Abstimmungen 2015

Die Resultate in den Kantonen mit Update in Echtzeit, sobald die Resultate bekannt sind.  watson

Volk und Stände schicken GLP-Energiesteuer deutlich bachab

Das historisch deutliche Nein zur GLP-Initiative «Energie- statt Mehrwertsteuer» ist für die Initianten eine herbe Enttäuschung. Die SVP forderte, der Bundesrat müsse nun bei der Energiewende über die Bücher gehen. Für die anderen Parteien ist die Idee von Steuern auf «dreckige» Energie indes nicht vom Tisch. 

08.03.15, 11:42 08.03.15, 17:37

Für GLP-Präsident Martin Bäumle ist das Abstimmungsergebnis eine «Riesenenttäuschung». Die Initiative sei als zu radikal beurteilt worden, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Wir hatten ein Konzept, das sehr weitgehend war - zu weitgehend für die Bevölkerung. Das nehmen wir zur Kenntnis.» 

Einen Grund für das deutliche Nein sieht Bäumle darin, dass die Initiative die Abschaffung der Mehrwertsteuer verlangte. Auch die momentane Verunsicherung wegen der Frankenstärke habe eine Rolle gespielt. 

Dass die GLP wegen der Schlappe geschwächt in die eidgenössischen Wahlen im Herbst geht, glaubt Bäumle nicht. Die Abstimmung habe keinen Zusammenhang mit den Wahlen, sagte der Zürcher Nationalrat. 

«Unnötig kompliziert» 

Eine Niederlage mussten auch die Grünen einstecken, die als einzige Partei die GLP-Initiative unterstützt hatten. Diese gehe in die richtige Richtung, habe aber eine «zu radikale Änderung» vorgeschlagen und sei unnötig kompliziert gewesen, sagte Adèle Thorens, Co-Präsidentin der Grünen. 

Es sei durchaus möglich, vom Stimmvolk Unterstützung zu erhalten für eine Energiesteuer, «wenn das System einfach ist und das Geld zurückverteilt wird», zeigte sich Thorens überzeugt. Der Bundesrat will in Kürze seine eigenen Pläne vorstellen, wie das heutige Fördersystem durch ein Lenkungssystem ersetzt werden soll. 

«Kein Nein zur Energiewende» 

Auch die SP betonte, das Nein zur GLP-Initiative sei «kein Nein zu einer vernünftig ausgestalteten Energiesteuer und erst recht kein Nein zur Energiewende», wie sie schrieb. Energie aus nicht erneuerbaren Quellen gehöre besteuert, doch müssten die Erträge daraus an die Bevölkerung rückerstattet werden. 

Das Abstimmungsergebnis sei eine Warnung für Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf, sagte der Neuenburger SP-Nationalrat Jacques-André Maire. Die Vorschläge des Bundesrates müssten ganz anders sein als diejenigen der GLP. 

Die Pläne des Bundesrats dürften nicht zu radikal sein, forderte auch CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt (SO). Die wirtschaftlichen Ängste der Bevölkerung, die sich am Sonntag gezeigt hätten, müssten berücksichtigt werden. Der Genfer FDP-Nationalrat Hugues Hiltpold sagte, statt auf Strafen und Zwang müsse man auf Anreize setzen, um erneuerbare Energien zu fördern. Die BDP kündigte an, sich für ein «effizientes Lenkungssystem» einzusetzen. 

Denkpause gefordert 

Für die SVP hingegen ist nach dem deutlichen Nein klar: Der Bundesrat muss bei der Energiestrategie über die Bücher. Zusätzliche Abgaben seien nicht mehrheitsfähig, sagte SVP-Nationalrat Albert Rösti (BE). Der Bundesrat müsse nun bei der Energiewende eine Denkpause einlegen. 

Die Einführung eines Energielenkungssystems werde nicht einfacher nach dem Entscheid vom Sonntag, sagte Peter Hegglin, Präsident der kantonalen Finanzdirektoren (FDK). Er äusserte sich skeptisch gegenüber den Plänen des Bundesrats: «Das Steuerrecht soll meiner Ansicht nach nicht für alle gesellschaftspolitischen Ziele gebraucht werden.» 

