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Polizisten in Chicago: Den Schlagstock griffbereit. Bild: © ERIC THAYER / Reuters/REUTERS

Rassistische Ordnungshüter?

Polizeigewalt in den USA: 6 Fakten, die die Proteste in einem anderen Licht erscheinen lassen

Michael Brown, Eric Garner, Rumain Brisbon, Tamir Rice – die Todesopfer bei Einsätzen sind zum Synonym geworden für die Polizeigewalt in den USA. 

07.12.14, 22:50 08.04.15, 10:19

1. Tötungen durch die Polizei werden systematisch vertuscht

Zahlen zu tödlicher Polizeigewalt in den USA sind rar. Das FBI veröffentlicht zwar eine jährliche Liste von Tötungen durch Polizisten. Diese leiden aber an mehreren Defiziten: Erstens sind die Zahlen unvollständig. Das liegt daran, dass in den USA für die lokalen Polizeikräfte keine Pflicht besteht, ihre Daten an eine übergeordnete staatliche oder nationale Stelle weiterzuleiten. Längst nicht alle der mehreren Tausend Polizeiämter liefern ihre Daten an die FBI-Zentrale. 

Zweitens werden die Zahlen nach ihrer Veröffentlichung durch lokale Polizeistellen vom FBI nicht überprüft. Und drittens werden nur sogenannte «justifiable homicides» aufgeführt. Dabei handelt es sich nicht um eine rechtliche Kategorie, sondern um die Bezeichnung für Tötungen, die «in-line-of-duty», also während der Ausübung von Polizeieinsätzen erfolgten.

Die Schwankungen sind mit Vorsicht zu betrachten: Es könnte sich um tatsächliche Erhöhungen der tödlichen Fälle handeln.

Die von dem FBI veröffentlichten Daten weisen für das Jahr 2013 eine Zahl von 461 durch Polizisten getötete Personen aus, 2012 fielen 426 Menschen Polizeigewalt zum Opfer. Dabei handelt es sich also um das Minimum von durch Polizeigewalt getöteten Menschen in den USA. 

Auch wenn die FBI-Statistik unvollständig ist, ist sie durchaus hilfreich, und zwar, weil sie die Zahlen etwa nach Ethnie, Alter, sowie Umständen der Tötung aufschlüsselt. Die detaillierte FBI-Statistik ist zwar nicht öffentlich zugänglich, allerdings konnte die Newssite «Vox» einige Zahlen daraus veröffentlichen. Was Eric Garner, Michael Brown und Rumain Brisbon gemeinsam ist, ist, dass sie alle unbewaffnet erschossen worden waren. Von den 426 getöteten Personen wurden gemäss Vox 118 nicht erschossen, weil sie Polizisten angriffen, sondern weil sie:

Gemeinsam ist diesen Punkten, dass sie nicht Polizisten angriffen, dass also die Vermutung besteht, dass die beteiligten Polizisten nicht etwa in Gefahr waren und/oder dass die Opfer keine Gefahr für die Öffentlichkeit waren. 

2. Mehr als nur eine gefühlte Unverhältnismässigkeit

An der Gesamtbevölkerung der USA haben Schwarze einen Anteil von 13 Prozent. 

Gesamtbevölkerung der USA, aufgeteilt nach Rasse/Ethnie.

Indes ist der Anteil von Schwarzen, die bei Polizeieinsätzen getötet werden, deutlich höher, wie diese Grafik zeigt:

Anteil von Zivilpersonen, die während versuchten Verhaftungen von Polizisten getötet wurden.

Proteste in Los Angeles nach dem Entscheid einer Jury, den Polizisten Darren Wilson nicht anzuklagen. Bild: X03007

3. Facebook: FBI lügt – es waren 2014 schon 1022 Todesfälle infolge Polizeigewalt

Spätestens seit seinen exakten Prognosen bei der Präsidentschaftswahlen 2008 gilt Nate Silver als Doyen des Datenjournalismus in den USA. Auf seinem Blog FiveThirtyEight publizieren er und sein Team regelmässig Studien und Statistiken. In einem Beitrag vom 12. September zeigt Silver die oben erwähnten Mängel der Mordstatistik des FBI auf. 

Die zuverlässigsten Daten zu Mordraten in den USA liefert gemäss seiner Einschätzung eine Facebook-Seite namens «Killed by Police». Die Seite beruft sich bei ihren Zahlen alleine auf Medienberichte. Ihren Angaben zufolge wurden in diesem Jahr bis heute bereits 1022 Todesfälle infolge von Polizeigewalt verzeichnet.

