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Jerusalem

Hunderttausende ultraorthodoxe Israelis demonstrieren gegen Wehrpflicht



Hunderttausende ultraorthodoxe Israelis haben am Sonntag in Jerusalem gegen ihre geplante Einbeziehung in die Wehrpflicht protestiert. Es handelte sich um eine der grössten Demonstrationen in der israelischen Geschichte.

Mit Mahngebeten auf den Strassen demonstrierten sie gegen einen Gesetzentwurf, der eine gerechtere Verteilung der Wehrpflicht in Israel regeln soll. Das israelische Parlament soll das umstrittene Gesetz noch in diesem Monat billigen.

Hundreds of thousands of ultra-Orthodox Jews rally in a massive show of force against plans to force them to serve in the Israeli military, blocking roads and paralyzing the city of Jerusalem, Sunday, March 2, 2014. The widespread opposition to the compulsory draft poses a challenge to the country, which is grappling with a cultural war over the place of the ultra-Orthodox in Israeli society. With secular Jews required to serve, the issue is one of the most sensitive flashpoints between Israel's secular majority and its devout minority. (AP Photo/Ariel Schalit)

Bild: AP

Strengreligiöse Juden verweigern in der Regel den Armeedienst mit der Begründung, er erschwere ihnen die Ausübung ihres Glaubens. In der Armee gibt es etwa keine Trennung zwischen Männern und Frauen, und es gibt häufig Einsätze am Samstag, für religiöse Juden ein heiliger Ruhetag. Mehrere tausend tiefreligiöser Männer dienen allerdings schon in speziellen Einheiten in der Armee.

Hohe Geburtenrate in ultraorthodoxen Familien

Vor zwei Jahren hatte Israels höchstes Gericht entschieden, dass die Freistellung tiefreligiöser Juden vom Militärdienst verfassungswidrig ist. Die Regelung stammte aus der Zeit der Staatsgründung 1948. Damals gab es jedoch nur 400 solcher Fälle pro Jahr. Die Geburtenrate in ultraorthodoxen Familien liegt jedoch wesentlich höher als in westlich geprägten, weniger religiösen Teilen der Bevölkerung.

Heute liegt die Zahl der ultraorthodoxen Männer, die vom Wehrdienst befreit sind, nach Angaben der Zeitung "Jediot Achronot" schätzungsweise schon bei 60'000 bis 70'000. An dem Streit über die Wehrpflicht war im Jahre 2012 die grosse Koalition des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zerbrochen.

An ultra-Orthodox Jewish man looks down from a rooftop at a mass prayer in Jerusalem March 2, 2014. Hundreds of thousands of ultra-Orthodox Jews held a mass prayer in Jerusalem on Sunday in protest against a bill meant to slash military exemptions granted to seminary students, a tradition held since the founding of Israel. REUTERS/Darren Whiteside (JERUSALEM - Tags: POLITICS RELIGION MILITARY)

Bild: EPA

Der Gesetzesentwurf sieht jetzt vor, dass die Wehrpflicht schrittweise auch auf ultraorthodoxe Männer ausgeweitet wird. In diesem Jahr sollen zunächst 3800, 2015 dann 4500 und 2016 5200 strengreligiöse Rekruten eingezogen werden. Erst von Juli 2017 an soll sie für alle ultraorthodoxen Männer im wehrpflichtigen Alter gelten, doch auch dann gibt es noch Ausnahmen.

Frauen und Männer demonstrieren separat

Besonderen Zorn in strengreligiösen Kreisen löste die Drohung mit Haft für Dienstverweigerer aus. Viele Ultraorthodoxe erkennen an, dass die bisherige Regelung ungerecht ist, und sprechen sich dafür aus, dass in Israel eine Berufsarmee nach europäischem Vorbild geschaffen wird.

Zahlreiche schwarz gekleidete Männer drängten sich am Nachmittag vor allem an der zentralen Einfahrt nach Jerusalem. Sie trugen Spruchbänder mit Aufschriften wie "Rette mich vor meinem Bruder". Frauen durften auf Beschluss der ultraorthodoxen Rabbiner in getrennt zugewiesenen Strassen Mahngebete sprechen. Nach Medienberichten verbrannten mehrere wütende Demonstranten Reifen. Zwölf Menschen seien bei Konfrontationen leicht verletzt worden.

«Rückkehr des Zionismus»

Vor der Grossdemonstration hatte die Polizei in Jerusalem ihre Präsenz verstärkt. 3500 zusätzliche Sicherheitskräfte waren im Einsatz, wie Polizeisprecher Micky Rosenfeld mitteilte. Es kam zu erheblichen Verkehrsbehinderungen, zahlreiche Strassen in und nach Jerusalem waren gesperrt.

Eine der treibenden Kräfte des heftig umstrittenen Gesetzesentwurfs ist der Vorsitzende der Zukunftspartei, Finanzminister Jair Lapid. Er sprach im vergangenen Monat nach der Billigung des Entwurfs durch einen Ministerausschuss von der «Rückkehr des Zionismus» und der «Korrektur einer historischen Ungerechtigkeit». (sda/dpa/afp)

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