Adolf Hitler
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Adolf Hitler outside the Berghof, his country retreat in the Obersalzberg of the Bavarian Alps, with Friedrich Bruckner in the background, circa 1944. (Photo by Popperfoto/Getty Images)

Adolf Hitler circa 1944 vor dem Berghof mit seinem Chefadjutant Wilhelm Friedrich Brückner (rechts). Bild: Popperfoto

Erinnerungen einer Zeitzeugin 

Hitlers Hausmädchen hatte Angst. Um ihre Haare und vor Vergewaltigung durch die «Neger»

28.04.14, 23:20 29.04.14, 09:34

Wir schreiben das Jahr 1943. In Europa tobt ein blutiger Krieg, den ein Österreicher vom Zaun gebrochen hat, der nun Diktator eines «Grossdeutschen Reiches» ist. Elisabeth Breinreich ist gerade mal volljährig und braucht Arbeit. Das zuständige Amt in Wels in Oberösterreich hat einen ganz besonderen Job in Bayern für sie.



Elisabeth Kalhammer (geborene Breinreich) erinnert sich im Gespräch mit den Salzburger Nachrichten. Screenshot: YouTube

Breinreich soll eines von 22 Mädchen werden, das in Hitlers Berghof am Obersalzberg die dreckige Wäsche des Despoten waschen soll. Elisabeth Breinreich, die heute 89 ist und seit ihrer Heirat Kahammer heisst, erinnert sich in Interviews mit den Salzburger Nachrichten an ihren Frondienst im Zentrum der nationalsozialistischen Macht.

Luxus anno dazumal: «Telefon, Waschbecken, alles drin»

Drei SS-Posten habe sie im Jahr 1943 passieren müssen, bis sie beim Haus angekommen war und sich der Verwalterin vorstellen konnte. «Sie hat gesagt, ich soll sofort kommen, weil das Haus jetzt total voll ist. Der Hitler war dort.» Kalhammer musste über Nacht bleiben.

Die junge Frau war vom Prunk der Mächtigen beeindruckt, denn für damalige Verhältnisse schlief sie luxuriös. «So ein schönes Zimmer! Da trau ich mich ja gar nicht zu schlafen», erinnert sich die Seniorin an ihre Gefühle. «Jesus! Telefon, Waschbecken, alles drin. Schön!»

Bilder des Berghofs, der in der Nähe der bayrischen Stadt Berchtesgaden liegt. Bild: AP

Bild: AP

1945 ist es vorbei mit dem Pomp. Bild: Popperfoto

Ihre Mutter war nicht erfreut über das neue Engagement. Kein Wunder: In Abwesenheit der Tochter war bereits die Polizei erschienen, um zu prüfen, ob Hitlers neue Helferin nicht vielleicht doch eine Gegnerin des Nationalsozialismus sei.

Several months after Hitler's 1933 appointment as Chancellor of Germany he purchased a house and land at Obersalzberg a mountainside retreat situated above the market town of Berchtesgaden in Bavaria, Germany, (Photo by: Universal History Archive/UIG via Getty Images)

Bild: Universal Images Group Editorial

Auf dem Arbeitsamt reagierte die Beamtin «entsetzt», als Kalhammer sagte, es sei zwar schön auf dem Berghof gewesen, aber ihre erste Wahl wäre der nicht. «Sie hat mir einen Vortrag gehalten: Tausende Mädchen wären froh, wenn sie die Chance hätten, dahin zu fahren.» Der Amtsleiter wisse auch schon Bescheid, sie müsse den Job annehmen.

Auf dem Berghof waren, wie sollte es anders sein, die Vorschriften besonders wichtig. «Es darf nichts aus dem Haus rauskommen. Also wehe, das wird schwerst bestraft. Man hat nur hören können, sagen durfte man nichts. Du hast auch niemanden fragen können, man hat Angst gehabt.»

Berghof-Wachenfeld, Obersalzberg, Germany, A picture of Adolf Hitler (1889-1945), the German fascist dictator, looking at picture books on the verandah with Field Marshall Hermann Goering  (Photo by Popperfoto/Getty Images)

Hitler mit Hermann Göring auf dem Berghof. Bild: Popperfoto

BAD GODESBERG, GERMANY - SEPTEMBER 16: British Prime Minister Neville Chamberlain arrives in Bad Godesberg to meet Adolf Hitler at his Obersalzberg Villa to Prepare The Munich Conference on September 16, 1938 in Bad Godesberg, Germany. (Photo by Keystone-France/Gamma-Keystone via Getty Images)

Als der damalige britische Premier Neville Chamberlain am 16. September 1938 nach Deutschland fährt, lässt ihn Hitler auf seinen Berghof kommen. Bild: Gamma-Keystone

Wie streng das Regime war, zeigt ein Beispiel: «Eines Tages wurde ich so zur Sau gemacht. Eine Freundin hat angerufen, ob ich mit ihr ins Kino gehe. Das Telefon stand am Gang. Ich sagte ihr, ich könne nicht, weil bei uns gerade ein Film gedreht werde.» Dass sie das preisgegeben hatte, brachte der jungen Frau eine Woche Ausgangssperre ein.