Auch der Wirtschaftsdachverband economiesuisse und der Schweizerische Gewerbeverband (sgv) zeigten sich über das Abstimmungsresultat erfreut. Die Vernunft habe sich durchgesetzt, befand der sgv. Nach Ansicht von economiesuisse zeigt das Abstimmungsresultat, dass eine massive Verteuerung der Energie beim Stimmvolk keine Mehrheit findet. Economiesuisse befürworte den Wechsel zu einem Lenkungssystem im Grundsatz - allerdings müssten die Einnahmen vollständig an Haushalte und Unternehmen zurückverteilt werden. Auch müssten die heutigen Subventions- und Förderprogramme komplett abgebaut werden. (sda) 

Abstimmungssonntag im Liveticker nachlesen

Ticker: Abstimmungen vom 8. März 2015

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
19
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 09.03.2015 06:51
    Highlight Vielleicht sollte unsere Regierung mal aufhören, mit erfundenen und scheinheiligen Co2-Zielen den Leuten noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Dann hat die Energiewende in der Schweiz noch eine Chance vor den Stimmberechtigten.
    1 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.03.2015 20:58
    Highlight "deutlich bachab" sind für mich vielleicht 65% Nein-Stimmen. Diese Initiative wurde kläglich versenkt. Gab es überhaupt in der Geschichte der CH-Demokratie einen solchen Abschiffer?
    3 1 Melden
  • Zap 08.03.2015 20:51
    Highlight Diese Initiative war zu Radikal um akzeptiert zu werden und zu wässrig um ein Zeichen zu setzen, dass zum Denken anregt. Dennoch mir tut die GLP etwas leid, auch wenn ich mit der Partei nicht warm werde, finde ich den allgemeinen Spott unangebracht und infantil.
    1 1 Melden
  • oskar 08.03.2015 19:17
    Highlight definitiv kein ende der energiewende. diese ist zwingend. die initiative ging einfach viel zu weit und und barg grosse risiken
    2 4 Melden
    • tom99 08.03.2015 22:39
      Highlight zeig einfach wie hier nicht zuende gedacht wird... final das ende der energiewende, zurück zur umweltvertraeglichen atom energie. das ist der einzige weg der vernünftig ist, auch wenn ein paar dinge noch gelöst werden müssen. alles andere ist linke zwaengelei.
      2 2 Melden
    • oskar 09.03.2015 10:51
      Highlight genau, lös "die paar dinger" und die atomenergie kommt wieder in frage. toll wenn du das schaffst. bis dahin müssen wir uns aber zwingend neu orientieren
      1 0 Melden
    • oskar 09.03.2015 11:00
      Highlight und eine zwängerei ist wohl eher, wenn man ohne jegliche kenntnisse der materie, aus ideologischen gründen, immer wieder das ende einer aufgegleisten energiestrategie fordert (und ohne scham das märchen von der naturverträglichen atomenergie herumerzählt, dass seit den 70er jahren klar widerlegt ist)
      1 0 Melden
  • Rondi 08.03.2015 17:01
    Highlight Das Volk durfte noch nie über die Energiewende abstimmen. Das ist jetzt das Ergebnis davon. Eine Mehrheit möchte, dass Energie kein Luxusgut wird.
    7 4 Melden
  • Angelo C. 08.03.2015 15:41
    Highlight Alles ganz so wie erwartet - einzig eine derart zahlenmässig rekordverdächtige Ablehnung für die GLP-Initiative sucht ihresgleichen in der Geschichte schweizerischer Volksabstimmungen.
    16 0 Melden
  • sewi 08.03.2015 14:15
    Highlight Der heutige Tag ist der Tod der Energiewende. Der Oekofaschismus Bäumlerscher Prägung ist am Ende.
    20 33 Melden
    • The Destiny 08.03.2015 15:38
      Highlight @sewi

      Habe gehört die NAGRA hat herausgefunden dass unter deinem Haus hervorragende bedingungen für ein Endlager sind.

