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Bern's Head Coach Hans Kossmann, during the preliminary round game of National League A (NLA) Swiss Championship 2019/20 between HC Ambri Piotta and HC Bern at the ice stadium Valascia in Ambri, Switzerland, Friday, January 31, 2020. (KEYSTONE /Ti-Press/Alessandro Crinari)

Ist das der wahre, der raue, der «taffe» Hans Kossmann? Nein, er ist es nicht. Das Spiel ist aus. Bild: KEYSTONE/Ti-Press

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SC Bern – warten auf den «Big Bang» mit der Karikatur eines Meisterteams

In einer magischen Hockeynacht haben die Tapferen der Leventina einen verunsicherten Titanen aus Bern 3:0 gebodigt. Folgt nicht bald ein «Big Bang, dann beginnt für den SC Bern zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg von 1986 der Abstiegskampf.



Ist das der wahre, der raue, der «taffe» Hans Kossmann? Nein, er ist es nicht. Das Spiel ist aus. Der SCB hat das erste Spiel unter dem neuen Trainer 0:3 verloren. Seine Männer sind still und mit hängenden Köpfen soeben in die Kabine zurückgekehrt. Keine Wutausbrüche. Keine zertrümmerten Stöcke. Keine Flüche. Nur stille Resignation und Frustration. Stumme Verlierer.

Hans Kossmann, eigentlich ein Mann der träfen, fadengeraden Worte, versucht die Niederlage zu erklären. Er sagt, er habe einiges gesehen, das ihm gefallen habe. Viel Laufarbeit, beispielsweise von Jan Mursak (boshafte Anmerkung: Wenn einer der SCB-Ausländer wenigstens läuft, ist das inzwischen schon ein Grund für ein Lob), Leidenschaft und eine dominantere Spielweise («auf den Zehen stehen»). Also gute Ansätze. Grund zur Hoffnung.

From left, Bern's player Jan Mursak, Ambri's player Mattia Jiri Novotny and Bern's player Vincent Praplan, during the preliminary round game of National League A (NLA) Swiss Championship 2019/20 between HC Ambri Piotta and HC Bern at the ice stadium Valascia in Ambri, Switzerland, Friday, January 31, 2020. (KEYSTONE /Ti-Press/Alessandro Crinari)

Jan Mursak und Vincent Praplan versuchen Mattia Jiri Novotny von Ambri zu stoppen. Bild: KEYSTONE/Ti-Press

Wie es sich gehört, rühmt der neue SCB-Trainer den Gegner und als er Ambris Qualitäten aufzählt, sagt er wörtlich «vier gute Ausländer». Tja, so weit ist es inzwischen gekommen: der 50 Millionen-Umsatz-Hockeykonzern SCB bringt noch einen brauchbaren ausländischen Feldspieler (Mark Arcobello) aufs Eis. Ambri hingegen vier. Noch Fragen?

Hans Kossmann lobt den Gegner so sehr, dass ein Zuhörer zum Schluss kommt, der krasse, finanzschwache Aussenseiter SCB habe sich soeben gegen einen reichen, übermächtigen Titanen heroisch, aber vergeblich gegen die unvermeidliche Niederlage gestemmt. Die Hockeywelt ist wahrlich aus den Fugen geraten. Wo ist bloss das bernische Selbstvertrauen geblieben?

War der neue SCB-Trainer bei einem anderen Spiel? Nein. Die Statistik gibt ihm recht. Der SCB hat diese Partie mit 35:27 Torschüssen dominiert. Auch der optische Eindruck entspricht Hans Kossmanns Einschätzung. Also doch ein «neuer» SCB? Nein. Die Berner versuchten einfach vergeblich, ihrer Verunsicherung davonzulaufen. Hektische Flucht nach vorne. Und tatsächlich wankte Ambri in einigen Phasen und brauchte den Rückhalt eines grossen Benjamin Conz. Aber im SCB-Spiel war zu viel Unruhe und Ungenauigkeit in allen drei Zonen.

ARCHIVBILD ZUR ENTLASSUNG VON TRAINER KARI JALONEN BEIM SC BERN, AM DIENSTAG, 28. JANUAR 2020 - Kari Jalonen, head coach of Swiss National League ice hockey club SC Bern, poses for a photograph in the locker room of the team at the PostFinance Arena in Bern, Switzerland, on August 7, 2019. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)..Kari Jalonen, Headcoach SC Bern, portraitiert in der Garderobe der 1. Mannschaft am 7. August 2019 in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Wurde am Dienstag gefeuert: Trainer Kari Jalonen. Bild: KEYSTONE

Wir wollen das Kind nicht gleich mit dem Bade ausschütten: Hans Kossmann hat bloss sein erstes Spiel verloren. Er hat noch neun Chancen, um die Playoffs zu erreichen. Aber ob den Erregungen der letzten Tage in Bern ist es schon ein wenig verwunderlich, wie wenig sich durch den Trainerwechsel gebessert hat. SCB-Manager Marc Lüthi hat bekanntlich am Dienstag Trainer Kari Jalonen gefeuert («stimmt nicht, nur freigestellt, das macht juristisch einen Unterschied») und durch Hans Kossmann ersetzt. Gross die Aufregung. Flächendeckend die SCB-Medienpräsenz. Neuer Trainer, neue Hoffnung, neuer SCB?

