DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Kremlkritiker Nawalny liegt immer noch im Koma – und viele Fragen sind weiter offen

24.08.2020, 07:47

Nach dem Transport des möglicherweise vergifteten Kremlkritikers Alexej Nawalny nach Berlin könnten an diesem Montag weitere Details zu seinem Gesundheitszustand bekannt werden. Nawalny wurde am Wochenende von deutschen Ärzten in der Berliner Universitätsklinik Charité umfassend untersucht. Mit Informationen sei frühestens am Montag zu rechnen, hiess es.

Die behandelnden Ärzte wollen sich erst nach Abschluss der Untersuchungen und Rücksprache mit der Familie äussern. Auch Nawalnys Mitarbeiter wollen Auskunft geben. Wann genau, war zunächst unklar.

Nawalny wurde vermutlich vergiftet.
Nawalny wurde vermutlich vergiftet.
Bild: sda

Der Filmproduzent Jaka Bizilj, der den Flug nach Berlin organisiert hatte, geht davon aus, dass Nawalny überleben wird. Im Politik-Talk «Die richtigen Fragen» auf «Bild live» sagte Bizilj am Sonntagabend: «Aus meiner Sicht ist die entscheidende Frage, ob er das unbeschadet übersteht und seine Rolle weiter einnehmen kann.» In diesem Fall sei Nawalny aber sicherlich mindestens ein, zwei Monate politisch ausser Gefecht gesetzt.

Der 44-Jährige, einer der schärfte Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin, liegt seit Donnerstag im Koma. Er soll nach Angaben seines Umfeld vergiftet worden sein. Die russischen Ärzte sprachen lediglich von Stoffwechselproblemen. Erst nach langem Zögern wurde der Regierungskritiker am Wochenende zur Behandlung nach Deutschland gebracht.

Die Familie warf den russischen Behörden und Ärzten vor, mit dieser Verzögerungstaktik eine Vergiftung vertuschen zu wollen. Auch der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Dirk Wiese, forderte eine transparente Aufklärung des Falls.

Nawalny steht in der Klinik in Berlin-Mitte unter dem Schutz des Bundeskriminalamts (BKA). «Der polizeiliche Schutz von Alexej Nawalny wurde zunächst durch den Bund übernommen», sagte ein Regierungssprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Am Sonntag waren mehrere Einsatzkräfte vor dem Eingang der Charité. Seine Ehefrau Julia und einer seiner engsten Vertrauten durften zu Nawalny. Zuvor war der russische Oppositionelle unter starkem Polizeischutz vom Flughafen Tegel in die Klinik transportiert worden.

Noch immer sind die genauen Umstände des Falls unklar. Nawalny hatte bei einer Reise in Sibirien in einem Flugzeug unter starken Schmerzen das Bewusstsein verloren. Am Wochenende wurde bekannt, dass er von Sicherheitskräften bei seiner Reise umfassend beschattet worden sein soll. Dabei soll dokumentiert worden sein, mit wem Nawalny sich getroffen, was er gegessen und wo er geschlafen hat. Sogar eine Sushi-Bestellung seiner Mitarbeiter wurde dabei angeführt.

Der Oppositionelle Ilja Jaschin kündigte an, eine offizielle Anfrage an den Inlandsgeheimdienst FSB stellen zu wollen. Es sei ungeheuerlich, dass Geheimdienstmitarbeiter einen Oppositionspolitiker bespitzelten, schrieb Jaschin auf Facebook.

Nawalny wollte am Donnerstag von Sibirien zurück nach Moskau fliegen. Am Flughafen in Tomsk habe er noch einen Tee getrunken, sagte Nawalnys Sprecherin. Während des Flugs habe er sich unwohl gefühlt und noch an Bord das Bewusstsein verloren. Das Flugzeug landete dann in Omsk in Sibirien, wo er zunächst versorgt wurde. (cki/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

20 Jahre Putin in Bildern

1 / 23
20 Jahre Putin in Bildern
quelle: tass / str
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Nuklearkrieg, was bedeutet das eigentlich genau?

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

G7-Staaten werfen Russland «bösartige Aktivitäten» vor – und kritisieren China scharf

Zum Abschluss ihres dreitägigen Treffens in London haben die G7-Aussenminister Russland und China schwere Vorwürfe gemacht.

In einer am Mittwochabend verabschiedeten Erklärung bezichtigen sie die Regierung in Moskau «bösartiger Aktivitäten», um demokratische Systeme anderer Staaten zu untergraben. Ausserdem kritisieren sie erneut die russische Truppenstationierung an der Grenze zur Ukraine. «Wir sind zutiefst besorgt darüber, dass das negative Muster des unverantwortlichen und …

Artikel lesen
Link zum Artikel