Aids
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A condom and packaging, photographed on February 1, 2017. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Ein Kondom und Verpackung, aufgenommen am 1. Februar 2017. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Pille gegen Aids: Truvada ist als einziges HIV-Medikament in den USA zur Vorbeugung zugelassen. Bild: EPA

Präventive Massnahme

USA empfiehlt HIV-Medikamente für fast 500'000 Gesunde 

Tausende Menschen in den USA infizieren sich jährlich neu mit HIV – immer weniger nutzen Kondome. Die US-Gesundheitsbehörden versuchen jetzt, das Problem mit einem drastischen Schritt in den Griff zu bekommen. 

Ein Artikel von

Spiegel Online

Irene Berres, Spiegel Online

Geht es nach den US-Gesundheitsbehörden, soll in Zukunft fast eine halbe Million Menschen HIV-Medikamente schlucken, obwohl sie noch nicht mit dem Virus infiziert sind. Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hoffen so, die Zahl der neuen HIV-Infektionen in den USA senken zu können.

Seit rund zehn Jahren sei die Anzahl der Menschen, die sich in den USA jährlich mit dem HI-Virus neu infizieren, unverändert hoch, schreibt die New York Times. Hinzu komme, dass trotz Aufklärungskampagnen immer weniger Personen Kondome nutzten. Die Präservative bilden das einfachste Mittel, sich vor einer HIV-Infektion und gleichzeitig auch vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen. 

Abgesehen davon können jedoch auch HIV-Medikamente eine Ansteckung mit dem Virus verhindern, indem sie den Aids-Erreger nach einem Kontakt im Körper eliminieren. Die USA hatten bereits im Sommer 2012 die Nutzung des Medikaments Truvada für eine solche sogenannten Präexpositionsprophylaxe (Prep) zugelassen, bei der Gesunde vorbeugend behandelt werden. Die neuen klinischen Richtlinien sollen nun die Umsetzung vorantreiben. 

500'000 statt 10'000 Truvada-Nutzer

Die Empfehlungen richten sich an Angehörige verschiedener Gruppen mit einem erhöhten Infektionsrisiko. Im Detail befürwortet die CDC die vorbeugende Einnahme bei

«Love life – no regrets»

In der Schweiz ist die präventive Einnahme von Aids-Pillen nicht erlaubt. Schwerpunkt beim Kampf gegen HIV-Neuinfektionen sind weiterhin die Kampagnen der Aids-Hilfe Schweiz. Zuletzt: «Love life – no regrets». Mehr dazu hier.

Folgten alle Angesprochenen den offiziellen Richtlinien, würde sich in den USA die Zahl jener, die Truvada einnehmen, verfünfzigfachen, schreibt die «New York Times». Bisher schlucken 10'000 Menschen die Pillen, nach den neuen Empfehlungen wären es 500'000. Die Kosten der Behandlung von 13'000 US-Dollar pro Jahr (11'500 Schweizer Franken) übernehmen laut «New York Times» die meisten Krankenversicherungen. 

This Thursday, May 10, 2012 photo shows Truvada pills and a bottle in San Francisco. Truvada,  a drug hailed as a lifesaver for many people infected by HIV is at the heart of a rancorous debate among gay men, AIDS activists and health professionals over its potential for protecting uninfected men who engage in gay sex without using condoms. (AP Photo/Jeff Chiu)

Truvada ist auch in der Schweiz zugelassen – allerdings nur für die Behandlung bei einer bestehenden Infektion. Bild: AP

Wirkung nur bei täglicher Einnahme

Truvada ist auch in der Schweiz zugelassen, allerdings nur für die Behandlung bei einer bestehenden Infektion. Die Präexpositionsprophylaxe wird hier nicht praktiziert – noch ist auch umstritten, wie erfolgsversprechend sie wirklich ist. Zwar kamen verschiedene Studien zum Schluss, dass antiretrovirale Medikamente, zu denen auch Truvada gehört, das Risiko einer Infektion deutlich senken können – allerdings nur, wenn die Pillen Tag für Tag eingenommen werden.

An diesem Punkt hapert es häufig, auch das zeigen die Untersuchungen. Viele Patienten schaffen es nicht, täglich an die Einnahme zu denken. Bei einer Studie mit Drogeninfizierten etwa senkte die vorbeugende Einnahme der Medikamente das Risiko einer Infektion im Schnitt um knapp 49 Prozent. Betrachteten die Forscher jedoch nur die Werte der Studienteilnehmer, die sich an die regelmässige Einnahme des Medikaments hielten, reduzierte sich die Infektionsgefahr deutlich stärker um 74 Prozent.

Abgesehen davon sprechen noch drei weitere Punkte gegen die Präexpositionsprophylaxe:

Skeptiker befürchten, dass sich die Menschen durch die Prophylaxe zu sicher fühlen und durch waghalsiges Verhalten ihr Ansteckungsrisiko insgesamt sogar steigen könnte. Auch könnte die Behandlung dazu führen, dass noch mehr Menschen auf Kondome verzichten und somit auch auf den Schutz vor weiteren sexuell übertragbaren Krankheiten wie Syphilis. Die kommenden Jahre in den USA werden zeigen, welche Bedenken sich bewahrheiten. 

Abgesehen davon sollte die Präexpositionprophylaxe, bei der die Medikamente rein vorsorglich eingenommen werden, nicht verwechselt werden mit der unumstrittenen Postexpositionsprophylaxe, die auch bei Patienten in der Schweiz angewendet wird. Bei ihr erhalten Menschen, die bereits mit dem Hi-Virus in Kontakt gekommen sind, möglichst schnell Medikamente. Die Notfallmassnahme soll eine Infektion im Ernstfall noch abwenden. 



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    Alle Leser-Kommentare
  • Maya Eldorado 15.05.2014 20:07
    Highlight Highlight Da werden eindeutig neue Einnahmequellen gesucht.
    Auch sollen die Medis gegen Aids alles andere als harmlos sein mit vielen Nebenwirkungen. Das gibt eine weitere zusätzliche Einnahmequelle.

    Es gäbe da noch weiteres lukratives Potentieal. Denkt an alle über 50. Da macht sich hoher Blutruck breit, die Zuckerkrankheit ist ein Gefahrenpotential, usw.
    Was kommt da noch alles auf uns zu.....

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