Auto
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Familienkutschen auf dem Genfer Autosalon: Fünf Argumente gegen SUV

Man mag es kaum glauben, aber nicht jeder Familienvater und Firmenfahrer findet sein Heil im SUV. Deshalb gibt es in Genf noch ein paar Neuheiten, die mit echten Qualitäten locken.

03.03.16, 22:19 04.03.16, 09:36

Tom Grünweg



Ein Artikel von

Der Genfer Autosalon ist auch dieses Jahr vom SUV befallen. Weil die oft bis zur Unkenntlichkeit domestizierten Geländewagen seit Jahren ihren Marktanteil ständig ausbauen, zaubern die Hersteller einen Offroad-Softie nach dem anderen aus dem Hut. Das zumindest ist der vorschnelle Eindruck, denn man bei einem Messerundgang gewinnen kann. Doch es gibt noch Hoffnung.

«Klar ist der SUV ein Megatrend. Aber in Deutschland zum Beispiel machen die anderen Karosserievarianten noch immer 80 Prozent des Marktes aus,» sagt Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Das ist ein Potential, das die Hersteller nicht brachliegen lassen dürfen, wenn sie keine Absatzeinbussen riskieren wollen, sagt der Experte und erklärt damit, weshalb zwischen all den SUV auf dem Salon eben doch noch ein paar ganz konventionelle Kombis, Vans und Kompaktklasse-Modelle enthüllt werden.

Allein mit bewährten Karosseriekonzepten wie dem des Kombi beispielsweise kann man die Käufer aber offenkundig nicht mehr locken. Die Hersteller müssen sich bessere Tricks ausdenken. Fünf Beispiele zeigen, wie sich die Altbewährten Autos gegen den SUV-Trend stemmen.

Familienkutschen auf dem Genfer Autosalon

Technologieoffensive

Vernunft und Vergnügen müssen sich nicht länger ausschliessen – das ist die Botschaft des neuen Renault Mégane Grandtour, der in Deutschland im September in den Handel kommt.

Neben einem Kofferraum von 580 Litern Volumen und einer Ladelänge von 2.77 Metern bietet der Lastenträger als einziger in der Kompaktklasse eine Hinterradlenkung. In der ohnehin schon etwas sportlicher gezeichneten Modellvariante GT soll sie für zusätzlichen Fahrspass sorgen, weil der Kombi damit schneller um die Kurven kommt und auf schnellen Autobahngeraden weniger nervös reagiert.

Eine praktische Seite hat die von Espace & Co. übernommene Technologie übrigens auch: Weil die Räder in oder gegen die Lenkrichtung jeweils ein paar Grad eingeschlagen werden, lässt sich der Kombi auch leichter in Parklücken rangieren.

Als technisches Highlight spendiert Renault dem neuen Mégane Kombi die erste Allradlenkung im Segment. Damit wird er agiler als jeder Geländewagen. 

Renault Mégane Grandtour.
bild: spon

Designoffensive

Auffälliges Design ist kein Privileg von SUV und Geländewagen, sagt Daisuke Tsutamori. Er ist Projektleiter für die zehnte Generation des Honda Civic und belegt mit dem neuen Fünftürer seine Behauptung. Offiziell handelt es sich bei dem Civic noch um eine Studie, aber angeblich stimmt das Konzeptfahrzeug zu mehr als 80 Prozent mit dem für 2017 geplanten Serienauto überein.

Gut so, denn der Kompaktwagen sieht herrlich wütend aus. Elegant ist das kantige und böse blickende Design mit den stechenden Scheinwerfern und dem scharfen Spoiler am Coupé-Heck vielleicht nicht gerade, aber es fällt zumindest auf.

Ebenfalls mit einem besonderen Augenmerk aufs Design hat Kia seine Mittelklasselimousine Optima zum ersten Mal zum Kombi umgebaut – nur, dass der koreanische Hersteller bei diesem Sportswagon nicht auf einen aggressiven Raumfahrtlook setzt, sondern ein schickes Business-Dress anlegt.

Mit dem Wechsel in die zehnte Generation wird der Civic zum Weltauto und geht deshalb deutlich in die Länge. Weil er aber auch flacher und breiter wird, sieht er entsprechend schnittiger aus.

