Afghanistan
epa04258187 An Afghan Army soldier stands guard as workers of Independent Election Commission (IEC) shift ballot boxes and electoral materials from trucks to a ware house in Herat, Afghanistan, 15 June 2014. There were some 150 attacks across the country during the elections on 14 June, killing over 60 people, including about 20 assailants, government officials said. More than 7 million Afghans voted in the run-off for the new president, officials said, in announcing an unexpectedly high turnout, despite scores of attacks across the country. The turnout was better than the first round, which saw 6.6 million voters after 400,000 ballots were thrown out as fraudulent. Thirty-eight per cent of the voters on 14 June were women, the Election Commission said.  EPA/JALIL REZAYEE

Die afghanischen Sicherheitskräfte konnten nicht verhindern, dass es zu zahlreichen Anschlägen mit vielen Toten gekommen ist. Bild: JALIL REZAYEE/EPA/KEYSTONE

Anschläge, Angriffe und Gefechte

Nach blutigem Wahltag mit rund 250 Toten: Afghanistan droht wochenlanges politisches Vakuum

Obwohl die Taliban vor der Wahl gedroht hatten, diese mit Gewalt zu stoppen, gingen zahlreiche Menschen an die Urnen. Extremisten töteten rund 250 Menschen, elf Wählern wurde ein Finger abgehackt.

15.06.14, 13:05 15.06.14, 18:59

Nach der von Gewalt überschatteten Stichwahl um das Präsidentenamt droht Afghanistan ein wochenlanges politisches Vakuum. Während Ex-Aussenminister Abdullah Abdullah die Angaben der Wahlkommission zum Verlauf der Abstimmung anzweifelte, reklamierte sein Gegenkandidat, der frühere Weltbank-Experte und Ex-Finanzminister Aschraf Ghani, bereits den Sieg für sich. 

Die Bekanntgabe des Endergebnisses ist für den 22. Juli geplant, die Amtseinführung des neuen Präsidenten soll am 2. August stattfinden. Die Beteiligung lag nach Angaben der Wahlkommission (IEC) trotz Todesdrohungen der Taliban bei rund 60 Prozent – und damit deutlich über den Erwartungen. Die islamisch-fundamentalistischen Taliban hatten damit gedroht, die Abstimmung, die den ersten demokratischen Machtwechsel in der Geschichte des Landes markieren soll, mit Angriffen zu verhindern. 

Hohe Wahlbeteiligung trotz Terrordrohungen. Bild: Kamran Shefayee/AP/KEYSTONE

Hunderte Tote

Die Stichwahl wurde von Anschlägen, Angriffen und Gefechten mit etwa 250 Toten begleitet. Nach Angaben von Ministerien und Provinzbehörden wurden am Wahltag 176 Aufständische, 44 Zivilisten und 29 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet. Der Samstag war damit der blutigste Wahltag in Afghanistan seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001. 

Die Regierung setzte 400'000 Sicherheitskräfte ein, um Wähler und Wahllokale zu schützen. Aufständische verübten 273 Angriffe und Anschläge, um die Wahl zu stören, wie das Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte. Bei der ersten Wahlrunde am 5. April registrierte das Innenministerium 140 Angriffe und Anschläge. 

Zur Strafe Finger abgehackt

Sie verloren ihren Finger. Bild: JALIL REZAYEE/EPA/KEYSTONE

Taliban-Extremisten hackten elf Menschen die Finger ab als Strafe für die Teilnahme an der Wahl, die die Extremisten als Täuschungsinszenierung der USA ablehnen. Das Innenministerium zählte insgesamt Hunderte Angriffe. Dabei wurden auch Sprengsätze und Raketen eingesetzt. 

Dennoch wagten sich nach Angaben von Wahlkommissionschef Ahmed Jusuf Nuristani am Samstag mehr als sieben Millionen der zwölf Millionen Wahlberechtigten in die Stimmlokale. Abdullah zweifelte dies jedoch an. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Zahl richtig sei, sagte er. Bereits im Vorfeld hatten er und Ghani den Wahlorganisatoren wiederholt vorgeworfen, unfähig und parteiisch zu sein. 

Nach Schliessung der Wahllokale sagte Ghani, er habe offenbar gewonnen. Er berief sich dabei auf eigene Schätzungen. In der ersten Runde Anfang April hatte er 14 Punkte weniger Stimmen erhalten als Abdullah, der auf 45 Prozent kam. Für einen Sieg hätte dieser jedoch mehr als 50 Prozent benötigt. Bei der Stichwahl galt Abdullah dennoch als Favorit. Doch wer letztendlich das Rennen machte, lässt sich nicht prognostizieren. Umfragen lagen nicht vor.

Sollte das Ergebnis knapp ausfallen und Betrugsvorwürfe laut werden, schliessen Beobachter nicht aus, dass es zu einem politischen Stillstand und erbitterten Machtkampf mit ethnischen Zügen kommen könnte. Ghani ist Paschtune, Abdullah steht der tadschikischen Minderheit näher.(dwi/whr/sda/reu) 

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Brikne, 20.7.2017
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