Aargau
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8-Jährige tot gefahren: Raser von Nesselnbach AG muss 1 Jahr ins Gefängnis

14.12.17, 16:24

Der Unfallwagen Bild: KANTONSPOLIZEI AARGAU

Ein 24-jähriger Mann, der vor etwas mehr als einem Jahr in Nesselnbach AG ein achtjähriges Mädchen totgefahren hatte, ist vom Bezirksgericht Bremgarten zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt worden.

Das Bezirksgericht befand den Mann am Donnerstag der fahrlässigen Tötung schuldig. Der Mann muss 12 Monate ins Gefängnis. Die weiteren 18 Monate wurden bedingt auf 3 Jahre ausgesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Unfall hatte sich am 12. September 2016 um die Mittagszeit ereignet. Der Autofahrer war ausserorts auf der kurvenreichen Strasse zwischen Niederwil und Nesselnbach unterwegs gewesen. Auf dem parallel zur Strasse verlaufenden, abgetrennten Rad- und Fussweg befanden sich mehrere Kinder auf dem Heimweg nach Nesselnbach.

In einer Rechtskurve verlor der Autofahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug. Er schleuderte über die Strasse auf den Rad- und Fussweg und traf ein achtjähriges Mädchen mit voller Wucht. Dieses war sofort tot. Ein neunjähriger Knabe konnte sich mit einem Sprung in letzter Sekunde in Sicherheit bringen.

Wäre ihm dies nicht gelungen, hätte er das selbe Schicksal erlitten, wie das Mädchen, legte die Staatsanwaltschaft vor Gericht dar. Der Angeklagte, der zum Zeitpunkt des Unfalls erst vier Monate im Besitze des Fahrzeugausweises war, verweigerte vor Gericht jegliche Aussage.

Raser kannte die Strecke

Die Staatsanwaltschaft stellte den ortskundigen Angeklagten als verantwortungslosen Raser dar, der mit seinem Tempoexzess bewusst das Leben anderer aufs Spiel gesetzt habe. Die Anklage stützte sich auf ein Gutachten, das zum Schluss gekommen war, dass der Mann zwischen 103 und 115 km/h schnell unterwegs gewesen war.

Wäre er nur 71 km/h schnell gefahren, wäre es zu keinem Unfall gekommen, zitierte der Staatsanwalt aus dem Gutachten weiter. Er verlangte vom Gericht eine Verurteilung wegen eventualvorsätzlicher Tötung und eine Freiheitsstrafe von acht Jahren.

Als Eventualantrag stellt die Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung und Gefährdung des Lebens zur Diskussion. Der Verteidiger hingegen verlangte, dass sein Mandant wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeuges verurteilt wird. Als Strafe erachtete er 90 Tagessätze einer noch zu bestimmenden Summe als angemessen.

Der Verteidiger trat den Raservorwürfen des Staatsanwaltes mit einem eigenen Video entgegen, mit dem er die Fahrt nachstellte. Damit versuchte er aufzuzeigen, dass es möglich war, den Unfallbereich auch mit einer höheren Geschwindigkeit als 71 km/h zu durchfahren.

Andererseits argumentierte der Verteidiger, dass der Mann schon in der ersten Kurve geradeaus gefahren wäre, wenn er mit dem vom Gutachten errechneten Tempo von 103 bis 115 km/h unterwegs gewesen wäre.

