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Bild: Spar.at

Foodporn ist anders

25 Schweizer Menüs aus deiner Jugend, die deine Kinder schon nicht mehr kennen werden

oliver baroni

Wann hast du zum letzten Mal Pastetli mit Brätkügeli gekocht? 

Oder zum letzten Mal Gästen ein festliches Partyfilet aufgetischt? 

Und wie viele Restaurants kennt ihr, die Zigeunerschnitzel servieren?

Die Antworten lauten vermutlich: 1. Lang, lang ist's her. 2. Noch nie. 3. Mir kommt jetzt grad keins in den Sinn.

Zeiten ändern sich, Geschmäcker auch, und wenn man ganz ehrlich ist: Das ist auch gut so. Allzu sehr trauern wir dem «Sulzkuchen» nicht nach, denn das Green Curry beim Thai-Take-away ist nun mal schlicht und einfach leckerer.

Trotzdem: Gerichte aus der Kindheit werden immer wohlige Erinnerungen aufkommen lassen, weshalb wir hier eine Auswahl Schweizer Menüs von anno dazumal Revue passieren lassen, bevor sie endgültig in der Kloschüssel der Kochgeschichte verschwinden: Gerichte aus einer Zeit, als man der festen Überzeugung war, «Paprika edelsüss» sei «rassig», auf ein asiatisches Gericht gehöre stets eine gebratene Banane und frische Kräuter wären höchstens als Tellerdekoration zu benutzen. En Guete! 

1. Riz Casimir

riz casimir schweizer food retro 1970er http://www.citygourmet.pro/contents/de-ch/d2.html

(Rezept hier) Bild: City Gourmet Pro 

So stellte sich die Schweiz den Fernen Osten vor: Eine Art Zürcher Geschnetzeltes an milder Curry-Rahmsauce. Und damit das Ganze so richtig, richtig asiatisch rüber kam, fügte man ein paar exotische Früchte hinzu: Banane (gebraten), Ananas (aus der Büchse) und eine Cocktail-Kirsche auf einem Sahnehäubchen. Ab 1952 stand dieses Gericht auf der Speisekarte der Mövenpicks-Restaurants. Noch in den Neunzigerjahren war es Standard in Schweizer Gaststätten. Heute sucht man es vergeblich. Zeit für ein Revival dieses urschweizerischsten aller Nachkriegsmenüs!

1.1. Riz Colonial, die weniger beliebte Variante

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Riz Colonial stand in den Siebzigerjahren auf der Menükarte meistens gleich hinter die Riz Casimir, wurde aber viel seltener bestellt. Ähnlich in der Zubereitung, nur enthält Riz Colonial oftmals Fischfilets, Peperoni und Rosinen.  (Rezept hier) Bild: Richis Rezeptesammlung  

2. Partyfilet

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(Rezept hier) Bild: La Mia Cucina

Diese Betty-Bossi-Erfindung, 1977 erstmals dem breiteren Publikum präsentiert, verbreitete sich pandemisch über die Schweiz: Schweinefilet-Medaillons, in Bratspeck gewickelt und mit Aromat, weissem Pfeffer und dem obligaten «Paprika edelsüss» bestreut. Dazu noch eine Sauce aus Rahm, Ketchup und Cognac. Das schreit doch förmlich nach Party!



3. Dessertrouladen allüberall

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(Rezept hier) Bild: Oh Sweet Day

Die klassische Dessertroulade wird wohl nie ganz aussterben. Doch die Allgegenwärtigkeit, die sie in den Siebziger- und Achtzigerjahren genoss, wird nicht so schnell zurückkehren. Unseren Kindern sind da Brownies oder Donuts geläufiger.

4. Pastetli mit Brätkügeli

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Bild: Migipedia

Die knusprigen Pastetli mit der sämiger Brätkügeli-Champignon-Sauce ist eines dieser Gerichte, die heute fast nur noch in Konzernkantinen und Uni-Mensen erhältlich sind. Selbst unsere Grossmütter trauen dem merkwürdigen Fleischverarbeitungs-Derivat aus der Büchse nicht mehr so recht über den Weg.

5. Fleischvögel

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(Rezept hier) Bild: Anonyme Köche

Heute nennt man sowas Involtini. Und man ist von der interessanten Idee weggekommen, dass ein gerolltes Fleischplätzli am besten mit Fleisch (Specktranche) und nochmals Fleisch (Brät) zu füllen wäre. Lecker ist's vielleicht, doch dieses Traditionsgericht verschwindet immer mehr aus der Schweizer Küche, denn die Vorbereitung ist aufwändig: Weil die Vögel nach dem Anbraten ewig im Bier- oder Fleischsud schmoren müssen, greift mancher eidgenössische Koch lieber zur Saltimbocca. 