Eine Auswertung der «Washington Post» für 775 Städte zeigt, dass Polizeikorps im Vergleich zur Bevölkerung mehrheitlich mit Weissen besetzt sind. Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

4. Schwarze misstrauen der Polizei

watson/datawrapper/pew research 

Das renommierte Umfrageinstitut Pew Research Center hat in einer grossangelegten Studie die Rassenunterschiede in den USA beleuchtet. 46 Jahre nach Martin Luther Kings Tod sind die Resultate ernüchternd. Während 75 Prozent aller weissen Befragten der Meinung sind, dass die Polizei die verschiedenen Ethnien und Rassen fair behandelt, schrumpft diese Zahl bei den schwarzen Befragten auf 30 Prozent. 

Umgekehrt glauben 70 Prozent der Schwarzen, dass Polizisten bei Fehlverhalten nicht oder nur ungenügend zur Verantwortung gezogen werden. Vor dem Hintergrund, dass überdurchschnittlich viele Polizisten weiss sind – in Ferguson beispielsweise sind bei einem Bevölkerungsanteil von 67 Prozent Schwarzen sind gerade einmal 3 von 53 Polizisten schwarz – kann dieses Misstrauen zu einer Vertiefung des ethnischen Grabens führen.

5. Schwarze verbüssen für dieselben Verbrechen längere Strafen

Quelle: Bonczar T. (2003): Prevalence of Imprisonment in the US; Bureau of Statistics. Bonczar

Die Wahrscheinlichkeit, eines Tages im Gefängnis zu landen, ist bei Schwarzen und Latinos um ein Vielfaches höher als bei weissen Amerikanern. Jeder dritte schwarze Amerikaner sitzt gemäss einer Studie des «Sentencingprojects» einmal in seinem Leben im Gefängnis. 

Bei den Hispano-Amerikanern ist es jeder Sechste, bei weissen Amerikanern nur jeder 17. Laut einem Bericht der amerikanischen Newssite Vox verbüssen schwarze Amerikaner für das gleiche Verbrechen durchschnittlich 20 Prozent längere Gefängnisstrafen als Weisse. 

Gefängnisinsassen im California Institute for Men in Chino, Kalifornien.  Bild: CALIF. DEAPRTMENT OF CORRECTIONS

6. So hoch ist die Mordrate in den USA

Im Jahr 2013 starben 12'253 Personen infolge von Gewaltakten. Schwarze machten dabei 51 Prozent der Mordopfer aus, während ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung bei gerade mal 13 Prozent liegt. Das Risiko für Schwarze, einem Gewaltverbrechen zum Opfer zu fallen, liegt also deutlich höher als bei allen anderen Minderheiten. 

Die «NZZ» weist allerdings in einem Artikel vom 29. November darauf hin, dass Schwarze mehrheitlich von Schwarzen getötet werden. Tatsächlich ist dasselbe Phänomen auch bei weissen Opfern von Gewaltverbrechen zu beobachten. Mit anderen Worten: Schwarze bringen Schwarze um, Weisse Weisse, und so weiter. 

Eine mögliche Erklärung liefert die Verteilung innerhalb der Wohnbevölkerung: In strukturschwachen Ballungszentren rund um die Great Lakes und im Süden des Landes existieren regelrechte Ghettos mit schwarzen Einwohnern, während gutbetuchte Weisse beispielsweise in Neuengland in vielen Gemeinden unter sich bleiben.

Bild: Datawrapper

Gewalt in Ferguson nach Gerichtsentscheid

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 09.12.2014 15:30
    Highlight solidaritaet ist gefragt ;)
    11 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.12.2014 14:08
    Highlight Der bericht, an sich gut und richtig, doch etwas einseitig.

    In von afroamerikanern bewohnten grossstadtgebieten machte ich immer eher einen groesseren bogen, die chancen nicht opfer zu werden sind einfach besser. In diesen gebieten richtet sich die gewalt gegen jeden, im besonderen gegen nicht afroamerikaner. Und keiner hat je ueber den rassismus der schwarzen wirklich berichtet.