Ach was. Marc Lüthi sah zwar eine verbesserte Angriffsauslösung («schneller, direkter, ohne Rückpässe»), ansonsten haben wir nach wie vor in den Grundzügen Kari Jalonens SCB gesehen. Gut strukturiert («Schablonenhockey»), aber berechenbar. Einfach alles bloss bisschen hektischer, unpräziser und aufgescheuchter. Als hiesse der neue Trainer Hannu Kosmalainen.

Dass Hans Kossmann taktisch noch nichts geändert hat, ist einerseits dem Respekt für die Arbeit seines Vorgängers (drei Jahre, zwei Titel) und andererseits der Vernunft geschuldet: Er hat die Mannschaft erst am Mittwoch übernommen. Er hatte noch keine Zeit, etwas am System zuändern.

Was erstaunt, ist das Fehlen des «weichen Faktors». Also des «Ruckes», der jeweils nach einem Trainerwechsel durch eine Mannschaft geht. Des Energieschubes, den ein Kommandowechsel auslöst, weil alle froh sind, dass der ungeliebte Chef endlich weg ist. Aber eigentlich ist es nicht verwunderlich, dass dies in Bern nicht der Fall ist. Es war ja keiner gegen Kari Jalonen. Die Mannschaft hat nie den Eindruck erweckt, sie wolle den Trainer loswerden. Die erste Reaktion des Kabinenpersonals auf den Trainerwechsel ist deshalb nicht dynamische Erleichterung («so-jetzt-aber-erst-recht»). Sondern Verwunderung, Verwirrung, Verunsicherung.

Die Reaktion ist also vorerst ausgeblieben. Ja, die Tapferen der Leventina haben den Meister in erster Linie durch ein klares Plus in den Bereichen Energie, Willen, Leidenschaft, Konzentration und Disziplin besiegt. Typisch dafür die alles entscheidende Szene: Im Powerplay bringt SCB-Verteidiger Eric Blum den forecheckenden Marco Müller hinter dem SCB-Tor zu Fall. Das SCB-Überzahlspiel ist beendet und kurz daraufmarkiert Giacomo Dal Pian das 1:0 (38:29 Min.).

Dass die Berner nach dem ersten Gegentreffer nicht mehr zu einer Reaktion fähig waren, müsste die SCB-Chefetage beunruhigen. Wahrscheinlich ist es Zeit, dass SCB-Manager Marc Lüthi in die Kabine hinuntersteigt und eine aufrüttelnde Brandrede hält. Ganz im Sinne von König Salomon («Gehet hin zur Ameise, ihr Faulen, sehet ihre Weise an und lernet!»). So oder besser noch energischer als damals am 24. Januar 2016 nach einer nicht ganz so schmählichen Niederlage (3:4n.P) in Biel acht Runden vor Schluss der Qualifikation. Die Reaktion auf den Wutausbruch des obersten Chefs war die Playoff-Qualifikation mit anschliessendem Titelgewinn vom 8. Platz aus.

Die Frage geht also an Marc Lüthi: Dürfen wir bald einen Kabinen-Auftritt wie damals in Bieler warten? «Spinnen Sie eigentlich?» weist er freundlich, aber bestimmt den frechen Fragesteller zurecht. «Ganz sicher nicht.»

Der allerhöchste Chef, die sportliche Führung, der Trainer und die Spieler haben in Bern den Ernst der Lage nach wie vor nicht richtig erfasst. Die grosse Frage ist nun: Erfolgt im Derby auf eigenem Eis gegen die SCL Tigers endlich eine erste wuchtige Reaktion? Ein «Big Bang»?

Wenn nicht, beginnt für den Meister nach der Nationalmannschafts-Pause zum ersten Mal seitdem Wiederaufstieg von 1986 der Abstiegskampf. Der SCB war in Ambri im ersten Spiel unter neuer Leitung nur noch die Karikatur eines Meisterteams. Aber nach wie vor sind beide Extreme möglich: Playoffs und Platzierungsrunde, Titelverteidigung und Relegation. Und nach einem «Big Bang» auf dem Eis braucht es so oder so einen «Big Bang» in der sportlichen Führung.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Peter Griffin 01.02.2020 18:36
    Highlight Highlight Beim SCB steht ein House-Cleaning an. Chole Marc könnte bei Sven L. aus Zollikofen nochmals anklopfen. Oder ist Chole Marc zu stolz? Martin Plüss als neuer Sportchef? Oder wie wäre es mit AdC? Cereda als neuer Headcoach. Come on Marc
  • Team Insomnia 01.02.2020 17:42
    Highlight Highlight Habe ich das richtig gesehen: TV24 UND mySports übertragen beide live??
    • Team Insomnia 01.02.2020 18:03
      Highlight Highlight *es fehlt SCB vs SCL* in meinem Kommentar oben. Sorry!
    • Haokeaanig 01.02.2020 18:20
      Highlight Highlight MySport muss wohl ein wenig Werbung machen...
  • AndOne 01.02.2020 14:59
    Highlight Highlight Ich glaube es gibt einen neuen SCB-Artikel Rekord, also Klausi gib gas.

