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Lustig vs. Nicht lustig

Die Tops und die Flops der Medien-Aprilscherze

Die Medien verlernen die Kunst der Aprilscherz-Produktion. Nicht der Aprilscherz selber soll amüsieren, sondern was er auslöst. Die Faktoren Tarnung und Aktivierung sind zentral. Wer es richtig gemacht hat und wer nicht.

Auch dieses Jahr findet sich in den Medien eine grosse Anzahl an mehr oder weniger gelungenen Aprilscherzen. Nur wenige der Autoren scheinen aber noch zu wissen, was einen gelungenen Aprilscherz ausmacht. Schliesslich geht es nicht darum, einen möglichst lustigen Artikel zu schreiben oder Beitrag zu produzieren. Ziel muss sein, dass die Leser, Zuschauer, Hörer oder auch ein einzelnes Opfer auf den Scherz in irgendeiner Form reagieren, die es jemandem erlaubt, ihnen «April, April» ins Gesicht oder in den Telefonhörer zu rufen. Dazu ist eine perfekte Tarnung nötig, was bedingt, dass der Aprilscherz selbst überhaupt nicht lustig ist.  

Erst die Faktoren «Tarnung» und «Aktivierung» führen zum durch Schadenfreude ausgelösten «Amüsement», dem eigentlichen Ziel eines jeden Aprilscherzes.  

Hier die Tops und die Flops der Schweizer Medien-Aprilscherze 2014: 

TOP

1. Matthias Hüppi im «HeuteMorgen» auf Radio SRF 1  

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Sven Epiney hat Sportmoderator Matthias Hüppi in aller Herrgottsfrühe als Gesprächgast in seine Morgensendung «HeuteMorgen» eingeladen, aber kein Gespräch mit ihm geführt. Vielmehr war Epiney bei der Ankunft Hüppis überhaupt nicht im Studio, als Hüppi ankam. Wegen einer «Dispo-Panne». Zeitgleich mit Hüppis Ankunft schaltete die Onlineredaktion die Moderationsanzeige auf «Am Mikrofon: Matthias Hüppi». Dieser machte das beste aus seiner Situation und tat, was er immer tut: Sprechen. Der Sportmoderator, der im Vorfeld offenbar keinen Verdacht geschöpft hatte, scheiterte erst an der Schaltung zu den Verkehrsmeldungen. 

Tarnung: 10
Aktivierung: 10
Amusement: 10


2. Konkurs Radio 3fach

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Korrekturmeldung der SDA. Bild: Blickamabend.ch

Der Luzerner Sender Radio 3fach verbreitete schon gestern die Meldung, der Sender sei Konkurs, die Konzession entzogen und der Sendebetrieb werde eingestellt. Die Nachrichten-Agentur SDA verbreitete die Meldung an sämtliche Kunden, nachdem der Programmleiter auf Nachfrage erklärte, dass es sich nicht um einen Aprilscherz handle. Nach dem zu spät durchgeführten Fact-Checking beim Bundesamt für Kommunikation, musste die SDA die Meldung zurückziehen. SDA-Chefredaktor Bernard Maissen* stellte eine beleidigte Rechtfertigung ins Netz. Einziger Wermutstropfen: Die Tarnung funktionierte nur, weil die Meldung einen Tag zu früh verbreitet worden ist. 

Tarnung: 10
Aktivierung: 9
Amusement: 9,5

3. Gripen auf dem Flugplatz Hausen am Albis

Auch der «Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern» weiss, wie es geht. Auf dem Flugplatz Hausen lande heute ein Gripen, was dem Flugdienstleiter selbst nur durch eine Indiskretion bekannt gemacht worden sei. Der Text verzichtet auf Kalauer, der Flugleiter posiert für das Bild, was der ganzen Angelegenheit Glaubwürdigkeit verleiht. Obwohl das VBS den Termin geheim halten wolle, habe das Flugplatzmanagement entschieden, die zu erwartenden Schaulustigen anlässlich der Gripen-Landung um 15 Uhr mit Wurst und Bier zu verpflegen. Faustregel: Da tauchen immer ein paar Schnäppchenjäger auf.

Tarnung: 9
Aktivierung: 8
Amusement: 8,5

FLOP

1. Die CD der Bischöfe

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Heutige Ausgabe La Liberté

Die Freiburger Tageszeitung «La Liberté» veröffentlichte die Meldung, dass drei Bischöfe eine CD aufgenommen hätten und diese seit dem Morgen im Verkauf sei. Die gute Idee ist indes mangelhaft umgesetzt. Der Link zum Youtube-Clip ist der Meldung angehängt.  Wer sich das Video anschaut, entlarvt den 1.-April-Scherz sofort und wird sich den Weg in den Plattenladen sparen. 

Tarnung: 0
Aktivierung: 1
Amusement: 0,5

2. Mammut-Skelett auf Baustelle 

Der Skelettfund auf der Baustelle ist einer der Klassiker unter den medialen Aprilscherzen. In diesem Fall der «Südostschweiz» ist er leider nicht nach den Regeln der Kunst fabriziert worden. Es ist kein Apéro Riche um 11.00 Uhr direkt an der Fundstelle angekündigt, und eine allfällige Ausstellung des Skeletts ist nur als «wahrscheinlich» und zu einem «späteren Zeitpunkt» in Aussicht gestellt. 

Tarnung: 4
Aktivierung: 3
Amusement: 3,5

3. Schweizer Diplomaten-Delegation auf der Krim

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Frontseite BaZ

Die «Basler Zeitung» berichtet heute, dass die Schweiz die Krim als unabhängigen Staat anerkenne und die Halbinsel mittels umfassender Handels- und Tourismusabkommen die «Schweiz des Schwarzen Meeres» werden soll. Mit Hotels, Uhren- und Schokoladengeschäften, Taschenmessern, Bankfilialen und pünktlichen ­Zügen. Der Scherz soll dem Aussendepartement (EDA) wohl erboste Anrufe besorgter Neutralitätsverteidiger bescheren. Aber: Who cares? Und die Schadenfreude hält sich bei diesem Scherz in Grenzen, weil die Opfer (EDA-Telefonistinnen) unschuldig sind. 

Tarnung: 6
Aktivierung: 6
Amusement: 6

* In der ursprünglichen Version dieses Artikels war der Name des SDA-Chefredaktors Bernard Maissen falsch geschrieben und nachträglich korrigiert worden. Wir entschuldigen uns für den Fehler.



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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • DanJ 01.04.2014 17:03
    Highlight Highlight Am meisten gelacht habe ich dieses Jahr hier: http://www.kurzpass.ch/artikel/degen-zwillinge-investieren-im-silicon-valley
    0 0 Melden
  • Chaose 01.04.2014 14:41
    Highlight Highlight Der "Scherz" von 3fach ist eher eine sauglatte PR-Aktion - darum haben sie wohl auch die SDA angelogen: grösserer Impact. Und das Witzli ist nicht einmal lustig.
    2 2 Melden
  • David Kunz 01.04.2014 14:23
    Highlight Highlight Naja, Hüppi war ja nun kein Medien-Aprilscherz im klassischen Sinne, zumal nur gerade eine Person in den April geschickt wurde, nämlich Hüppi selber - oder hab ich das in aller Früh falsch verstanden?
    2 0 Melden
    • klugundweise 01.04.2014 16:12
      Highlight Highlight Genau. Es nervt sowieso, wenn sich Radio- und Fernsehmoderatoren gegenseitig zur Selbst-Beweihräucherung in ihre Sendungen einladen.
      1 0 Melden

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