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Threema, Signal und Telegram profitieren von Diskussion um neue WhatsApp-AGB. bild: threema

WhatsApp ändert seine AGB: Threema, Signal und Telegram gehen nun durch die Decke

WhatsApp aktualisiert seine Nutzungsbedingungen. Befürchtungen, dass mit den geänderten AGB künftig noch mehr persönliche Daten mit Facebook geteilt werden, führen zu einem Boom alternativer Messenger-Apps.



Die Schweizer Messenger-App Threema profitiert von den Diskussionen um die neuen Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien des Platzhirschen WhatsApp. Während viele Nutzer der Facebook-Tochter die App von ihren Geräten löschen, steigen die Downloadzahlen der kostenpflichtigen Threema-App rasant an. Auch die Gratis-Alternativen Telegram (Russland) und Signal (USA) legen deutlich zu.

«Die Zahl der Downloads hat sich seit dem vergangenen Donnerstag etwa verfünffacht», sagte Threema-Sprecher Roman Flepp am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. «Normalerweise liegen sie bei einigen Tausend pro Tag, jetzt bei mehreren Zehntausend.»

Signal, Telegram sowie Threema bei den kostenpflichtigen Apps dominieren seit Tagen die App-Stores.

Im Oktober 2020 bezifferte Threema mit knapp 30 Mitarbeitenden die Zahl der Nutzer auf rund 8 Millionen. Auf die Unternehmenslösung Threema Work entfallen davon mehr als 2 Millionen in rund 5'000 Unternehmen, Behörden, Verbänden und Schulen, wie es weiter hiess. Zu den Kunden zählen etwa auch Schweizer Bundesbehörden, Bosch, Daimler oder Lehrkräfte des Landes Baden-Württemberg.

Im Vergleich zu WhatsApp und Telegram ist Threema weiterhin ein Zwerg. Die Facebook-Tochter WhatsApp hat weltweit mehr als 2 Milliarden Nutzer (Stand Februar 2020) und Telegramm 500 Millionen. Letztere meldete mehr als 25 Millionen Neuregistrierungen in den vergangenen 72 Stunden.

Auch der nicht-kommerzielle US-Anbieter Signal mit rund 10 Millionen Nutzern verbuchte zuletzt einen starken Anstieg der Download-Zahlen, der von einem Tweet von Tesla-Chef Elon Musk noch verstärkt wurde. Die App-Downloads sollen sich gegenüber der Vorwoche um den Faktor 43 erhöht haben.

Am Donnerstag veröffentlichte Signal auf Twitter einen Screenshot, der zeigt, dass die App im Google Play Store die Marke von 50 Millionen Downloads überschritten hat.

Auslöser des WhatsApp-Exodus sind offenbar Befürchtungen, dass mit den geänderten AGB künftig viele persönliche Daten mit anderen Facebook-Unternehmen geteilt werden. Die Nutzer müssen die neuen Bedingungen bis zum 8. Februar akzeptieren (siehe Video).

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Video: watson/jah

Threema wirbt damit, dass sich der Dienst auch komplett anonymisiert nutzen lässt und weder Mobilnummer noch Email-Adresse nötig sind. Bei der Sicherheit wird neben der Verschlüsselung auch gerne auf den Standort der Server in der Schweiz verwiesen. Im Unterschied zu den Wettbewerbern muss man beim Download der App für Android oder iOS aber zahlen, derzeit 3 Franken. «Wenn Sie nicht für ein Produkt bezahlen, sind sie selbst das Produkt», lautet ein Motto von Threema.

Allerdings können Apps auch gratis sein und trotzdem die Privatsphäre der User wahren, wie dies Signal vormacht. Die kostenlose App ist für iOS und Android verfügbar, kann aber auch auf dem PC genutzt werden. 2018 stellte der WhatsApp-Gründer Brian Acton, der später harsche Kritik an Facebook übte, 50 Millionen Dollar zur Verfügung, um die Signal Foundation zu gründen. Die Non-Profit-Organisation betreut die Entwicklung des quelloffenen Messengers, der etwa von NSA-Whistleblower Edward Snowden empfohlen wird.

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Threema will über deutschsprachigen Raum hinaus wachsen

Im September 2020 war der deutsche Finanzinvestor Afinum bei dem Unternehmen mit Sitz in Pfäffikon, Schwyz, eingestiegen. Die vom Investor bereitgestellten Ressourcen sollen helfen über den deutschsprachigen Raum hinaus zu wachsen und Freiräume für «visionäre neue Ideen und Projekte» zu eröffnen, wie es hiess. Zudem wurde mit der Threema Holding AG in Zürich eine Dachgesellschaft gegründet. Das soll mehr Flexibilität etwa beim Thema Mitarbeiterbeteiligung schaffen. Die drei Gründer und Entwickler führen das Unternehmen weiterhin und bleiben mit einem «wesentlichen Anteil» an der Gesellschaft beteiligt.

Bereits in der Vergangenheit hatte Threema von Sorgen um die Datenverwendung bei WhatsApp profitiert, so etwa im Frühjahr 2014 als der amerikanische Kurznachrichtendienst von Facebook für rund 19 Milliarden Dollar übernommen wurde. Der Name der Firma leitet sich aus dem ursprünglichen Namen der Anwendung ab, die einmal EEEMA (End-to-End Encrypted Messaging Application) hiess.

(oli/sda/awp)

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