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Jaguar F-Type Coupé V8 R

Ein Coupé mit wuchtigem Hinterteil. Jaguar

Jaguar F-Type Coupé

Das Feste kommt zum Schluss

Jaguars F-Type-Cabrio ist schon beeindruckend, doch mit dem Coupé setzen die Briten dem neuen Sportwagen die Krone auf. Mit fest verschweisstem Dach sieht der Sportwagen nicht nur stimmiger aus - er fährt sich auch viel besser.

29.03.14, 10:38

Ein Artikel von

Tom Grünweg, Spiegel Online

Der erste Eindruck: So soll es sein. Schon das Cabrio hat eine faszinierende Form. Aber erst mit Dach wird der neue F-Type ein richtig schönes Auto.

Das sagt der Hersteller: «Das neue Coupé ist der ultimative Sportwagen von Jaguar, auf den wir fünfzig Jahre warten mussten», sagt Projektleiter Ian Hoban. Vor fünfzig Jahren, was war denn da? Ach ja, stimmt ja: Der E-Type kam auf den Markt.

Hierzulande wird der F-Type allerdings gern mit dem Porsche 911 verglichen. Davon fühlen sich die Verantwortlichen überraschend nicht geschmeichelt. Hoban: «Wir wollten keinen neuen Neunelfer machen, sondern eine Alternative bieten.» Fakt ist: «Beim F-Type-Cabrio steigen drei von vier Kunden von Konkurrenten um, beim Coupé soll die Eroberungsrate sogar auf 90 Prozent steigen.»

«Auch dank des F-Type waren wir im vergangenen Jahr die am schnellsten wachsende Premiummarke der Welt», sagt Marketing-Mann Wayne Darley und verweist auf 77.000 Zulassungen.

Glatt gemacht: Damit nur ja keine Schnörkel die Seitenlinie stören, sind die Türgriffe - wie schon beim Cabrio - versenkt.  Jaguar

Das ist uns aufgefallen: Was für ein Auftritt! Gerade als Coupé sieht der F-Type nicht nur leidenschaftlicher aus als ein Porsche 911, er ist auch beim Fahren das emotionalere Auto. Ja, der Porsche mag präziser, besser beherrschbar und leichter zu berechnen sein. Aber verglichen mit dem Jaguar ist er kühl und nüchtern.

Schon das Fauchen beim Anlassen ist beeindruckend, und wenn der F-Type antritt, ist das grosses Kino: Die Gänge knallen heftiger ins Getriebe, als es eigentlich nötig wäre. Die Stabilitätskontrolle lässt genug Spiel für atemberaubende Drifts. Die Fehlzündungen und Zwischengasstösse sind auf maximalen Showeffekt programmiert. Man hört den Antrieb bollern und kreischen, man hört das schlürfende Ansauggeräusch und das Singen der Kompressoren, bis einem die Ohren klingeln. Und der Klappenauspuff ist so laut und unflätig, dass man bei der Testfahrt gebeten wird, ihn bei der Ortsdurchfahrt besser zu schliessen.

Selbst wenn die Klangkulisse im Coupé sogar etwas verhaltener wirkt als im Cabrio, ist das Fahrererlebnis noch einmal intensiver. Man fühlt sich mehr als Teil des Ganzen, spürt die Strasse besser und profitiert von den konstruktiven Vorteilen des geschlossenen Modells: Die Karosserie ist um 50 Prozent steifer, so dass man selbst auf schlechter Fahrbahn keinerlei Verwindung bemerkt.

Und zumindest beim Exteriör ist Designchef Ian Callum detailverliebt zu Werke gegangen. Während ein Serienmodell normalerweise kaum ein Blechteil mit einer Studie gemein hat, ist es in diesem Fall genau umgekehrt: Es braucht schon detektivisches Geschick, um die Änderungen im Vergleich zur Studie C-X16 aus dem Jahr 2011 zu finden. "Wir haben allein drei Monate gefeilt, um für das Serienmodell die letzten zwölf Millimeter zu gewinnen, die für die flache Motorhaube gefehlt haben", berichtet Callum vom Ringen um die ideale Form. Tagelang wurde das flache Dach diskutiert, mit der Folge, das der Wagen für Menschen mit mehr als 1,90 Meter Körperlänge eher unbequem ist.