Honda Civic.
bild: spon

Preisoffensive

Fiat setzt im Kampf gegen die SUV und CrossOver beim neuen Tipo schlicht auf die grosse Überzeugungskraft eines kleinen Preises. Schon die Limousine, die mit Eintauschprämie für gut 13'000 Franken feilgeboten wird, ist eine Kampfansage. Wirklich spannend wird es, wenn jetzt für jeweils rund 1100 Franken mehr ein konventionell geschnittener Fünftürer und vor allem der Kombi nachgereicht werden.

Damit rücken die Italiener geschickt an die Stelle, die Skoda so langsam verlässt und werden zum Preisbrecher in der Kompaktklasse: Deutlich schicker gezeichnet, moderner motorisiert und besser ausgestattet als Dacia, aber lange nicht so teuer wie Kia & Co. bieten sie den Kopfkäufern schlicht den besten Deal.

Kompaktklasse zum Kleinwagenpreis - mit diesem Argument drückt Fiat den neuen Tipo in den Markt und baut ihn aus Kostengründen in der Türkei. 

Fiat Tipo.
bild: spon

Platzoffensive

Noch einer und noch einer und noch einer – wer die Gäste auf dem Toyota-Stand im neuen ProAce verschwinden sieht, der braucht zum Zählen fast alle Finger. Schliesslich bietet die neue Grossraumlimousine, die es baugleich auch als Peugeot Traveller und als Citroën Spacetourer gibt, bis zu neun Sitzplätze und ist damit selbst den grössten Möchtegern-Geländewagen überlegen. Und auch ein Ladevolumen von fast fünf Kubikmetern sucht man bei den SUV vergebens.

Zugegeben: Diese Wagen kommen aus der Nutzfahrzeugsparte. Doch haben es die Kooperationspartner geschickt verstanden, den Kleinbussen ihr sprödes Transporterimage auszutreiben. Zum konkurrenzlosen Platzangebot und Sitzlandschaften mit mehr Variabilität als bei jedem Geländewagen gibt es deshalb durchaus konkurrenzfähige Assistenzsysteme und ein Ambiente, für das man sich neben Hyundai Santa Fe oder Mazda CX-5 nicht schämen muss.

Bis zu neun Plätze oder fast fünf Kubikmeter Laderaum machen das baugleiche Trio Citroen SpaceTourer, Peugeot Traveller und Toyota ProAce zu den geräumigsten Neuheiten des Salons.

Citroën SpaceTourer.
bild: spon

Täuschungsoffensive

Innen Grossraumlimousine und aussen Geländewagen – so will der neue Renault Scénic die Kunden bei der Stange halten und das Schrumpfen des Van-Segments stoppen. Innen lässt der französische Familienfreund mit seiner variablen Sitzlandschaft, den praktischen Schubladen für den Kleinkram oder einer verschiebbaren Mittelkonsole an seiner Bestimmung keinen Zweifel.

Doch aussen spricht das Design eher den SUV-Fan an: Designchef Laurens van den Acker hat dem Van ein bulliges Gesicht gezeichnet, die Bodenfreiheit um vier Zentimeter angehoben, die Radläufe stark betont und so lange mit den Einkäufern gestritten, bis sie ihm die wuchtigen 20-Zöller als Serienausstattung genehmigten.

Der neue Renault Scenic gibt sich bullig - und steht vier Zentimeter höher über dem Asphalt als sein Vorgänger.

Renault Scenic.
bild: spon

Egal ob Preisbrecher oder Platzwunder, Technologieträger, Hingucker oder Täuscher – eines können all die neuen Anti-SUV nicht bieten: Allradantrieb. Aber die meisten Geländewagen werden von der Kompaktklasse abwärts ohnehin längst als Fronttriebler gekauft.

In Genf zeigen sie wieder Autos (die sich kein normaler Mensch leisten kann)