Eva Braun markierte die Hausherrin. «Sie war eine ganz Liebe. Sie hat immer nach den Mädels geschaut.» Die Berufskleidung der Haushälterinnen hatte die Führer-Freundin selbst entworfen: Eine schräge Knopfreihe zierte die Schürzen. «Als die Schneiderin fertig war, haben wir uns Frau Braun vorstellen müssen. ‹Heil, gnädiges Fräulein›, haben wir gesagt.» Die Braun habe immer zurückgegrüsst.

Ein Propagandaminister in seinem Element: Josef Göbbels spielt mit Hitler auf dem Obersalzberg den Kinderfreund. Bild: Universal Images Group Editorial

Der nationalsozialistische Fuehrer Adolf Hitler mit seiner Lebensgefaehrtin Eva Braun in einer undatierten Aufnahme. (KEYSTONE/AP Photo)

Nicht sehr intim: Hitler und Eva Braun. Bild: AP

Gegessen wurde spät, gearbeitet bis in den Morgen und geschlafen habe Hitler lange. Vor 14 Uhr sei er selten aufgestanden. Getrunken habe er nur lauwarmes Wasser. «Und schwerst Diät hat er gehalten.» 

Es sei denn, es gelüstete dem Massenmörder nach seinem «Führerkuchen»: «Es war ein Blechkuchen mit Apfelspalten, die haargenau in einer Reihe aufgestellt worden sind. Und dann mit Rosinen, Zimt und Nüssen. Um drei, vier in der Früh ist er oft noch gekommen, um ein Stück Kuchen zu essen.»

Am Ende war der Despot nur noch ein «armseliges Mandl»

Dass Kalhammer Hitler nie persönlich ansprach, lag in der Natur der Sache: Dessen persönliche Bewirtung übernahmen SS-Männer mit weissen Handschuhen. Frauen spielten da keine Rolle – was scheinbar auch für sein Privatleben galt. Er teilte sein Zimmer nicht mit Eva Braun, Kalhammer sah das Duo selten miteinander.

A visitor walks along a spooky alley in the 3 -kilometer- long bunker system on the Obersalzberg mountain in Berchtesgaden, Germany, Tuesday, Oct. 19, 1999. The subterranean complex, built in 1943 for functionaries of the Third Reich as a shelter for an extended stay, is now part of a documentation center on the history of the Nazi era. The Obersalzberg was Adolf Hitler's mountain retreat. (KEYSTONE/AP Photo/Diether Endlicher)

Zwangsarbeiter haben ein Stollensystem in den Berg graben müssen, das heute noch intakt ist. Bild: AP

SS-Obersturmbannführer und persönlicher Butler Hitlers: Heinz Linge. Bild: Bundesarchiv

Für die Nazis verlief der Krieg im Folgenden katastrophal. Das habe sich an Hitlers gebückter Haltung gezeigt. «Na, so ein armseliges Mandl», dachte die junge Kalhammer. Am 14. Juli 1944 war der Diktator zum letzten Mal auf dem Berghof. Sechs Tage später entging er knapp einem Attentat. 

Es bleibt unruhig auf dem Obersalzberg und als 1945 schliesslich die Amerikaner vor dem Einmarsch stehen, müssen die Angestellten noch die Schätze der Machthaber fortschaffen.Gemälde, Bilder und Spiegel hätten die Haushälter verladen, während ihnen Schauermärchen erzählt wurden. «Uns haben sie erzählt, dass die ‹Neger› kommen, uns die Haare abschneiden und vergewaltigen.»

Das Berghof-Areal (auch Führersperrgebiet) auf einer Luftaufnahme von 1945. Bild: US Army

Eine US-Wochenschau berichtet am 6. April 1945 von der Besetzung des Berghofs durch die GIs. Video: YouTube/Public Domain Movie serials, Film serials and Chapter 

Ein Bericht britischer Medien. Video: YouTube/WarArchives

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sewi 29.04.2014 11:47
    Highlight Wen interessiert schon Hitler oder sein Hausmädchen. Uns Schweizer jedenfalls nicht.
    2 8 Melden
    • Nina Müller 29.04.2014 13:37
      Highlight schön weisst du was die ganze schweiz interessiert und was nicht. MICH interessiert es!
      3 1 Melden
  • KAlexa 29.04.2014 09:31
    Highlight Kleiner Tippfehler: «Wie streng das Regime war, zeigt ein Breispiel» - aber sonst toller Artikel :)
    4 0 Melden

LOL, der Führer: So haben die Deutschen über die Nazis gelacht

Humor war in Nazi-Deutschland kein Witz. Während Satire zu Beginn teilweise noch gestattet war, schrumpfte die Toleranz bald drastisch. 1934 wurde das Heimtückegesetz in Kraft gesetzt, dank dem «von niedriger Gesinnung zeugende Äusserungen» mit Gefängnis bestraft werden konnten. Weil Regime-Witze deshalb nur hinter vorgehaltener Hand erzählt werden durften, wurden sie auch «Flüsterwitze» genannt.

Der Witz bezieht sich auf Paul von Hindenburg. Dieser war von 1925 bis 1934 Reichspräsident der …

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