6. Arbeiter-Cordon-Bleu

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(Rezept hier) Bild: Betti Bossi

Die gelungene Kombination von Fett (Cervelat) mit Fett (Käse) und Fett (Speck). Mmh, wer hat gerade Lust? Du auch nicht?

7. Zigeunerschnitzel

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(Rezept hier) Bild: Chefkoch.de

Lag das Schnitzel unter einer Sauce aus Büchsen-Peperoni begraben, nannte man dies «nach Zigeunerart». Denn diese armen Kinder der Landstrasse, hach, die können einfach nicht genug von dem Paprikazeugs bekommen, oder?

8. Toast Hawaii

(Rezept hier) Bild: WikiCommons

Was, bitte sehr, soll an einem schlichten Schinken-Käse-Toast falsch sein? Glaubt da wirklich jemand, durch das Hinzufügen einer Scheibe Büchsenananas und einer Cocktailkirsche sei das Mahl verbessert worden? Offenbar entstammt dieses Rezept der deutschen Küche der Fünfzigerjahre, wo überzuckerte Ananasscheiben einen Hauch einer schöneren, exotischen Welt unter Palmen versprach. Wie Hawaii irgendwie.

8.1. Toast Williams

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Die «europäischere» Variante hiess Toast Williams: Hier kam etwas Speck, eine halbe Birne aus der Büchse mit Käse aufs Brot (Bild), bevor es im Ofen überbacken wurde. Wahlweise durfte das Brot zuvor in Weisswein oder – yeah! – Williams getränkt werden. (Rezept hier) Bild: Kochbar

9. Adrios

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(Rezept hier) Bild: WikiCommons

Schweinenetz – so nennt man diese adrige Einwickelung. Und, ja: Es ist aus dem Bauchfell eines Tiers. Der Inhalt: Brät und etwas Schweins- oder Kalbsleber. Daran gibt es nichts auszusetzen, aber den Massengeschmack trifft es schon lange nicht mehr, ebensowenig wie...

10. Kutteln an Tomatensauce

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(Rezept hier) Bild: Essen & Trinken

Es ist ja an sich löblich, dass, wenn man schon ein so schönes Tier wie ein Kalb, Schwein oder Lamm schlachtet, dann gefälligst auch so viel wie möglich davon verwertet. Dazu gehören selbstverständlich die Innereien, die unter Gourmets ohnehin als die wahren Delikatessen gelten. Doch Otto Normalverdrücker, der heute eine grössere Auswahl an zugänglicheren Fleischstücken vorfindet, mundet's nicht mehr so sehr.

11. Rinderzunge

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(Rezept hier) Bild: WikiCommons

Mit Zunge verhält es sich ähnlich. Letztlich mögen die Wenigsten etwas essen, das jemand anders vorher schon im Mund gehabt hat.

12. Tomatenreis

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(Rezept hier) Bild: Eat Smarter

Nicht ganz Risotto, nicht ganz Trockenreis, sondern ein halbherziges, pampiges Zwischending, das in den Sechziger- und Siebzigerjahren öfter auf dem Tisch stand.

13. Rheintaler Ribel

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(Rezept hier) Bild: WikiCommons

Ribel gehören vielleicht nicht ganz in diese Liste, ist das Gericht doch das klassische Arme-Leute-Essen des Rheintals; etwas Urtümliches, das nicht so recht zwischen Riz Colonial und Toast Hawaii passen will. Doch manch eine Ostschweizer Grosi ass Ribelmais – eine Art trockene Polenta, die man gerne mit etwas Zucker und Zimt beträufelte und mit Apfelmus genoss – zum Znacht und die Reste dann im Morgenkaffee. Heute hat nicht einmal das Restaurant, das sich Ribelhof nennt, sowas auf der Karte.

14. Crevettencocktail

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(Rezept hier) Bild: Sainsburys

1979 war das der Inbegriff von Luxus: Aufgetaute Crevetten, in eine Ketchup-Mayonnaise-Sauce getränkt. Heute sucht man das Gericht in Toprestaurants vergeblich, und es wird auch bei der Einladung zum Nachtessen bei der Familie des Geschäftskollegen nie serviert. Langsam wäre es Zeit für ein Revival! Spitzenköche wie Jamie Oliver und Co. liefern uns bereits das Rezept dazu, diesmal mit richtiger Mary-Rose-Sauce!

15. Sulzkuchen

(Rezept hier) Bild: Chefkoch.de

Früher ass man sowas. Schaut euch das mal an. Schaut ruhig mal hin.

Foodporn mit Foodie – mit dieser App würde vielleicht sogar Sulzkuchen lecker aussehen (oder auch nicht):

16. Dampfnudeln mit Vanillesauce

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(Rezept hier) Bild: Das Trüffelschwein

Aus Österreich und Bayern kam diese Mehlspeise... und hat sich seit geraumer Zeit auch wieder dorthin zurück verzogen.