Abonniere unseren Daily Newsletter

7
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Olaf! 04.03.2016 10:51
    Highlight SUV sind vor allem auch ein Marketingerfolg. Denn wie bei jedem Produkt werden mit dem SUV auch Träume bzw. die potentielle Erfüllung derselben mitverkauft. Rein logisch macht ein SUV, wie auch schon von zB. Fonzie erwähnt, keinen Sinn. Wirklich für echtes Offroadfahren, sind sie mit teilweise nur Frontradantrieb, ohne Sperrdiff nicht brauchbar und über den Kiesweg kommt man auch im Kombi. Was die Leute aber trotz allem dazu bringt einen SUV zu kaufen sind die Träume/Möglichkeiten die man mitkauft (abenteuerlich, Ausbruch aus Alltag, vorbereitet auf alles, Sicherheit, geborgenheit usw.).
    2 0 Melden
  • Fonzie 04.03.2016 06:41
    Highlight SUVs sind ja auch keine logische Wahl ... Ich möchte doch entweder: rassigen Fahrspass, Freiheit, heisses Design. Also fahre ich einen Sportwagen. Oder: Viel Platz für Familie, Gepäck etc. Dann fahre ich einen Kombi. Alles dazwischen ... Nun ja, etwas sinnfrei :)
    4 0 Melden
  • Zeit_Genosse 04.03.2016 05:49
    Highlight Was spricht bei den Mini-SUV an? Erhöhte Sitzposition, Design, das sich nicht als Kinderwagen-VAN präsentiert und eine Prise Unabhängigkeit als potenziell geländefähiges Auto. Aber auch das Mehr an Blech suggeriert mehr Sicherheit, das Frauen wichtig ist. SUV richten sich an die Emotionen, die beim Autokauf immer noch mitschwingen. Ist doch ein Autokauf auch Ausdruck der finanziellen Potenz. Für die grossen SUV kommt noch die Grösse und starke Motorisierung dazu. Männer stehen drauf. SUV bleiben cooler als Kombis und Vans, obwohl zwischenzeitlich nur das Design unterschiedlich ist.
    2 3 Melden
    • northpole 04.03.2016 10:48
      Highlight Da bin ich gleicher Meinung. Das ewige "Fürwasbruuchschdänndä?" kann ich nicht mehr hören. Ich finde sie einfach schön und ich stehe auf grosse Autos. Nein, ich bin normal bestückt :)

      Mich dünkt, oft betiteln Leute, die keine Ahnung haben, einfach mal proaktiv alles Grosse als Dreckschleuder. Aber da säuft ein Audi RS6 (ein Kombi) mindestens gleichviel, wenn nicht noch mehr Moscht als ein Audi Q7 (ein SUV). Aber er ist halt ein Kombi und darum sparsamer. Quatsch. Im übrigen ist es ja mein Portmonee und mit dem kan ich soviel Benzin kaufen und Strassenverkehrsabgaben zahlen wie ich möchte :)
      3 1 Melden
  • Electric Elephant 04.03.2016 00:18
    Highlight Hm... Mit SUV's konnte ich mich noch nie anfreunden. Wahrscheinlich ja mein Fehler - aber warum seh ich immer im Geiste das Wort Minderwertigkeitskomplex, wenn so ein Teil an mir vorbeifährt? Aber ich gebe ja zu da bin ich nicht ganz Vorurteilsfrei...
    Aber leider finde ich auch die meisten anderen modernen Autos nicht wirklich schön. Warum immer so klobig? Warum nicht mal wieder elegantere und ein bisschen schmalere Autos... Warum durften früher Autos schön sein und jetzt nicht mehr? Ich denk da zum Beispiel an frühere Modelle von z.B. Alfa, Citroën, Saab... Schade...
    12 5 Melden
  • Hackphresse 03.03.2016 23:28
    Highlight Muss es wieder sagen. In Sachen Design machen die Hersteller endlich vorwärts! Das ist echt toll! Und ein Van mit serienmässigen 20 Zöllern? Say whaaat?! 😝😝
    Endlich! Endlich ist ende mit dem designerischen Einheitsbrei unter den marken! Wem fällt es noch auf dass ein A3, Skoda (fabia glaubs) Seat Leon, auf dem Golf basieren (modularer querbaukasten)? Natürlich auf den dritten und vierten blick sieht mans. Aber hässlich sind keine mehr von denen.
    4 5 Melden
    • Gantii 04.03.2016 07:22
      Highlight sehen ja sowieso alle gleich aus.
      2 0 Melden

Tödlicher Tesla-Unfall im Tessin: Feuerwehr spekulierte über Brandursache

Update: Der Facebook-Post ist nicht mehr verfügbar.

Das Feuer beim tödlichen Unfall mit einem Tesla-Auto auf der A2 im Tessin am Donnerstag könnte wegen einer Überhitzung des Akkus – durch einen heftigen Schlag – ausgelöst worden sein. Dies schreibt die Feuerwehr von Bellinzona in einer Mitteilung auf Facebook.

Tesla untersucht den Vorfall.

In dem Facebook-Post der Feuerwehr wurde auf einen italienischen Technik-Blog verlinkt, dessen Beiträge sich um Brandbekämpfung drehen. Zu den Autoren …

Artikel lesen