Die effektive Geschwindigkeit zum Zeitpunkt des Unfalls sei deshalb nicht nachweisbar, meinte der Verteidiger. Vielmehr habe der Mann, der als Bäcker arbeitet, bei der Heimfahrt am Mittag einen Sekundenschlaf erlitten und dabei die Herrschaft über sein Fahrzeug verloren. (sda)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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15
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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hiker 15.12.2017 14:41
    Highlight Menschen die mit solchen Geschwindigkeiten unterwegs sind sollten nie wieder Autofahren dürfen. Das wäre die einzige abschreckende Strafe die diesen rücksichtslosen Idioten angemessen wären. Ich will mir nicht vorstellen ein eigenes Kind auf diese Weise zu verlieren. Mein tiefempfundenes Beileid den Eltern und Angehörigen.
    8 0 Melden
  • Gustav.s 15.12.2017 00:30
    Highlight Was bekam eigentlich der Motoradfahrer der mit ca 180 im 60er auch im Aargau erwischt wurde?
    Die Verhandlung war ja fast gleichzeitig!?
    2 0 Melden
  • coheed 14.12.2017 21:14
    Highlight Eine lächerliche Strafe...
    12 4 Melden
  • PhiLem 14.12.2017 19:42
    Highlight 1 Jahr für Mord? Nice 😝
    Danke an die Raserlobby
    38 26 Melden
    • andrew1 14.12.2017 21:14
      Highlight Mord ist der völlig falsche ausdruck. Bei fahrlässiger tötung gibt es zudem meist nur bewährungsstrafen. Ein verkehrsunfall passiert sehr schnell. Zudem war es unglaubliches pech das gerade dort jemand gestanden hat. Gibt es täglich das autos über die fahrbahn hinausschlittern nur geht es meist Glücklicherweise glimpflich aus.ich bin mit dem motorrad auch schon erschrocken. Innerorts brav mit 40 kmh unterwegs und plötzlich eine enge rechtskurve um ein haus herum auf der hauptstrasse. (Eher eine ecke) fuhr dann zwangsläufig gerade aus. Zum gluck war dort gerade eine nebenstrasse :😓 wow
      9 9 Melden
    • Wilhelm Dingo 15.12.2017 06:11
      Highlight @andrew1: ja Unfälle passieren, auch schlimme. Dafür soll man nicht 20 Jahre ins Gefängnis. Wenn jemand aber ABSICHTLICH rast sieht es anders aus, der Raser nimmt Tote und Verletzte ABSICHTLICH in Kauf. Das muss hart bestraft werden.
      10 3 Melden
  • C-Cello 14.12.2017 18:28
    Highlight Für Richter und Politiker scheint ein Menschenleben nicht viel wert zu sein. Der Mann wird belohnt mit 12 Monaten Gefängnis. Lächerlich, wie würde ein Richter entscheiden wenn es sein Kind trifft?
    59 20 Melden
    • Simon h 15.12.2017 00:07
      Highlight Gar nicht, da ein Richter dann in den Ausstand treten müsste.
      2 1 Melden
    • C-Cello 15.12.2017 14:57
      Highlight @Simon h
      ... das weiss ja jeder!!! Trotzdem - Gefühl, Opfer, Angehörige, Menschlichkeit ...?
      2 0 Melden
  • N. Y. P. 14.12.2017 17:45
    Highlight Der Staatsanwalt forderte eine Verurteilung wegen eventualvorsätzlicher Tötung und eine Freiheitsstrafe von acht Jahren.

    Das ist exakt die Strafe, die ich für angemessen gehalten hätte.

    Langsam gehen mir diese Raserurteile gehörig auf den Sack. Der Angeklagte rast mit 110 km/h in kurvenreicher Strecke. Und tötet ein Kind.

    Jetzt geht er geht 1 Jahr ins Wellness und die Sache ist für ihn gegessen. Und die Eltern sollen selber schauen, wie sie mit dem Verlust klarkommen.

    80 14 Melden
  • Wilhelm Dingo 14.12.2017 16:49
    Highlight "teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten", für das fahrlässige Töten eines Kindes, es ist einfach nur lächerlich. Und der Bundesrat möchte die Raserstrafen ja gerne wieder lockern...
    195 31 Melden
    • REM 14.12.2017 18:49
      Highlight Mein Kind
      Stelle mir nur vor das wäre mein Kind gewesen ...

      Selbstjustiz lässt grüssen .....
      28 20 Melden
    • Datsyuk 14.12.2017 18:55
      Highlight Ja, diese Strasse ist für mich auch nicht nachvollziehbar. Den Realitätsbezug haben viele Autofahrer verloren.
      15 11 Melden
    • Wilhelm Dingo 15.12.2017 05:58
      Highlight @REM: den Gedanken hatte ich auch.
      0 0 Melden
    • User01 15.12.2017 06:59
      Highlight Dein Beitrag ist eher ein Argument gegen das Rasergesetz. Da er "nur" 115km/h fuhr, fällt er noch nicht in die Kategorie "Raser", denn dafür müsste er ausserorts mindestens 140km/h gefahren sein. Jetzt siehst du also, wie lächerlich diese Strafe ist, hat er doch ein Menschenleben auf dem Gewissen und doch wird er nicht so hart bestraft, wie wenn er "nur" gerast und nichts passiert wäre.
      2 0 Melden

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