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ARCHIV - ZUM SDA TEXT BSD044 VON HEUTE, 25. APRIL, BEZUEGLICH DER VOLKSABSTIMMUNG "BESCHAFFUNG DES KAMPFFLUGZEUGES GRIPEN (RUESTUNGSPROGRAMM 2012 UND GRIPEN-FONDSGESETZ)" VOM 18. MAI STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Ein fertig gebautes, neues Gripen E-Kampfflugzeug, welches nach dem Testflug mit dem Piloten nun auch flugbereit ist, aufgenommen am 25. Maerz 2014 in einer Produktionshalle von Saab Technologies in Linkoeping, Schweden. Das Unternehmen Saab Technologies baut in seiner Produktionsstaette in Linkoeping in Schweden die Saab Gripen-Kampfflugzeuge. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bild: KEYSTONE

Schwedischer Militärexperte sieht Saab unter Druck

Droht dem Gripen-Hersteller ein Grounding?

Der Kampf um den Gripen ist noch nicht entschieden. Das Nein-Lager ist gemäss neusten Umfragen zwar immer noch leicht vorne. Doch die Befürworter holen auf. Entscheidend ist die Mobilisierung ganz am Schluss der Kampagne. Just in dieser Schlüsselphase kommen neue Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Gripen-Herstellers Saab auf.

09.05.14, 03:33 09.05.14, 09:02

Stefan Schmid / Aargauer Zeitung

Die Frage sei nicht ob, sondern wann und wie die kleine schwedische Luftwaffenindustrie restrukturiert werden müsse, schreibt Robert Dalsjö, schwedischer Militärexperte und Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften in Stockholm, in einem Beitrag für die Wirtschaftszeitung «Dagens industrie». Schweden sei zu klein für eine eigene Kampfjetindustrie. Bereits heute werde Saab nur durch unsinnig hohe Bestellungen durch den schwedischen Staat am Leben gehalten. 

Falls die Gripen-Deals mit Brasilien und der Schweiz zustande kommen, sei dies keine Rettung, sondern nur eine Aufschiebung des Unausweichlichen. Als mögliche Option nennt Dalsjö eine Fusion mit einem europäischen oder amerikanischen Konkurrenten oder gar die Auslagerung nach Brasilien.

«Die Zukunft ist glänzend, das Interesse für Saab-Produkte war nie grösser als heute.»

Saab-Konzernchef Hakan Buskhe

Indirekt deutet der Militärexperte an, was passieren würde, sollte Saab die Kampfjetproduktion ganz einstellen. Die Wartung der aktuellen Gripen-Flotte wäre zwar noch möglich, nicht aber deren Weiterentwicklung. Für die Schweiz ist dies relevant. Sollte es dereinst keine Ersatzteile mehr geben oder sind keine technischen Upgrades mehr möglich, bleibt die Schweiz auf einem Flugzeug sitzen, das rasch veraltet.

Saab dementiert

Hakan Buskhe, CEO von Saab, reagierte auf den Beitrag des Militärexperten mit einem zweiseitigen Communiqué. Schweden sei ein hoch innovatives Land und Saab ein kerngesundes Unternehmen. «Wir haben bereits 66 Gripen exportiert. Sollten die Schweiz und Brasilien dem Kauf zustimmen, kommen 58 weitere Flugzeuge hinzu.»

Längerfristig gehe Saab gar von 300 weiteren Flugzeugen aus, die exportiert werden könnten. Die Diskussion über die Zukunft von Schwedens Kampfjets sei geprägt von Fehleinschätzungen, so der Topmanager. Saab produziere schon heute nicht ausschliesslich in Schweden. Mit Brasilien etwa gebe es eine intensive industrielle Kooperation, die in beiden Staaten Arbeitsplätze schaffe.

Buskhe schliesst mit der Bemerkung, «die Zukunft ist glänzend, das Interesse für Saab-Produkte war nie grösser als heute».

Ein Artikel der Aargauer Zeitung

VBS: Vollstes Vertrauen

Das Verteidigungsdepartement in Bern (VBS) erinnert angesichts dieser innerschwedischen Debatte an die vertraglichen Vereinbarungen mit dem skandinavischen Land. Das VBS werde bei positivem Volksentscheid einen Beschaffungsvertrag mit der schwedischen Regierung abschliessen. «Diese garantiert der Schweiz über die ganze Lebensdauer den Gripen E.»

Der schwedische Staat habe angesichts der eigenen Bestellung von 70 Gripen jedes Interesse an der Zukunft von Saab. Nach Auffassung des VBS habe Saab tatsächlich gute Aussichten, weitere substanzielle Aufträge zu realisieren, «was nicht bei allen Kampfflugzeuganbietern der Fall ist».

Die Berner SP-Nationalrätin Evi Allemann, Mitglied der sicherheitspolitischen Kommission, ist von dieser Argumentation nicht überzeugt: «Die Schweiz hat keine Absicherung gegen das Risiko des Groundings von Saab.»

FDP-Nationalrat Kurt Fluri: «Bei Saab ist damit zu rechnen, dass Schweden diese Firma nicht untergehen liesse.»  Bild: KEYSTONE

Auch nach stundenlangen Anhörungen in der Kommission sei nicht klar geworden, welche konkreten Garantien die Schweiz bei einem Vertragsbruch habe. «Der Gripen-Kauf ist ein Risiko, das die Schweiz niemals eingehen darf.»