      Die Menschheit wäre so viel weiter wenn nicht immer ständig diese Gewinnmaximierung an oberster Priorität stehen würde.
      21 11 Melden
    • sewi 08.03.2015 16:35
      Highlight @The Destiny: ich kann den Zusammenhang nicht erkennen.
      8 4 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.03.2015 13:57
    Highlight Lustig dass die GLP nun dem hohen Frankenkurs die Schuld geben will. Natürlich war dieser für die Initiative nicht gerade förderlich. Aber gewiss nicht soviel, dass sie sonst eine Chance gehabt hätte. Für so ignorant hielt ich die GLP bis jetzt nicht. Schade eigentlich.
    23 1 Melden
    • LucasOrellano 08.03.2015 18:23
      Highlight Die Frankenstärke war ein Faktor, der uns vielleicht 5% gekostet hat, maximal. Wir wissen schon, dass es auch sonst nicht für ein Glanzresultat gereicht hätte. :)
      2 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.03.2015 13:18
    Highlight "zweitwuchtigst abgelehnte Initiative aller Zeiten" auch eine Leistung. Aber bei dieser kruden, viel zu radikalen und diffusen Initiative wäre alles andere als eine Ablehnung eine riesige Überraschung gewesen. Gut so wie es ist. Ich frage mich was die Verantwortlichen bei der GLP geraucht haben als sie diese Initiative konzipiert haben. Mit solchen radikalen Anliegen hat man bei Abstimmungen niemals eine Chance. Das hätte auch die GLP wissen müssen. Also probierts nochmals aber bitte mit realistischen Anliegen.
    26 3 Melden
  • MM 08.03.2015 13:11
    Highlight Manchmal ist Demokratie schon fragwürdig, wenn ich mir den (finanziellen) Aufwand hinter einer Energiesteuer-Initiative vorstelle.
    15 8 Melden
    • Gelöschter Benutzer 08.03.2015 13:25
      Highlight Die GLP hätte ihre finanziellen (die deutlich begrenzter sind als etwa bei einer SVP) und personellen Ressourcen besser in eine realistische Initiative gesteckt. Aber vermutlich gings einfach darum mal auf sich aufmerksam zu machen. So kommts mir jedenfalls vor.
      11 6 Melden
    • LucasOrellano 08.03.2015 18:26
      Highlight Wenn man immer nur bringt, was gerade mehrheitsfähig ist, ist man eine Windfahne. Wenn man zu seinen Ideen und Prinzipien steht, egal ob sie eine Chance haben, ists aber auch nicht okay? Wie man's macht ists falsch.
      3 2 Melden
    • MM 08.03.2015 21:07
      Highlight @LucasOrellano: Einverstanden. Aber in diesem Fall war das im Vornherein sowas von klar, dass sich dieser Aufwand schlicht nicht gelohnt hat. Einfach um Aufmerksamkeit zu erlangen... Naja, die GLP schadet sich ja offensichtlich mehr als dass es etwas gebracht hat.

      Und ja, ich bin für die Energiewende, auch wenn ich zu den 92% gehöre. Man geht den Umstieg aber besser anders an.
      1 0 Melden

Hauchdünnes Ja zum neuen Radio- und Fernsehgesetz

Ja zum Radio- und Fernsehgesetz (RTVG): Das Stimmvolk hat das neue Gebührensystem am Sonntag äusserst knapp angenommen, mit 50,08 Prozent. Weil das Schwarzhören und -sehen nicht mehr möglich ist, sinken die Gebühren. Die Diskussionen über den Service public indes werden weitergehen.

Das Resultat könnte als eines der knappsten in die Geschichte eingehen. Insgesamt stimmten rund 1'128'400 Personen Ja, rund 1'124'700 legten ein Nein in die Urne. Einige Tausend Stimmen gaben also den Ausschlag. 

Artikel lesen