Gesellschaft & Politik
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epa04260526 Kenyan residents inspect the scene where vehicles were torched by alleged Islamist militants in the small coastal town of Mpeketoni near Lamu, Kenya, 16 June 2014. At least 48 people were killed in an attack by about 50 gunmen, a news report said. Witnesses said many people were held hostage in the attack that ran for about four hours. A Kenyan Army spokesman said Somali Islamist group al-Shabaab was suspected. The group has increasingly extended its violent campaign to neighbouring Kenya, where an attack against a Nairobi shopping mall left 67 people dead in September 2013.  EPA/STR

Ausgebrannte Fahrzeuge säumen die Strassen der Küstenstadt Mpeketoni in Kenia nach dem Angriff von somalischen Islamisten. Bild: STR/EPA/KEYSTONE

Somalische Extremisten

Mindestens 48 Tote bei Islamistenangriff auf Küstenstadt in Kenia

Rund 50 Bewaffnete haben in der Nacht zum Montag zwei Hotels in einem kenianischen Küstenort gestürmt und nach Angaben von Polizei und Rotem Kreuz mindestens 48 Menschen getötet. Die Zahl der Opfer könnte noch weiter steigen.

Unklar war zunächst, ob es sich bei den Angreifern um muslimische Extremisten oder um Kriminelle handelte. Die Regierung macht jedoch die Islamistenmiliz Al-Shabaab dafür verantwortlich.

Der Behördenvertreter Benson Maisori sagte, rund 50 Angreifer in drei Fahrzeugen mit den Flaggen der Al-Shabaab seien in die Stadt Mpeketoni, rund 30 Kilometer vom beliebten Touristenziel Lamu, eingedrungen.

Sie hätten Somalisch gesprochen und «Allahu Akbar» (Gott ist gross) gerufen. Zunächst hätten sie eine Polizeiwache angegriffen, seien aber von den Polizisten dort abgewehrt worden. Daraufhin hätten sie mehrere Hotels, Restaurants, Banken und Behördengebäude in Brand gesteckt.

A man observes the remains of destroyed vehicles and buildings in the town of Mpeketoni, about 60 miles (100 kilometers) from the Somali border on the coast of Kenya Monday, June 16, 2014. Dozens of Somali extremists wielding automatic weapons attacked the small Kenyan coastal town for hours, assaulting the police station, setting two hotels on fire, and spraying bullets into the street killing dozens, officials said Monday. (AP Photo)

Bild: /AP/KEYSTONE

Von Bars in die Wälder geflüchtet

Augenzeugen zufolge befanden sich zur Zeit des Angriffs am Sonntagabend in Bars und Cafés zahlreiche Menschen, um die Fussball-Weltmeisterschaft zu verfolgen. «Ich hörte sie auf Somalisch rufen und wie sie um sich schossen», sagte der 28-jährige Einwohner John Waweru. «Ich habe zwei meiner Brüder verloren und bin geflohen. Ich rannte und schloss mich in meinem Haus ein.»

Bei der Attacke seien auch zahlreiche Menschen verletzt worden, teilte die Polizei weiter mit. Unter den Toten seien keine Frauen und Kinder. Viele Bewohner des Ortes hätten sich in die nahe gelegenen Wälder retten können.

Einwohner umliegender Dörfer berichteten, die Angreifer hätten auf dem Rückzug auch dort Menschen getötet. Ein Armeesprecher sagte, es seien Aufklärungsflugzeuge im Einsatz, um nach den Tätern zu suchen.

Hinter dem Angriff könnte auch die radikale Separatistengruppe Mombasa Republican Council (MRC) stecken. Deren Mitglieder beklagen, dass die Regierung in Nairobi sich immer mehr Land aneigne, und fordern eine Abspaltung der Küstenregion vom Rest Kenias. Die Gegend rund um Mpeketoni ist besonders umstritten.

FILE - In this Thursday, Feb. 17, 2011 file photo, hundreds of newly trained al-Shabab fighters perform military exercises in the Lafofe area some 18 kilometers (11 miles) south of Mogadishu, in Somalia. Kenyan officials said Monday, June 16, 2014 that militants wielding automatic weapons attacked the small Kenyan coastal town of Mpeketoni, about 100 kilometers (60 miles) from the Somali border, late Sunday night as town residents watched World Cup matches on TV, assaulting the police station, setting two hotels on fire, spraying bullets into the street, and killing dozens of people. (AP Photo/Farah Abdi Warsameh, File)

Somalische Soldaten der Al-Shabaab-Miliz. Bild: Farah Abdi Warsameh/AP/KEYSTONE

Zahlreiche Anschläge

In Kenia wurden in jüngster Zeit immer wieder Anschläge verübt. Die Al-Shabaab kämpft seit Jahren für einen Gottesstaat am Horn von Afrika, der sich am «Heiligen Krieg» (Dschihad) beteiligen soll.

Ihre Heimat ist Somalia, doch schlagen die Kämpfer auch jenseits der Grenzen zu - auch in Kenia. Das ostafrikanische Land hat in Somalia Truppen stationiert, die gegen Al-Shabaab kämpfen. Die Miliz fordert deren Abzug. Ein Kommando der Islamisten hatte im September 2013 ein Einkaufszentrum in Nairobi überfallen; mehr als 60 Menschen wurden getötet.

Tourismussektor stark beeinträchtigt

Auch an der bei Touristen beliebten Küste am Indischen Ozean hatten die Islamisten in den vergangenen Monaten immer wieder kleinere Anschläge verübt. Der für die Wirtschaft des ostafrikanischen Landes wichtige Tourismussektor ist seither stark eingebrochen.

Innenminister Joseph Ole Lenku sagte am Montag, die Sicherheitsvorkehrungen seien im ganzen Land angesichts der «abscheulichen Tat» verstärkt worden.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) weist auf seiner Internetseite bereits seit einem Monat auf die Terrorgefahr in Kenia hin. Reisende sollten besonders auf öffentlichen Plätzen, in der Umgebung von diplomatischen Vertretungen und Regierungsgebäuden, an Veranstaltungen und an von Ausländern besuchten Orten Vorsicht walten lassen, heisst es. (lhr/sda/reu/dpa)

Al-Shabaab-Miliz

Die islamistische al-Shabaab-Miliz führt im Bürgerkriegsland Somalia seit Jahren einen blutigen Kampf gegen die Regierung. Soldaten der kenianischen Armee beteiligen sich seit dem Jahr 2011 an einem Einsatz der Afrikanischen Union gegen die Miliz. Seitdem häufen sich die Anschläge in Kenia. Die Islamisten mit Verbindungen zum al-Qaida-Netzwerk bekannten sich unter anderem zu einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in Nairobi, bei dem im vergangenen September 67 Menschen getötet wurden. Im Mai töteten Kämpfer der Miliz in nördlich der Küstenstadt Mpeketoni zwei Soldaten. (sda)



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