie ich auf den Verpackungsmüll. Da kommt es manchmal zu Uneinigkeiten (schmunzelt). Auch beim Einkaufen in der Migros muss ich mich jeweils zwischen Verpackungsmüll oder Bio-Gemüse entscheiden. Das ist zwar schon um einiges besser geworden, kommt aber immer wieder vor.

Was halten eigentlich Freunde und Familie von deinem Lebensstil?
Sie finden es grundsätzlich gut, was ich mache. Könnten aber selbst ein solches Leben nicht führen. Besonders meine Eltern belächeln mich manchmal. Zu Weihnachten habe ich ihnen Stoffsäcke für den Einkauf genäht. Die benutzen sie zwar, das ist aber auch schon das Höchste der Gefühle.

Irgendwelche nächsten Abfallhürden, die du nehmen willst?
Es war mir lange ein Dorn im Auge, dass ich meine Küchenabfälle mit dem regulären Abfall wegwerfen musste. Nun haben wir endlich einen Kompost für die ganze Siedlung. Das ist auch ein bisschen mein Verdienst. Die Hürde ist also genommen (schmunzelt).

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