17. Risibisi

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(Rezept hier) Bild: Minna's Cooking Blog

Risibisi hingegen kam aus Norditalien, wo es unter Zugabe von Prezzemolo und Parmesan als Risottovariation genossen wurde und wird. In der Schweiz angelangt, verlor es die sämige Weissweinnote und etablierte sich als Kindermenü. Ab und an wird es in Kindertagesstätten heute noch gekocht. Und siehe da: Die Kids mögen es.

18. Fotzelschnitte

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(Rezept hier) Bild: Rabanada

Die schweizerische Version von French Toast (der übrigens nicht französisch ist): Eine super Sache, die leider immer seltener anzutreffen ist.

19. Fruchtsalat frisch aus der Büchse

Es gab eine Zeit, da waren Bananen exotisch. Pfirsiche waren ein Luxus, den es nur im überteuerten Marinello während kurzer Sommerwochen gab, Passionsfrucht kannte man nur als Geschmacksnote der Passaia-Limonade und Kiwis existierten schlicht und einfach noch nicht. Und einen Fruchtsalat zuzubereiten, ging so: Man fügte einer Büchse «Tropical Fruchtcocktail» ein paar Apfelschnitze bei.

Und wenn wir schon bei Dosen sind...

20. Büchsenravioli

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Bild: Migipedia

Da können noch so viele Hipster in einem Anflug von postmoderner Ironie verkünden, «Also ich hab Ravioli aus der Büchse gern!». Kommt, ihr wollt doch nur angeben. Denn: Objektiv betrachtet ist dieser Favorit der Militärfeldküche seit je her ein Unding. Jeder, der mal in Italien war und in einer halbwegs anständigen Beiz halbwegs anständige Ravioli gegessen hat, weiss, dass das mediterrane Original besser als dieses Fertigmenü aus weichgekochten Teigwaren in süsser Tomatensauce ist. In einer Zeit, in der jede Coop-Filiale die leckere Frischpasta von Giovanni Rana anbietet, ist die Daseinsberechtigung der Schweizer Pastadose ohnehin mehr als fragwürdig.

21. Schleimsuppe

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(Rezept hier) Bild: Marions Kochbuch

Die Haferschleimsuppe wurde von unseren Grosis als patentes Mittel gegen Magenbeschwerden gepriesen. Geschmeckt hat sie uns deswegen noch lange nicht.

22. Gefüllte Äpfel

Äpfel, gefüllt mit Hackfleisch, auf Sauerkraut im Ofen überbacken: Ein perfektes Menü für kalte Wintertage. Heute ist bildlich gesprochen nur noch Sommer.

23. Apfelrösti

Bild

(Rezept hier) Bild: Fräulein Anders

Kaum jemand kocht noch Apfelrösti – dabei ist sie hervorragend, um hart gewordene Brotreste und schrumpelig gewordene Äpfel zu verwerten. Mit etwas Zucker und Zimt mit Butter angebraten – die Quintessenz des Schweizer Bauerntums!

24. Blanc-manger

Aus der anderen gesellschaftlichen Ecke kommt dieses Dessert, das einem bis in den Siebzigerjahren vorzugsweise in schicken Hotels und bei der vornehmen Tante zuhause angeboten wurde. Heute haben Panna cotta, Crema catalana und Crème brûlée diesem französischen Dessert mit Mandelnote den Garaus gemacht.

25. Und schliesslich alles, was aus diesem merkwürdigen Ding namens Römertopf kam

Bild

(Rezept hier) Bild: WikiCommons

Es gab eine Zeit, da versuchten die Hausfrauen Mitteleuropas ihre Sippschaft davon zu überzeugen, dass der Römertopf – gewissermassen der Steamer der Siebziger – eine gute Idee sei. Die Kinder und Ehegatten waren wenig begeistert. Obiges Bild sagt schon alles: Das Hähnchen war leider nicht so lecker knusprig wie das aus dem Ofen. Und Fleisch und Gemüse, die man auf konventionelle Art stundenlang mit Bratensaft begoss, waren ebenfalls geschmacksintensiver als das wässrige Zeugs, das der Römertopf hergab.

Und so schnitten die Menüs aus unserer Kindheit ab

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    Alle Leser-Kommentare
  • lozzol 09.02.2017 15:36
    Highlight Highlight Also ich esse gerne ravioli aus der dose ..aber ich mag auch labrigen salat also mein geschmack ist schon sehr speziell 😊kalte pizza kalte lasagne etc ...hihihihi ou ja und der römertopf ist echt praktisch und man kann feine sachen drin machen ..mann muss halt kochen können 😆
  • nullpflock 05.11.2016 22:44
    Highlight Highlight Apfelrösti koche ich sicher einmal pro Monat
  • Atomicgarden 05.11.2016 19:27
    Highlight Highlight Yeah, toast hawaii!
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