Arbeitswelt
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People demonstrate in Ankara on May 14, 2014 during a demonstration gathering hundreds after more than 200 people were killed in an explosion at a mine. Police fired tear gas and water cannon when around 800 protesters shouting slogans against the government faced police intervention attempted to march from the Middle East Technical University to the energy ministry. AFP PHOTO / ADEM ALTAN

Nach dem Unglück in Soma kam es gestern bereits zu Protesten in Ankara. Bild: AFP

Grubenunglück in Soma

Türkische Gewerkschafter rufen zum landesweiten Streik

Das Grubenunglück in Soma wird zum politischen Problem für Premier Erdogan. Der grösste Gewerkschaftsbund der Türkei ruft einen landesweiten Streik aus. Den Tod von mehr als 270 Bergleuten bezeichnen die Arbeitnehmervertreter als «Mord».

15.05.14, 07:33 15.05.14, 14:22

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Der grösste türkische Gewerkschaftsbund Türk-Is hat seine Mitglieder nach dem verheerenden Grubenunglück zum Streik an diesem Donnerstag aufgerufen. Türk-Is forderte seine Mitglieder auf, am Arbeitsplatz der mehr als 270 Bergleuten zu gedenken, die bei dem Unglück vom Dienstag in der Zeche Soma ums Leben kamen.

Der Gewerkschaftsbund sprach im Zusammenhang mit der Katastrophe vom grössten «Mord» am Arbeitsplatz in der Geschichte der türkischen Republik, gegen den protestiert werden müsse. Zuvor hatte eine Gewerkschaft bereits von einem «Massaker» gesprochen. Bei Türk-Is sind 35 Einzelgewerkschaften organisiert. 

Riot police use water cannon to disperse protesters during a demonstration blaming the ruling AK Party (AKP) government for the mining disaster in western Turkey, in central Istanbul May 14, 2014. Turkish police fired tear gas and water cannon on Wednesday to disperse a crowd of several thousand demonstrators who gathered in central Istanbul to protest over a mine disaster which killed at least 245 people.

Die Polizei ging in Istanbul mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor. Bild: Reuters

Die Bergbau-Katastrophe mit mindestens 274 Toten löste bereits am Mittwoch in der Türkei heftige Proteste gegen die Regierung aus. Die Polizei ging am Mittwoch in Ankara und Istanbul mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die Demonstranten vor.

Die Demonstranten in Istanbul forderten in Sprechchören den Rücktritt der Regierung wegen des Unglücks. Einige hielten Plakate in die Höhe, auf denen stand: «Kein Unfall - Mord». Die Polizei hinderte die Demonstranten daran, weiter in Richtung des zentralen Taksim-Platzes vorzudringen.

Weltweites schwerstes Grubenunglück seit Jahrzehnten

In Ankara hatten Hunderte Demonstranten am Nachmittag versucht, zum Energieministerium vorzudringen. Die Nachrichtenagentur Anadolu meldete, aus den Reihen der Demonstranten seien Molotow-Cocktails und Steine geworfen worden.

Seit der Explosion in dem Kohlebergwerk Soma am Dienstag waren immer mehr Tote aus dem Schacht geborgen worden - die Katastrophe gilt inzwischen als das weltweit schwerste Grubenunglück seit mehr als zwei Jahrzehnten. Noch rund 120 Kumpel seien unter Tage eingeschlossen, sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu. 80 Menschen seien bei dem Brand in dem Kohlebergwerk verletzt worden.

«Es ist schlimmer als zunächst erwartet.»

Taner Yldiz, türkischer Energieminister

Energieminister Taner Yildiz sagte in Soma, die Hoffnung schwinde, noch Überlebende zu retten: «Es ist schlimmer als zunächst erwartet.» Zum Zeitpunkt des Unglücks am Dienstag waren nach Angaben von Energieminister Taner Yildiz 787 Kumpel unter Tage. Nach Behördenangaben wurden aber nur 363 geborgen, nach Angaben des Zechenbetreibers 450.

Regierung hatte Sicherheitsprüfung zurückgewiesen

In Soma hatte Medienberichten zufolge ein elektrischer Defekt in einem Trafo zunächst eine Explosion und dann einen Brand verursacht, der nach Angaben von Yildiz in 150 Metern Tiefe ausbrach. Wegen des Unglücks rief die Regierung eine dreitägige Staatstrauer aus. Im ganzen Land und an den türkischen Vertretungen im Ausland wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt.

«Arbeitsunfälle ereigneten sich überall in der Welt.»

Recep Erdogan giesst Öl ins Feuer

Nach Angaben von Oppositionspolitikern hatte Erdogans AKP im Parlament erst vor drei Wochen die Einsetzung einer Kommission abgeschmettert, die die prekäre Sicherheitslage in den türkischen Kohlebergwerken untersuchen sollte. Als Erdogan am Nachmittag in Soma dennoch jede Verantwortung zurückwies und erklärte, «Arbeitsunfälle ereigneten sich überall in der Welt», kam es zu wütenden Protesten, zahlreiche Kumpel und Opferangehörige traten mit Füssen gegen seine Limousine.

Das Grubenunglück in der Türkei löste weltweit Trauer aus. Mehrere Länder boten der Türkei Hilfe an. Darunter waren auch Israel und Griechenland, deren Verhältnis zur Türkei angespannt ist. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck sprach dem türkischen Staatschef Gül seine Anteilnahme aus. Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel schrieb Erdogan: «Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer.»

In der Türkei kommt es immer wieder zu tödlichen Grubenunfällen. Mehrfach gab es in den vergangenen Jahren Verstösse gegen Sicherheitsregeln oder es wurden veraltete Arbeitsgeräte eingesetzt.

(ade/dpa/Spiegel Online)

Mehr zum Grubenunglück in Soma finden Sie hier



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