Adolf Hitler
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(FILES) - Picture taken on November 19, 2013 shows the name plate of Cornelius Gurlitt on the door of his house in Salzburg. Cornelius Gurlitt, a German recluse who hid hundreds of paintings believed looted by the Nazis in his Munich flat, has died on May 5, 2014 according to a spokesperson of the court in Munich on May 6, 2014. AFP PHOTO / WILDBILD

Bild: AFP

Umstrittene Kunstsammlung

Gurlitt starb, ohne seine geliebte Kunstsammlung noch einmal gesehen zu haben

Cornelius Gurlitt ist im Alter von 81 Jahren in München gestorben. Sein Vater, der in Geschäfte mit den Nationalsozialisten verwickelt war, hatte ihm eine spektakuläre Kunstsammlung vermacht. 

06.05.14, 17:18 06.05.14, 18:00

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Der Kunstsammler Cornelius Gurlitt ist tot. Er starb am Dienstagvormittag in seiner Wohnung in München-Schwabing, wie sein Sprecher Stephan Holzinger bestätigte. Sein Arzt und sein Pfleger seien bei ihm gewesen. Gurlitt war seit Monaten schwerkrank, er wurde 81 Jahre alt.

Gurlitt, so hiess es aus seinem Umfeld gegenüber SPIEGEL ONLINE, habe die letzten Wochen in seiner Wohnung verbracht und sei rund um die Uhr von zwei Pflegerinnen betreut worden. Anfang des Jahres habe sich der an einer Herzkrankheit leidende Gurlitt den Angaben zufolge einer Bypass-Operation in Stuttgart unterziehen müssen, von der er sich zunächst gut erholt hätte.

Doch die Aufregung durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft habe ihm gesundheitlich schwer zugesetzt; am Ende sei er äusserst schwach gewesen. Gurlitt sei gestorben, ohne seine geliebte Kunstsammlung noch einmal gesehen zu haben. Mit seinem Tod ende nun auch das Ermittlungsverfahren, heisst es in einer Mitteilung, die unter anderem von Gurlitts Sprecher unterzeichnet ist. 

Erbe einer spektakulären Kunstsammlung

Gurlitt war der Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt. Der hatte nach 1933 Geschäfte mit den Nationalsozialisten gemacht - und seinem Sohn eine spektakuläre Sammlung von Kunstwerken vermacht. Im Februar 2012 war diese in der 100 Quadratmeter grossen Schwabinger Wohnung von Cornelius Gurlitt gefunden und beschlagnahmt worden. Unter den knapp 1400 Werken waren auch Bilder von Marc Chagall, Max Beckmann, Franz Marc, Pablo Picasso und Henri Matisse

Die Fahnder waren während einer Zugfahrt im September 2010 auf Gurlitt aufmerksam geworden: Der Kunstsammler war auf dem Weg von Zürich nach München und Zollfahnder vermuteten nach einer Kontrolle Gurlitts, es könne ein Steuerdelikt vorliegen. Das Amtsgericht Augsburg bewilligte daraufhin einen Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschluss für die Münchner Wohnung von Gurlitt.

Erst Anfang April hatte Gurlitt der Bundesregierung und dem Freistaat Bayern vertraglich zugesichert, seine Sammlung von Experten untersuchen zu lassen und unter Nazi-Raubkunstverdacht stehende Werke gegebenenfalls zurückzugeben. Daraufhin hatte die Staatsanwaltschaft sämtliche beschlagnahmten Gemälde freigegeben.

Mit diesem «Bekenntnis zur moralischen Verantwortung» habe Gurlitt ein Zeichen für faire und gerechte Lösungen bei der Rückgabe von NS-Raubkunst gesetzt, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters nach dem Tod von Gurlitt. 

«Ich bin doch etwas ganz Stilles»

Bis er in das Zentrum der wohl spektakulärsten Kunstsensation der vergangenen Jahrzehnte geriet, hatte Gurlitt ein zurückgezogenes Leben in seiner Schwabinger Wohnung und seinem Haus in Salzburg geführt - dort wurden weitere wertvolle Kunstgegenstände gefunden.

«Mehr als meine Bilder habe ich nichts geliebt in meinem Leben» sagte Gurlitt Ende 2013 im Gespräch mit dem SPIEGEL. Die Aufregung um seine Person konnte er nicht nachvollziehen: «Ich bin doch nicht Boris Becker, was wollen diese Menschen nur von mir? Ich bin doch etwas ganz Stilles. Ich habe doch nur mit meinen Bildern leben wollen.»

Über die Beschlagnahmung der Gemälde in seiner Wohnung sagte Gurlitt damals: «Die hätten doch warten können mit den Bildern, bis ich tot bin.» (aar/dpa/AFP)



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