So detailverliebt die Karosserie, so durchschnittlich das Innenleben: Das Cockpit ist auf den Fahrer fokussiert, gut ablesbar und schön aufgeräumt. Aber die Materialien wirken wie die Rechtfertigung für einen möglichst niedrigen Einstiegspreis. Das Navigationssystem hinkt rund eine Generation hinterher und wenn man nach hinten blickt, sieht man ein Kunststoffgebirge, das sich vor dem Kofferraum auftürmt.

So elegant und gelungen der Wagen von aussen aussieht, so durchschnittlich wirkt er im Innenraum. Jaguar

Das muss man wissen: Das F-Type Coupé steht ab Mitte April bei den Händlern und ist nicht nur das bessere, sondern auch das günstigere Auto: Mit 67.000 Euro kostet die Basisversion 7000 Euro weniger als das Cabrio. Dafür gibt's einen drei Liter grossen V6-Kompressor mit 340 PS und 260 km/h Spitze. Wer 11.500 Euro mehr bezahlt, bekommt den V6S, in dem der gleiche Sechszylinder auf 380 PS kommt. An der Spitze steht für 103.700 Euro das Model mit dem 5-Liter-V8-Motor, der im Coupé den Beinamen R trägt. Das Kürzel kommt nicht von ungefähr: Gegenüber dem Cabrio legt die Maschine um zehn Prozent Leistung zu und entwickelt nun 550 PS.

Zum stärkeren Motor gibt es noch ein paar Finessen aus dem Rennsport-Regal. Als erster Jaguar aus der Serienproduktion kann man das R-Coupé mit Karbon-Bremsen bekommen. Und ebenfalls zum ersten Mal bei Jaguar gibt es ein Torque-Vectoring-System: Sobald die Elektronik ein Untersteuern befürchtet und der Wagen in der Kurve zu weit nach aussen drängt, werden die jeweils inneren Räder ganz leicht angebremst und es reisst den F-Type förmlich zurück in den entsprechenden Radius.

Das werden wir nicht vergessen: Wie wunderschön es ist, dem neuen Coupé hinterher zu fahren und sich an der Kehrseite zu ergötzen - solange der Jaguar hübsch langsam ist. Denn sobald der F-Type schneller fährt als Tempo 100, schnappt aus dem Heckdeckel ein Spoiler empor. Der ist wichtig für die Stabilität, für die Ästhetik ist das Teil aber ein Graus.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 29.03.2014 20:54
    Highlight Als V8 Kompressor-Fahrer einer anderen Marke sage ich. Sehr schön gelungen und der R ist die richtige Wahl. Die kleineren V6 sind für die "Massentauglichkeit" und Stückzahlen, als Kompromiss an die Wirtschaftlichkeit. Der im Vergleich zu anderen Premiummarken verhältnismässige günstige Preis ist nicht imageförderlich und mit zinsgünstigem Leasing werden wir Bubis damit rumröhren sehen. Das tut der Marke dieses indischen - leider nicht mehr britischen - Sportwagens nicht gut und so sehe ich eher den Vergleich mit einem 370Z statt mit einem Porsche. Ich jedoch, lass mich von der gelungenen Form alleine nicht verführen. Der ausfahrbare Spoiler ist nämlich hässlich und ein billiges Showelement, was nicht nötig wäre. Andere Marken schaffen es schöne Autos mit stabiler Dynamik und ohne Spoilerspielerei zu schaffen (Maseratti, Aston Martin, Ferrari). Ok, das die spielen in einer eigenenen GT-Liga, zeigen aber den Weg, dem man im Design auch gehen kann und trotzdem überzeugend die Spur hält. Trotzdem freue ich mich auf belebte Strassen und werde vom Röhren weniger mitkriegen, weil es hinter mir stattfinden wird ;)
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