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--- DIE SCHWEIZER ARMEE IST IMMER WIEDER EIN THEMA IN DER OEFFENTLICHKEIT. KEYSTONE HAT AUS DIESEM GRUND DAS BILDMATERIAL ZUR SCHWEIZER ARMEE AKTUALISIERT UND STELLT IHNEN IN LOSER REIHENFOLGE NEUE THEMENBILDER VERSCHIEDENER ABTEILUNGEN ZUR VERFUEGUNG --- Die Gamelle gehoert zur persoenlichen Ausruestung eines Soldaten der Schweizer Armee, aufgenommen am 12. Februar 2014, in Hinwil. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

In der Gamelle von Schweizer Soldaten landet oftmals eines: Fleisch. Bild: KEYSTONE

«Mussten blutte Spaghetti essen»: Soldaten beschweren sich über mangelnde Vegi-Menüs

Auf dem Menüplan der Schweizer Soldaten steht vor allem eines: Fleisch. Häufig zwei bis drei Mal pro Tag. Auf Vegetarier werde überhaupt keine Rücksicht genommen, beschweren sich Soldaten. Die Armee widerspricht.



Als C.S.* vor zwei Wochen seinen letzten Wiederholungskurs (WK) als Richtstrahlpionier antrat, wollte er ein Experiment machen: Er meldete sich als Vegetarier an.

Einerseits, weil er wissen wollte, wie man in der Armee als Vegetarier behandelt wird und andererseits aus Solidarität. «Bei unserem letzten WK habe ich die meiste Zeit mit einem anderen Soldaten verbracht, der seit einigen Jahren vegetarisch lebt. Er meldete dies auch vor Beginn des WKs an, musste aber feststellen, dass auf seine Ernährungsweise praktisch nie Rücksicht genommen wurde», erzählt der 27-Jährige. Dem Kollegen sei vier Wochen lang fast immer das Fleischmenu serviert worden – einfach ohne Fleisch.

«Ich musste mit Bedauern feststellen, dass das Militär auch im Jahr 2021 keine Rücksicht auf Vegetarier nimmt».

Soldat C.S.

Aus der Überzeugung, je mehr Vegetarier sich anmelden, desto eher werden ihre Wünsche berücksichtigt, meldete sich C.S. beim nächsten WK also auch als Vegi an. Gebracht hat es nicht viel. «Ich musste mit Bedauern feststellen, dass das Militär auch im Jahr 2021 keine Rücksicht auf Vegetarier nimmt».

Stand zum Beispiel Spaghetti mit Tomaten-Thunfischsauce auf dem Speiseplan, so gab es für die Fleischabstinenzler einfach «blutte Spaghetti ohne Sauce». Beim Chili con Carne mussten kurzfristig noch Tortellini, ebenfalls ohne Sauce, gekocht werden, weil man die Vegetarier vergessen hatte.

Vegi-Tage nicht im Interesse der Armee

Auf Anfrage gibt sich die Armee sehr wohl offen gegenüber anderen Ernährungsweisen: «Die jeweiligen Kommandanten haben den Auftrag, eine möglichst bedarfsorientierte Verpflegung sicherzustellen», sagt Armeesprecher Daniel Reist.

Dabei solle eine abwechslungsreiche Verpflegungsplanung nicht nur die tägliche «optimale Zufuhr sämtlicher Nährstoffe» garantieren, sondern auch zur Gesunderhaltung der Truppe beitragen, «wobei auch der oft sehr unterschiedliche und gelegentlich auch hohe Kalorienbedarf zu berücksichtigen ist.»

Dieser hohe Kalorienbedarf wurde in der Kaserne von C.S. zumeist mit Fleisch gedeckt. Auf einem Bild des Menüplanes ist ersichtlich, dass von 14 warmen Mahlzeiten 13 Fleisch beinhalteten. Dazu kommt zum Teil noch Aufschnitt zum Frühstück. Für C.S. unverständlich: «Die meisten meiner Kameraden, mit denen ich über das Thema Fleischkonsum gesprochen habe, haben mir gesagt, im Privaten nie so viel Fleisch zu essen wie im WK.» Es sei weder ökologisch, noch gesundheitlich, noch finanziell sinnvoll, so viel Fleisch auf dem Speiseplan zu haben.

Bild

Reinzoomen, um die detaillierten Menüs anzuschauen. bild: zvg

Armeesprecher Reist stimmt dem teilweise zu: «Es ist anerkannt, dass heutzutage noch zu viel tierische Produkte verspiesen werden, und es ist unbestritten, dass dies wiederum einen negativen Einfluss auf die Umwelt und unser Klima hat.» Deswegen «Vegi-Tage» einzuführen, sei jedoch nicht im Interesse der Armee «und mit Bestimmtheit auch nicht im Interesse der Truppe».

«Wir haben versucht, nur noch maximal eine Fleisch- oder Fischmahlzeit pro Tag zu servieren. Die Reaktion der Dienstleistenden war rasch und heftig.»

Armeesprecher Daniel Reist

Als Beweis nennt Reist einen Pilotversuch auf einem grossen Waffenplatz letztes Jahr: «Wir haben versucht, nur noch maximal eine Fleisch- oder Fischmahlzeit pro Tag zu servieren. Die Reaktion der Dienstleistenden war rasch und heftig.» Der Versuch musste abgebrochen werden.

Soll in der Armee zu jeder warmen Mahlzeit Fleisch serviert werden?

In Babyschritten voran

Ungeachtet der gesundheitlichen und ökologischen Vorteile würde es auch wirtschaftlich Sinn machen, weniger Fleisch zu servieren. Das Budget von CHF 8.75 pro Tag und Person wäre um einiges leichter einzuhalten.

Die Armee macht bereits erste Babyschritte in diese Richtung: «Wir beliefern die Truppe schon heute verstärkt nur noch mit pflanzlichen Ölen, Gemüsebouillon, veganer Bratensauce und Sojaprodukten, um so eine vegetarische und sogar vegane Zubereitung aller Stärkebeilagen und Saucen sicherstellen zu können», sagt Armeesprecher Reist. Auch eine Sensibilisierung über die Auswirkungen des Konsums von tierischen Lebensmitteln sei bei den Armeeangehörigen zu spüren.

Wohl aber noch nicht stark genug, wie das Pilotprojekt von letztem Jahr zeigt. Und ohne den Willen aller Armeeangehörigen werden Vegetarier in der Armee wohl noch länger auf einen gnädigen Truppenkoch hoffen oder sich mit trockenen Spaghetti zufrieden geben müssen.

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