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«Ich bin eine ukrainerin»

Warum braucht jeder Protest eine junge, schöne, weibliche Ikone?

Ein Video mit dem Titel «I Am a Ukranian» verbreitet sich derzeit viral im Internet. Darin appelliert eine junge Frau in Kiew an die Weltgemeinschaft, ihren Freiheitskampf zu unterstützen. Das Video ist auf YouTube bereits über fünf Millionen Mal angeklickt worden.

Video: Youtube/Whisper Roar

Wo immer auf der Welt demonstriert wird, wird irgendwann eine Frau zur Ikone der Proteste erklärt.

Neda Soltani, Tehran, 2009

Undated image from a video being widely circulated on the internet via YouTube and Twitter Sunday June 21 2009 reportedly showing a badly injured girl identified as Neda. Like most of the information coming out of Tehran, it is impossible to verify her name or the circumstances of her injuries, captured close-up on a bystander's camera, but the gory images are fast becoming iconic in the on-going story from which mainstream international media have mostly been excluded . Iranian state media reported on Sunday 13 more deaths in confrontations between protesters and security forces and the government condemned key European powers for expressing concern about the disputed presidential election. (AP Photo) ** AMATEUR VIDEO TV OUT  EDITORIAL USE ONLY NO SALES NO ARCHIVE.  LOCATION DATE AND AUTHENTICITY OF THIS PUBLICLY AVAILABLE VIDEO  CANNOT BE VERIFIED BY THE AP **

Bild: AP

Bilder entwickeln in solchen Situationen eine besondere Macht: Sie definieren Aggressor und Opfer und können so einen beliebig komplexen Konflikt auf einen Kampf von Gut gegen Böse reduzieren.

Die «Frau im blauen BH», Kairo, 2011

Image

Bild: Reuters

Die Wahrnehmung der Frau als das schwache Geschlecht verstärkt den Eindruck der übermächtigen, brutalen Staatsgewalt.

Ceyda Sungur, die «Frau im roten Kleid», Istanbul, 2013

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Bild: Reuters

Weiter fällt auf, dass die Ikonisierung offenbar nur bei attraktiven Frauen funktioniert. Man könnte sich fragen, ob Andrea Stauffacher unter anderen Umständen mehr Sympathie in der Bevölkerung geniessen würde.

Andrea Stauffacher (Schwarzer Block), Zürich, 2008 

Die Linksaktivistin Andrea Stauffacher, wird von der Polizei verhaftet, am Samstag, 3. Mai 2008 in Zuerich. Rund 20 Personen sind am Samstagnachmittag in der Stadt Zuerich dem Aufruf des Revolutionaeren Buendnis zu einer unbewilligten Demonstration gefolgt. Sie wurden noch am Besammlungsort beim Helvetiaplatz von der Polizei verhaftet. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Bild: KEYSTONE

Ganz so einfach ist es zum Glück aber nicht: Obwohl sie jung und hübsch war, bleibt Gudrun Ensslin eine verhasste RAF-Terroristin.

Gudrun Ensslin (Rote Armee Fraktion), Frankfurt, 1968

Andreas Baader und Gudrun Ensslin in der Anklagebank vor der Urteilsverkuendung im Brandstifter-Prozess in Frankfurt am 31. Oktober 1968. Die zwei Angeklagten erhielten je drei Jahre Zuchthaus. Baader und Ensslin gehoerten der Baader-Meinhof-Gruppe an, einer Art Vorlaeufer der linksextremen deutschen Terrororganisation Rote Armee Fraktion RAF. (KEYSTONE/AP/Str)

Bild: AP

Überhaupt ist die Idee alles andere als neu: Eugène Delacroixs berühmtes Gemälde «La Liberté guidant le peuple» entstand 1830 anlässlich der Julirevolution.

La Liberté/Marianne, Paris, 1830

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Bild: Artres



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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Riccardo 27.06.2014 15:09
    Highlight Highlight Bei Femen klappts auch ;)
  • patrikwoerz 21.02.2014 13:26
    Highlight Highlight ...junge, schöne, weibliche Ikone - Andrea Stauffacher :-D
  • hpm 21.02.2014 13:05
    Highlight Highlight Ich glaube einfach, dass die Medien diese suchen - bis es dann so passt.
    • Kian 21.02.2014 13:22
      Highlight Highlight Das hat etwas. Im Fall der Ukraine dürfte das Video aber spezifisch mit diesem Ziel entstanden sein. Und die Protestbewegungen nehmen den Ball nachher auch dankend wieder auf.
      User Image
  • bluebird 21.02.2014 12:57
    Highlight Highlight weil alle Fotografen Männer sind ?
    • Olaf 21.02.2014 14:48
      Highlight Highlight Naja, die Fotografen knipsen auch Tausende von männlichen Protest-Teilnehmern. Aber das Bild mit einer Frau im Mittelpunkt von körperlicher Gewalt ist einfach ein viel mächtigeres, emotionaleres.

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