    Noch 9 bis zu den Playouts, Item Absteiger
  • Dynamischer-Muzzi 01.02.2020 12:43
    Highlight Highlight 😜
    Benutzer Bild
  • humpalumpa 01.02.2020 12:40
    Highlight Highlight Playouts sind gebucht. Janu tut den Herren gut! Bitte endlich den laden mal ausmisten!
  • Jet 01.02.2020 11:52
    Highlight Highlight Cool .....endlich wieder mal ein Scb Artikel.
    So sehr vermisst......
    • Lümmel 01.02.2020 13:43
      Highlight Highlight Heute Abend spielen sie gegen die Tigers, dann gibts morgen bestimmt kein SCB Artikel.
  • BeatBox 01.02.2020 10:33
    Highlight Highlight Mursak ist viel gelaufen und war dann durch sein überhebliches Stockgedängel Schuld am Gegenstoss und der Strafe (die keine war) von Blum. Typischerweise wird jetzt wieder Blum zum Deppen gemacht. Und der „genügende“ Ausländer mit Goldhelm kommt in den letzten Spielen nich mal mehr zu richtigen Torchancen... Wenn man einen Trainerwechsel machen will, hätte dies früher geschehen sollen! Housi kann das Ruder noch rumreissen, aber dann muss heute was geschehen! Ich glaub nicht so recht dran...
    • ben_fliggo 01.02.2020 11:06
      Highlight Highlight Ich frage mich, wann Hans von der Leine gelassen wird. Die Assistenten sind ja noch die gleichen. Hoffe doch schwer, der Hans macht jetzt mal ein wenig Dampf im Haus!
    • ben_fliggo 01.02.2020 11:08
      Highlight Highlight Abgesehen davon sehe ich das mit Mursak genau gleich: Welch Schmach, dass ausgerechnet er noch ein Sonderlob kriegt. Aber vielleicht war es so gemeint: Ausser viel zu Laufen nichts zustande gebracht.
  • länzu 01.02.2020 09:50
    Highlight Highlight Neu wären die Playout nicht. Das haben die Spieler des SCB vor einigen Jahren schon einmal geübt
    .
  • Hayek1902 01.02.2020 09:39
    Highlight Highlight Als Lugano fan habe ich lange gar nicht mehr mit den playoffs gerechnet und jetzt sieht es ganz gut aus. Ich glaube nicht mehr daran, dass der SCB die playoffs noch erreicht
  • Baumi72 01.02.2020 09:05
    Highlight Highlight „...wenn einer der SCB-Ausländer wenigstens läuft, ist das inzwischen schon ein Grund für ein Lob“

    Der war gut 😂
    • feuseltier 01.02.2020 17:49
      Highlight Highlight Die laufen alle davon :))
  • Ranger55 01.02.2020 08:27
    Highlight Highlight Item Ligaqualifikation...

  • Zirpegriller 01.02.2020 08:19
    Highlight Highlight Chöisus Bedenken sind leider berechtigt: Ich habe gestern im Frost und Bodennebel von Piotta zum ersten Mal seit Februar 1981 wieder das Abstiegsgespenst gesehen. Jetzt fehlt nur noch, dass Marc Lüthi das Allmend-Dach öffnet und den Neffen von Jack Valiquette (die Legende, die beim SCB einst für ein einziges Spiel - in Kloten - einfliegen liess und der sich kaum auf den Kufen halten konnte..) einfliegen lässt.
  • De Flip 01.02.2020 08:06
    Highlight Highlight Die Playouts würden dem SCB gut tun, sie könnten was lernen, was sie vergessen haben: Demut.
    • SörgeliVomChristophNörgeli 01.02.2020 12:08
      Highlight Highlight Finde ich nicht, auch wenn ich kein SCB-Fan bin. Da gäbe es andere "Kandidaten", z. B. die Zürcher oder die Spendercup-Profiteurli.
    • LebeauFortier 01.02.2020 14:14
      Highlight Highlight Der ZSC und der HCD haben bereits letztes Jahr Demut gelernt. Sorry.
  • reto74 01.02.2020 07:06
    Highlight Highlight Item.....Playouts 🤣🤣🤣

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