Auto

SUV-Kunden-Typologie

Wer die dicken Dinger fährt 

Bild: Shutterstock / Krystian Konopka

Dick, durstig, teuer – SUVs vereinen alle Aspekte der automobilen Unvernunft. Dennoch verkaufen sie sich bestens. Warum nur setzt sich jemand in so einen Blechberg? Antwort gibt die Typologie der SUV-Nutzer. 

29.04.14, 15:40

Ein Artikel von

Margret Hucko, Spiegel Online 

Sie sind spritdurstig, platzvernichtend und in der Regel teuer. Es gibt wirklich keinen guten Grund, einen SUV zu fahren. Es sei denn, man wohnt verlassen in den Bergen, geht zur Jagd oder plant eine Durchquerung der Kalahari. Wobei genau in diesen Szenarien die meisten SUVs wieder überfordert wären. Da würden dann nur richtige Geländewagen weiterhelfen. 

Ungeachtet der Nachteile, erobern die Blechberge weiter die Städte. Angesichts des Booms werden alle Tabus gebrochen.

«Ich bin mir nicht sicher, ob ein SUV für Rolls-Royce das Richtige wäre. Im Moment sehe ich das nicht»

Rolls-Royce-Chef Müller-Ötvös im März 2012.

Gut ein Jahr später schloss er den Bau eines Rolls-Royce SUV nicht mehr aus. 

Gibt es demnächst keinen Autobauer mehr ohne SUV im Programm? Das Segment der sportlichen Pseudo-Geländewagen wächst schneller als alle anderen. Aber wer kauft die Spritosaurier eigentlich? 

Auf der Suche nach einem Bodyguard – die Frau 

Dick für dünn: Besonders Frauen fliegen auf fette Geländewagen Bild: Shutterstock

Zierliche Frau, dickes Auto – Gegensätze ziehen sich an. Wenn es um Beziehungskisten geht, setzt beim vermeintlich schwachen Geschlecht offenbar der Verstand aus. Eigentlich sei gerade ihnen beim Autokauf ein niedriger Spritverbrauch besonders wichtig, antworteten die weiblichen Befragten einer Erhebung des Kompetenzzentrums Frau und Auto der Hochschule Niederrhein. 

Aber wie bitteschön sollen Fahrzeuge mit dem Luftwiderstandswert eines Kühlschranks effizient sein? Trotz der fragwürdigen Ökobilanz reizen die PS-starken Blechberge die Damen offenbar so sehr, dass sie lieber gross als grün denken. Mit dem Ergebnis: Der Frauenanteil an den SUV-Besitzern ist von 21,9 Prozent in 2008 auf 26,2 Prozent in 2013 gestiegen. 

Verkehrssoziologe Lasse Mevert erklärt das Bedürfnis der Frauen nach den starken SUVs mit einer ansteigenden Angst im öffentlichen Raum:

«Das Schutzbedürfnis wächst.»

SUVs würden als Ersatz fürs Eigenheim gesehen, so Mevert. Mit ihrem grosszügigen Blechpanzer und der erhöhten Sitzposition erzeugen sie ein besonders grosses Sicherheitsempfinden. 

Status sells – der zeigefreudige Kosmopolit 

Mein Haus, mein Auto: In Schwellenländern gelten SUVs als schick  Bild: Shutterstock

Nicht kleckern, klotzen. Wer seiner Umwelt beweisen will, dass er bekennender Turbokapitalist ist, fährt mit einem dicken SUV goldrichtig. Offenbar gibt es viele Menschen, die ihren Kontostand gerne auf der Strasse ausrollen. Besonders in Schwellenländern wie China, die ein ungehemmtes Verhältnis zum Luxus pflegen, sind SUVs derzeit besonders beliebt. 

Zwar gibt Chinas Autoverband «China Association of Automobile Manufacturers» keine genauen Zulassungszahlen für die ersten beiden Monate des Jahres bekannt, schreibt aber, dass der Markt für SUVs und Vans überproportional stark wächst. «SUVs transportieren Reichtum», sagt der Verkehrssoziologe Mevert. «Alles an ihnen ist grösser. Und was grösser ist, ist auch teurer.» 

Doch selbst auf den gesättigten Automärkten wie Deutschland rechnen Experten weiterhin mit starkem Wachstum bei den SUVs. Derzeit ist es das Segment, das am schnellsten zulegt. 2013 waren laut Kraftfahrtbundesamt bereits fast 16 Prozent aller neu zugelassenen Autos mit Vierradantrieb oder zumindest Geländewagenoptik unterwegs. Automobilexperten wie Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Institut der Uni Duisburg-Essen gehen davon aus, dass der Anteil bis 2020 auf 28 Prozent steigen wird. 

Bitte nicht spiessig – der imagebewusste Familienvater 

Alleskönner Auto: Ein SUV kann einpacken und repräsentieren  Bild: Shutterstock

SUVs sind die neuen Vans – sie meistern verschiedene Situationen problemlos und sehen dabei oftmals besser aus als die als Pampers-Bomber verschrienen One-Box-Designs.

«Ich kann mit einem SUV zu einem repräsentativen Geschäftstermin fahren, theoretisch in eine Schlacht ziehen und auch noch die Kinder sicher zur Schule bringen»

Verkehrssoziologe Mevert 

Damit sei der SUV die Antwort auf unsere stark differenzierte Gesellschaft, die möglichst viele Optionen haben will. Kurz ausgedrückt: SUVs sind «allzeit bereit», so Mevert. 

Endlich wieder im Hochsitz – rüstige Rentner 

Bild: Shutterstock

Nicht alles wird im Alter besser, der Kontostand meist schon. Die Kinder aus dem Haus, die Lebensversicherung ausbezahlt – Zeit, sich was zu gönnen. Während gutbetuchte Silversurfer früher reflexartig zum Porsche Carrera griffen, soll es heute oftmals der Cayenne sein. Der Geländewagen ist Porsches volumenstärkste Modellreihe. 

Besonders ältere Menschen schätzen am SUV den erhöhten Einstieg, statt sich mit yogaartigen Verrenkungen in einen Sportwagen zu falten. Hinzu kommt das sportliche Image der SUVs. Denn das bezieht sich laut Mevert bei den Blechburgen eher auf den Fahrer, der als besonders dynamisch gilt, wenn er in einem Geländewagen sitzt. 

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • trews 03.06.2015 10:20
    Highlight Sehr treffender Artikel. @83grad "Es gibt SUV's ob von BMW oder anderen Herstellern die einen tieferen Benzinverbrauch haben als mein sieben jähriger Smart! " Du glaubst anscheinend alles was dir in denk Kopf gespült wird. Veraltet? von wegen die Realität sieht noch schlimmer aus!
    0 0 Melden
  • 83grad 29.04.2014 16:40
    Highlight Das ist doch ein Witz. Es gibt SUV's ob von BMW oder anderen Herstellern die einen tieferen Benzinverbrauch haben als mein sieben jähriger Smart!
    Kann diesen Artikel nicht nachvollziehen. wurde das vor 10 Jahren geschrieben und wieder aus der Schublade geholt?
    Zudem kommt es doch auch noch auf die nutzung an. Wenn ein SUV Fahrer 300km im Monat fährt ist er dann eine grössere Belastung für die Umwelt als ein sagen wir Hybrid fahrer der 2000km im Monat abspuhlt? Nein!
    Nicht das ich ein SUV Fan bin, aber solche einseitige veraltete Berichterstattung kann ich nicht ernst nehmen.
    0 0 Melden

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