    Auch klar der "sheriff" ist (steht ueber) gott. Er hat die macht und wird sie skrupellos gegen mich ausnutzen mache ich einen mucks. Dabei ist egal welche hautfarbe ich habe. (Klappe halten bzw. Yes-Sir, shure)
    16 9 Melden
    • Tilman Remmers 18.12.2014 23:01
      Highlight Die Sache ist aber die, dass es einen Grund dafür gibt, dass das Risiko in Gefahr zu geraten in solchen "Ghettos" größer ist als in "white neighborhoods". Es ist nämlich auf die gesetzliche Rassentrennung zurück zu führen, da damals die Ghettos entstanden sind und wenn man über mehrere Jahrzehnte geschlossen in einem Gebiet lebt was von dem Staat wenig unterstützt wird, dann entsteht sehr schnell ein erhöhtes Maß an Kriminalität.
      Und der "Rassismus der Schwarzen" ist auch nur eine Reaktion auf den Hass und die Chancenungleichheit mit der die meisten Schwarzen aufgewachsen sind.
      4 3 Melden
  • Yelina 08.12.2014 08:20
    Highlight Danke für diesen Bericht. Leider bekommen Schwarze in den USA auch eher die Todesstrafe als Weisse, die das selbe Verbrechen begangen haben...
    13 7 Melden
  • Goon 08.12.2014 06:07
    Highlight Gut zusammengefasste Fakten.. Sehr interessant zum lesen
    3 5 Melden
  • FlightSusi 08.12.2014 02:58
    Highlight Guter Text.
    2 3 Melden
  • catgifs 08.12.2014 00:41
    Highlight Interessante Perspektive! Heutzutage würde ich der Korrektheit halber aber eher "Afroamerikaner" als den negativ behafteten Begriff "Schwarze" gebrauchen...
    3 15 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.12.2014 00:35
    Highlight Die Mordrate unter Schwarzen ist also am höchsten und dennoch sind mehr als die Hälfte aller durch Polizisten getöteten Amerikaner sind also weisser Abstammung.
    Dieser 'Rassismus' ist eindeutig herbeifantasiert.
    Des weiteren wäre es interessant zu wissen wie die Statistik in urbanen Ballungsräumen aussieht , wo Schwarze einen grösseren Anteil an der Bevölkerung haben als auf dem Land.
    16 18 Melden
    • Tilman Remmers 18.12.2014 23:22
      Highlight Dieser Kommentar ist extrem Beleidigend für jeden Afroamerikaner.
      Der Rassismus ist zwar nicht im Gesetz festgelegt aber dafür bei der Mehrheit der (vor allem weißen) Bevölkerung der USA im Kopf festgesetzt.
      Viele Kinder wachsen damit auf, dass ihre Eltern ihnen sagen, dass sie sich lieber weiße freunde suchen sollen und dass alle Afroamerikaner als "Thugs" gesehen werden bis sie das Gegenteil beweisen. Und diese Kinder werden erwachsen und werden Polizisten.
      Wie das endet kann man ja sehen.
      3 4 Melden
  • Romeo 07.12.2014 23:03
    Highlight Danke für den interessanten Bericht. Ich stelle fest, dass Ihr das Wort Ethnie gebraucht. Gefällt mir :) Weiter so!
    20 6 Melden
    • Gelöschter Benutzer 09.12.2014 15:01
      Highlight @Romeo

      Political Correctness oder verwendung neu/extra geschaffener worte zur sprachlichen verschleierung ?, Euphemismen.......sind sie dadurch weniger rassist ?

      Neusprech blablablabla; Warum sollte/darf man das kind nicht mehr beim namen nennen, besonders wenns laengst damit ausgeschuettet wurde.

      6 5 Melden
    • Romeo 10.12.2014 00:41
      Highlight An Zzyzxx. Mir ist nur eine Rasse, nämlich die Menschenrasse bekannt. Deshalb erachte ich den Begriff Ethnie als absolut zutreffend um die verschiedenen Völker zu beschreiben.
      8 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 10.12.2014 12:36
      Highlight @romeo, teilweise einverstanden. Ich lege wert darauf, wenn ich von "rasse" rede dieses nicht abschaetzend bzw. in sinne der laengst rassenlehren frueherer zeit verstehe. Selbst verfassungen, EMRK, UNO reden von rassen. Rassismus mit sprachlichen veraenderungen zu begrenzen halte ich aber immer noch fuer bloedsinnig - aufklaerung/bildung bringt mehr. Ein negerkoenig wird weder schlechter noch besser als ein suedseekoenig.

      ps.
      Neuere veroeffentlichungen verweisen weiter darauf, dass in jüngster zeit der rassenbegriff im kontext ethnienspezifischer medikamentation wieder diskutiert wird.
      1 2 Melden
    • Romeo 10.12.2014 14:59
      Highlight An Zzyzxx. Ich bin ein toleranter Mensch und lege nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Bezüglich Rasse / Ethnie haben wir ein Problem. Nämlich die subtile Diskriminierung. Deshalb passe ich auf, wie ich mich ausdrücke. Ich war viel in Afrika , auch längere Zeit beruflich, und spreche aus Erfahrung.
      3 2 Melden
    • Tilman Remmers 18.12.2014 23:07
      Highlight @zzyzxx Der Begriff "Rasse" in dem Zusammenhang ist zwar im Englischen häufig gebraucht und wird nicht als Diskriminierend gesehen, jedoch klingt im Deutschen da die deutsche Vergangenheit mit und wird deshalb allgemein als sehr unpassend gesehen.
      Es kann dir keiner verbieten es zu sagen, aber du musst damit rechnen das viele Menschen darauf anders reagieren würden als auf das Wort Ethnie.
      3 0 Melden

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