Armee

Verteidigungsminister Chuck Hagel erläutert Armeeangehörigen seine Sparpläne. Bild: AP/The Virginian-Pilot

Supermacht muss sparen

Hier sehen Sie, was die US-Armee ausmustern will – und was dafür eingekauft wird

27.02.14, 15:16

Die Amerikaner hatten während langer Zeit eine Abneigung gegen ein stehendes Heer. Die Bewohner der ehemaligen britischen Kolonie empfanden ein solches als Instrument der Unterdrückung. Im Kriegsfall musste eine Armee mehr oder weniger aus dem Boden gestampft werden, so etwa beim Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg.

Der Zweite Weltkrieg und die Kommunismus-Paranoia im Kalten Krieg führten zu einem radikalen Kurswechsel. Heute besitzen die USA die mit Abstand grösste Streitmacht der Welt. Doch die Erfahrung von zwei langen, verlustreichen Kriegen in Afghanistan und im Irak führt nun zu einem Kurswechsel. Verteidigungsminister Chuck Hagel kündigte am Montag drastische Einsparungen beim Militär an.

Das Heer mit derzeit 522'000 aktiven Soldatinnen und Soldaten solle um rund 15 Prozent verkleinert werden, sagte der Pentagon-Chef. Die Truppenstärke würde dadurch auf rund 440'000 Soldaten sinken und wäre damit so gering wie zuletzt vor dem Zweiten Weltkrieg. Dabei werde in Betracht gezogen, dass «die Welt unbeständiger, unvorhersehbarer und in einigen Punkten bedrohlicher für die Vereinigten Staaten wird».

Weniger Marines, mehr Navy Seals

Bild: AP U.S. MARINE CORPS

Bild: AFPI/US NAVY FILES

Das Marine Corps, die legendären «Ledernacken» (Bild oben), wird laut den Plänen von 190'000 auf 182'000 Soldaten verkleinert. 900 Marines werden den Schutz der US-Vertretungen im Ausland verstärken – eine Lehre aus dem Angriff auf das Konsulat in Bengasi im September 2012. Die Spezialkräfte wie die Navy Seals (Bild unten), die bei der Tötung von Osama bin Laden zum Einsatz kamen, werden hingegen von 66'000 auf knapp 70'000 Mann aufgestockt. 

Das Signal ist klar: weniger konventionelle Kriege, mehr gezielte, schnelle Einsätze.

A-10 wird verschrottet, F-35 wird weitergebaut

Bild: AP

Bild: AP U.S. Air Force

Die Kampfjets vom Typ A-10 «Warthog» (Warzenschwein) sollen aus dem Verkehr gezogen werden. Laut Hagel handelt es sich um «ein Relikt aus dem Kalten Krieg». Sie wurden für die Bekämpfung von Panzern gebaut, was kaum mehr der heutigen Bedrohungslage entspricht. Festhalten will Hagel am umstrittenen Mehrzweck-Kampfflugzeug F-35 (Bild unten). Es ist bislang vorab durch enorme Kosten (rund 160 Millionen Dollar pro Stück) und technische Probleme aufgefallen, nach Ansicht von Experten aber auch «too big to fail» geworden.

U-2 geht in Rente, Global Hawk übernimmt

Bild: EPA

Bild: PD

Die U-2-Spionageflugzeuge sind mehr als 50 Jahre alt und eine fliegende Legende. Jetzt sollen sie ausgemustert und durch unbemannte Drohnen vom Typ Global Hawk (Bild unten) ersetzt werden. Dies entspricht der Doktrin der Regierung Obama, die vermehrt auf Drohnen als Mittel der Kriegführung setzt.

Flugzeugträger bleiben, bei anderen Schiffen wird gespart

Bild: AP POOL Shigeki Miyajima

Bild: AP US Navy

Die Marine muss ebenfalls einen Sparbeitrag leisten. Ihre Prunkstücke, die elf Flugzeugträger, sollen vorerst nicht angetastet werden. Chuck Hagel warnte allerdings: Sollten die Einsparungen höher ausfallen als geplant, dann müsste die USS George Washington (Bild oben) eingemottet werden. 11 der 22 Kreuzer werden stillgelegt, bis Geld für ihre Modernisierung vorhanden ist. Und von den hochmodernen Littoral Combat Ships (Bild unten), die für küstennahe Kampfeinsätze vorgesehen sind, wird die Navy nur 32 statt 52 Stück anschaffen.

Ob die Sparpläne des Pentagonchefs umgesetzt werden, ist völlig offen. Republikaner im Kongress haben Widerstand angekündigt. «Wir versuchen, unsere finanziellen Probleme auf dem Rücken des Militärs auszutragen», sagte Buck McKeon, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Repräsentantenhaus. Die nationale Sicherheit ist dabei nur ein Aspekt. Die Abgeordneten werden auch um jeden Arbeitsplatz kämpfen, der mit dem Militär verbunden ist.

In weiser Voraussicht hat Hagel nur die mögliche Schliessung von Stützpunkten in Europa angekündigt. Dabei werden selbst die Sparpläne – die Rede ist von 75 Milliarden Dollar über die nächsten zwei Jahre – nichts daran ändern, dass die USA etwa gleich viel Geld für das Militär ausgeben wie die nächsten 14 Länder (plus die Schweiz) zusammen.

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