Gesellschaft & Politik
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Greek Finance Minister Yanis Varoufakis arrives at the French Finance Ministry for a meeting with his French counterpart, on February 1, 2015 in Paris. Varoufakis is on a two-days visit to Paris to launch the Greek new anti-austerity government's search for EU allies. AFP PHOTO / POOL / JACQUES DEMARTHON

Giannis Varoufakis bei einem Besuch in Paris am Sonntag. Bild: POOL

Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis

Ein Provokateur mit Lederjacke lehrt die Euroländer das Fürchten

Der neue griechische Finanzminister Giannis Varoufakis provoziert die EU mit scharfen Tönen und den Forderungen nach einem Schuldenschnitt. Doch nun holt ihn die Realität ein.



Drei Tage war Giannis Varoufakis im Amt, und schon kam es zum Eklat: Bei einem Treffen mit Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem am letzten Freitag in Athen kündigte der neue griechische Finanzminister die Zusammenarbeit mit der Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) auf. 

«Unser Land weigert sich, mit der Troika zu kooperieren», sagte Varoufakis. Deren Sparprogramm sei nicht umsetzbar. Damit ging der Finanzminister auf Konfrontationskurs mit den Euroländern. Sichtlich verärgert gingen Varoufakis und Dijsselbloem auseinander. «Gerade eben haben Sie die Troika getötet», raunte der Niederländer seinem Gastgeber beim frostigen Abschied zu.

epa04595700 Eurogroup chief Jeroen Dijsselbloem (L) and Greek Finance Minister Yanis Varoufakis (R) speak during a press conference following a meeting at the Finance Ministry in Athens, Greece, 30 January 2015. Eurogroup chief Jeroen Dijsselbloem is visiting Athens to meet with Prime Minister Alexis Tsipras and Finance Minister Yanis Varoufakis. The head of eurozone finance ministers' group, Jeroen Dijsselbloem, will launch debt talks with Greece's newly elected leftist government. The SYRIZA government is determined on changing the conditions of its international bailout programme, while Dijsselbloem has stressed the importance of upholding the existing agreements.  EPA/SIMELA PANTZARTZI

Frostiges Klima: Jeroen Dijsselbloem und Giannis Varoufakis. Bild: EPA/ANA-MPA

Damit festigte Giannis Varoufakis seinen Ruf als Enfant Terrible, das die Eurozone das Fürchten lehrt. Der 53-jährige Wirtschaftsprofessor steht seit dem Wahlsieg der Linksallianz Syriza an der Spitze des griechischen Finanzressorts. Sein Auftritt provoziert, auch äusserlich. Wie sein Boss Alexis Tsipras trägt er keine Krawatten. Lieber zieht er sich die Lederjacke an und fährt mit dem Motorrad zur Arbeit.

Giannis Varoufakis kultiviert ein Rebellenimage, cool und überlegen, durchtrainiert und mit «James-Bond-Blick», wie es die griechische Boulevardpresse beschreibt. In seiner Heimat gilt er als «Popstar» der Ökonomie. Sein Ego wird von Weggefährten als riesengross beschrieben. Selbst für griechische Verhältnisse gilt er als emotional und aufbrausend, so Spiegel Online.

«Fiskalisches Waterboarding»

Die Sparmassnahmen, die dem Land auferlegt wurden, nannte er «fiskalisches Waterboarding». Die Tatsache, dass Griechenland kaum aus der Eurozone rausgeworfen werden kann, umschrieb er mit einer Zeile aus dem Eagles-Hit «Hotel California»: «Du kannst jederzeit auschecken, aber nie weggehen.»

Der gebürtige Athener ist viel in der Welt herumgekommen und international gut vernetzt. Er lehrte unter anderem in Sydney, Glasgow und zuletzt an der Universität von Texas in Austin. Die dortige Professur nahm er angeblich aus finanzieller Not an. Wegen seines schrumpfenden Gehalts hätte er sonst den Unterhalt für seine Tochter Xenia nicht mehr bezahlen können, die bei seiner Ex-Frau in Australien lebt.

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Varoufakis am letzten Freitag im Interview mit der BBC. video: YouTube/Sphaera21

Während der Finanzkrise profilierte sich Varoufakis als Spargegner und Anhänger eines Staatsbankrotts. In seinem viel gelesenen Blog schrieb er unverblümt, dass Deutschland aus Rücksicht auf seine Banken lieber zahlen werde, als Griechenland pleite gehen zu lassen: «Wenn wir uns selbst von der Angst vor einer Staatspleite freimachen können, würden unsere deutschen Freunde sich sofort beeilen, sie zu verhindern.»

Allerdings schont der Finanzminister auch seine Landsleute nicht: Die Zeiten des endlosen Konsumierens seien vorbei. Wohlstand sei nicht, «wenn viele Luxusautos auf den Strassen fahren», sagte er einen Tag nach seiner Vereidigung. Die Griechen seien glücklicher gewesen, als sie keine Kreditkarten gehabt und ihr Erspartes für die Bildung ihrer Kinder ausgegeben hätten, meinte er bei seinem ersten Auftreten vor der Presse.

Umschuldung statt Schuldenschnitt

In den letzten Tagen hat Giannis Varoufakis seine scharfe Zunge im Zaum gehalten. Auslöser war möglicherweise ein Besuch bei den EU-kritischen Briten am Montag. Sein Amtskollege George Osborne wies die Forderungen nach einem Schuldenschnitt zurück. Griechenland müsse im Kampf gegen die Schuldenkrise vernünftig handeln – gleichzeitig müsse die Euro-Zone aber mehr tun, um für Wachstum und Jobs zu sorgen, sagte Osborne.

Seither spricht auch Varoufakis nicht mehr von einem Schuldenschnitt. Dieser sei politisch in den Gläubigerländern nicht akzeptabel, sagte er in einem Interview mit der Financial Times. Stattdessen denkt die Athener Regierung nach seinen Worten an eine Vorschlagsliste von Umschuldungsmassnahmen statt des Schuldenerlasses auf einen Schlag. 

In einem weiteren Interview mit der Zeit gelobte der Lederjacken-Minister zudem, Griechenland werde – abzüglich der Zinsausgaben – nie wieder ein Haushaltsdefizit vorlegen. «Nie, nie, nie!» Damit wollte er wohl das Terrain vorbereiten für seinen schwierigen Besuch beim deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble am Donnerstag.

Die Lernkurve des neuen griechischen Finanzministers verläuft steil. Denn auch ein begnadeter Provokateur wie Giannis Varoufakis kommt nicht an der Macht des Faktischen vorbei.

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