Anderer Ansicht ist FDP-Nationalrat Kurt Fluri: Nicht nur Saab, auch andere Rüstungsunternehmen könnten theoretisch aus dem Markt ausscheiden. Doch «bei Saab ist damit zu rechnen, dass Schweden diese Firma nicht untergehen liesse». Das Risiko für die Schweiz sei daher gering. Das Restrisiko, so der freisinnige Sicherheitspolitiker, könne nicht abgesichert werden. Allerdings wäre dies auch bei den Konkurrenten von Saab der Fall. (trs)

Weitere Artikel zum Gripen lesen Sie hier

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • pascualito72 09.05.2014 12:05
    Highlight Wie die Zeit alte Geschichten doch vergessen macht. Das ganze erinnert mich doch irgendwie an die Katastrophe bei der Beschaffung der Mirage-Jets und dem Geld, das da verlocht wurde, weil man ein Flugzeug bestellte, das es noch gar nicht gab in der bestellten Version. Bundesrat Chaudet musste darauf 1966 abtreten. Da bin ich mal gespannt.
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    • sewi 09.05.2014 12:55
      Highlight Gemäss meinem Informationsstand lag das Problem darin dass man amerikanische Software einbauen wollte. Damals kaufte man den Franzosen statt den Saab u. A. weil der Mirage Atombomben hätte tragen können
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  • mauchmark 09.05.2014 08:46
    Highlight Wieder mal billige Panikmache der Gripen Gegner, oder wurde dieser Artikel gar von einem Saab Konkurrenten gesponsert? Natürlich kann jede Firma Konkurs gehen - mit Ausnahme der UBS...

    Aber die Vergangenheit zeigt, ein erfolgreiches Flugzeugprogramm - wie der Gripen eines ist - geht nicht einfach sang und klanglos unter, nur weil es den Hersteller nicht mehr gibt. Denn der Hersteller (McDonnell Douglas) unserer F/A-18 Hornet gibt es auch nicht mehr. Seit 1997 werden die F/A-18 (wie auch F-15) von Boeing weiter produziert und weiterentwickelt.

    Militärexperte Robert Dalsjö spricht auch lediglich eine mögliche Produktionsverlagerung oder eine Fusion an. Dass der Gripen bei einem solchen Szenario nicht mehr unterstützt und weiterentwickelt wird, ist eine absichtliche Unterstellung von AZ-Journalist Stefan Schmid.

    "FDP-Nationalrat Kurt Fluri: Nicht nur Saab, auch andere Rüstungsunternehmen könnten theoretisch aus dem Markt ausscheiden"

    Das ist absolut richtig und gerade in dieser Hinsicht hat der Gripen ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen moderner Kampfflugzeugen: Der Gripen hat eine offene Systemarchitektur. So sind Missionselektronik und flugrelevante Systeme voneinander entkoppelt. D. h. der Gripen kann auch vom Betreiberland eigenständig modernisiert werden (z. B. Bewaffnung, Avionik, Selbstschutz), ohne dass der Hersteller zwingend involviert sein muss.
    Quelle: http://www.gripen-ja.ch/assets/files/Artikel/120501_Cockpit_Sonderbeilage_Gripen.pdf

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  • Zeit_Genosse 09.05.2014 08:11
    Highlight Warum in aller Welt will Schweden Saab als Kampflugzeughersteller halten? Es geht nur um Arbeitsplätze. Bei der Autosparte gelang es nicht, diese zu halten. Wird diese Firma am Ende subventioniert oder verkauft? Was steht in den Kaufverträgen mit der Schweiz dazu?
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    • Romeo 09.05.2014 08:28
      Highlight Leider droht ein Debakel. Nicht nur, weil die Flugzeugbeschaffungen in der CH jedes Mal ein Grabenkampf sind.
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  • Zeit_Genosse 09.05.2014 08:07
    Highlight Also hängt es an Brasilien und der Schweiz, ob der Kampfjet von Saab überleben kann, denn Schweden hat ja bereits Flugzeuge bestellt. Wie sieht den diese Kooperation mit Brasilien aus? Scheinbar musste Saab da einige Versprechen machen, dass Brasilien einen Kauf in erwägung zieht. Kauft die Schweiz am Ende einen Brasilien-Flieger? Andere Hersteller haben viel mehr Substanz und wären die sichereren Partner.
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  • Romeo 09.05.2014 07:42
    Highlight Die machen es dann wie mit den Saab Autos und verkaufen an die Chinesen. Die sind sowieso scharf auf Aufrüstung. Der Gripenkauf wäre ein grosser Fehler, nicht nur wegen dem drohenden Saab Bankrott. Ein zukunftsträchtiger Flugi muss beschafft werden. Unsere strategischen Militäreinkäufer sollen das bitte berücksichtigen.
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    • sewi 09.05.2014 10:12
      Highlight Genau das ist der Gripen. Ein zukunftsträchtiges Flugzeug. Bei der Mirage Evaluation hätte man schon den Saab Viggen nehmen sollen.... setzt Euch mal in einen Saab oder Volvo und vergleicht das mit einem Franzosengöppel.... Besonders wenn dann ein paar Jahre vergangen sind, sieht man den Unterschied.....
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    • Romeo 09.05.2014 12:37
      Highlight Sewi. Ich provozierte auch nur und malte ein mögliches Szenario aus. Aktuell ist der Gripen die beste Wahl. Ich mag nur nicht daran denken, dass wir für Kriegsmaterial (Ersatzteile) in China einkaufen müssten. Da entsteht bei mir ein flaues Gefühl im Magen.
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