Arbeitswelt
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A man prays beside a grave of a dead miner while workers dig graves and locals accompany the praying in a cemetary in Soma, a district in Turkey's western province of Manisa May 14, 2014. Rescuers pulled more dead and injured from a coal mine in western Turkey on Wednesday more than 19 hours after an explosion, bringing the death toll to above 200 in what could become the nation's worst ever mining disaster. Hundreds more were still believed to be trapped in the mine in Soma, about 480 kilometres (298 miles) southwest of Istanbul. The explosion, which triggered a fire, occurred shortly after 3 pm (1200 GMT) on Tuesday. REUTERS/Stringer (TURKEY - Tags: DISASTER ENERGY OBITUARY RELIGION)

Ein Mann betet an einem ausgehobenen Grab eines verunglückten Minenarbeiters. Bild: Reuters

Heftige Kritik nach Katastrophe

Gewerkschaft: Grubenunglück war «programmiertes Massaker»

14.05.14, 14:59 15.05.14, 11:03

Das grösste Bergbauunglück in der Geschichte der Türkei forderte bislang 232 Tote. Türkische Gewerkschaftsvertreter sehen die Privatisierung des Kohleabbaus als Mitauslöser der Katastrophe.

Türkische Gewerkschaftsvertreter sprechen von einem programmierten «Massaker». Das Unternehmen beschäftige eine grosse Zahl an Leiharbeitern, um die Lohnkosten gering zu halten, erklärte der Chef der linken Gewerkschaft DISK, Kani Beko heute gegenüber türkischen Medien. Es müsse damit gerechnet werden, dass die Zahl der Toten weiter steige.

Homepage des Bergbauunternehmens offline

Die Homepage des Bergbauunternehmens Soma Holding ist seit gestern Abend unerreichbar. In einem Statement erklärte das Unternehmen gestern, «der Unfall passierte trotz höchster Sicherheitsmassnahmen und ständiger Kontrollen». Eine Untersuchung des Unglücks sei eingeleitet worden, heisst es dort.

Die 1984 als Soma Kömür A.S. gegründete Gesellschaft betreibt die Mine seit 30 Jahren. Soma Holding ist mit 5,5 Millionen Tonnen Jahresproduktion einer der grössten Kohleproduzenten der Türkei. In dem Bergwerk in der Provinz Manisa werden monatlich an die 250'000 Tonnen Kohle abgebaut. Soma Holding beschäftigt an die 5500 Minenarbeiter in ihrem Werk in Soma.

Kosten für Kohleabbau mit Subunternehmen massiv reduziert

Vertreter des Unternehmens sind Medienangaben zufolge nicht erreichbar. Wie der Vorstandsvorsitzende der Soma Holding, Alp Gürkan, in einem vor zwei Jahren geführten Interview mit der Zeitung «Hürriyet» betonte, hätten sich die Kosten für den Kohleabbau durch private Betreiber massiv reduziert. So habe sein Unternehmen als Betreiber der Mine die durchschnittlichen Abbaukosten von 130 bis 140 Dollar pro Tonne auf 23,8 Dollar senken können.

Möglich sei dies dadurch geworden, weil das Unternehmen die elektrischen Transformatoren nicht importiere, sondern selbst herstelle. Zudem würden Leiharbeiter über Subunternehmer angeheuert. Sie seien billiger als Arbeiter, die sich in der Kohlegewerkschaft Maden-Is organisiert hätten.

Jüngster Toter ist erst 15 Jahre alt. Kinderarbeit?

Türkische Gewerkschaften beklagen seit Jahren, dass die Regierung die Betreiber privater Minen zu wenig kontrolliert. Es herrsche eine jahrelange Praxis der Beschäftigung von nicht ausreichend eingeschulten Arbeitern, die über Subunternehmer angeheuert würden.

Erdogans Regierung hat im grossen Stil privatisiert, auch Kohlebergwerke. Bild: Reuters

Die staatliche Sozialversicherungsgesellschaft SGK will ebenfalls eine Untersuchung einleiten. Unter den Toten soll sich ein 15-Jähriger befinden. Unter Tage dürfen aber laut Gesetz nur über 18-jährige Männer arbeiten.

Pro Million Tonne abgebauter Kohle sterben 7,22 Kumpel

In der Türkei wurden nach Angaben des Energieministeriums im Jahr 2012 rund 78 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut. Der Bergbau ist auch die Branche mit der höchsten Unfallrate. Mehr als zehn Prozent aller Arbeitsunfälle in der Türkei haben im Vorjahr den Kohleabbau betroffen. Seit 1941 sind mehr als 3000 Minenarbeiter bei Unglücken ums Leben gekommen.

Im Jahr 2008 haben für den Abbau einer Million Tonnen Kohle rechnerisch gesehen 7,22 Menschen ihr Leben verloren, so das türkische Wirtschaftsforschungsinstitut TEPAV. Die Zahl ist seit 2004, wo die Todesrate bei 5,14 lag, wieder im Steigen begriffen. (tvr/sda)

Mehr zum Grubenunglück finden Sie hier



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