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Die beiden Australier Myuran Sukumaran und Andrew Chan – sie wurden ebenso hingerichtet wie sechs weitere Verurteilte. Bild: STRINGER/INDONESIA/REUTERS

Das Erschiessungskommando führte den Befehl aus: Indonesien richtet acht Drogenschmuggler hin, Australien ruft Botschafter zurück

28.04.15, 19:57 29.04.15, 03:29

Acht wegen Drogenschmuggels verurteilte Männer sind auf der indonesischen Insel Nusa Kambangan hingerichtet werden. Unter den Hingerichteten sind auch zwei Australier. Ein Erschiessungskommando schritt offenbar Punkt Mitternacht Ortszeit zur Tat. Eine ebenfalls zum Tode verurteilte Frau aus den Philippinen wurde offenbar vorläufig begnadigt.

In diesem Minivan soll die Leiche mindestens eines Hingerichteten abtransportiert worden sein. Bild: Getty Images AsiaPac

Die 30 Jahre alte Mutter zweier Kinder sei ohne ihr Wissen als Drogenkurierin ausgenutzt worden, hatten die Philippiner argumentiert. Eine Frau, die ihr einen Job in Indonesien vermittelt hatte, hatte sich Stunden zuvor laut in übereinstimmenden Medienberichten auf den Philippinen der Polizei gestellt. Eine offizielle Bestätigung der Darstellungen gab es bisher nicht.

Als erste Reaktion hat Australien seinen Botschafter aus Jakarta zu Konsultationen zurückrufen. Das teilte der australische Ministerpräsident Tony Abbott am Mittwoch in Canberra mit. Die sehr wichtigen Beziehungen zwischen Indonesien und Australien hätten unter den Hinrichtungen gelitten, erklärte Abbott. Man könne jetzt nicht einfach zur Tagesordnung zurückkehren.

Die Regierung in Canberra hatte seit Wochen gegen die Vollstreckung des Urteils protestiert. Aussenministerin Julie Bishop hatte mit Konsequenzen gedroht, sollte das Urteil vollstreckt werden. 

Selbst Ban Ki-moon hatte protestiert

Der genaue Termin der Hinrichtung war nicht kommuniziert worden. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft hatte im Verlaufe des Tages angekündigt: «Ich kann bestätigen, dass die Hinrichtungen noch diese Woche stattfinden». Offenbar haben die Behörden dieser Ankündigung bereits Taten folgen lassen.

Unterwegs zur Hinrichtung: Indonesische Spezialkräfte werden auf die Insel Nusa Kambangan gebracht. Bild: ADI WEDA/EPA/KEYSTONE

Von den acht Männern stammten vier aus Nigeria, zwei aus Australien, einer aus Brasilien und einer aus Indonesien. Ein Franzose, der ursprünglich zeitgleich hingerichtet werden sollte, bekam einen Aufschub, weil ein Gericht eine neue Eingabe prüfen wollte. Die Berufungsanträge und Gnadenappelle aller anderen Verurteilten und ihrer verzweifelten Angehörigen waren abgeschmettert worden. 

Australien droht mit Konsequenzen

Die Angehörigen der Verurteilten hatten am Dienstag Abschied genommen. Die Familien kehrten am Nachmittag verzweifelt auf das Festland zurück. «Ich werde ihn nicht wiedersehen», sagte die Mutter des Australiers Myuran Sukumaran Reportern schluchzend. «Sie erschiessen ihn um Mitternacht».

Bis zuletzt hatten Angehörige auf Gnade gehofft – vergebens.  Bild: ADI WEDA/EPA/KEYSTONE

Die Fälle hatten international für Aufsehen gesorgt. Selbst UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte sich dafür eingesetzt, dass die Hinrichtungen ausgesetzt werden. Besonders die australische Politik hatte sich bis zur letzten Minute für ihre beiden Landsmänner starkgemacht. Australiens Aussenministerin Julie Bishop hatte Konsequenzen angedroht, wenn die Urteile vollstreckt würden.

Bereits am Wochenende waren die Särge für die Todgeweihten geliefert worden. Bild: ANTARA FOTO/REUTERS

Indonesien zählt zu den Ländern mit den strengsten Drogengesetzen weltweit. Erst im Januar waren unter internationalem Protest sechs Menschen wegen Drogendelikten hingerichtet worden, darunter fünf Ausländer. (tat/feb/sda)

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • stadtzuercher 03.05.2015 09:26
    Highlight Und hier schliesslich noch die Reaktion unserer offiziellen Schweiz auf die Erschiessung: BR Schneider-Amann lädt den indonesischen Präsidenten zum Staatsbesuch ein.
    http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/Indonesischer-Praesident-eingeladen---trotz-Hinrichtungen/story/15502650
    Schneider-Amman scheint ja generell einen guten Draht zu mordenden Regierungen zu haben, die Bücklinge in China sind noch in guter Erinnerung.
    0 2 Melden
  • Rondi 28.04.2015 23:58
    Highlight Am meisten bestraft werden hier die unschuldigen Angehörigen. Die müssen lange leiden, ohne dass sie es verdient hätten.
    9 3 Melden
  • Thanatos 28.04.2015 23:32
    Highlight Da sieht man, dass sich Drogen bei noch so strengen Gesetzen nicht einfach in Luft auflösen sondern immer noch konsumiert werden.
    14 1 Melden
  • cjaensch 28.04.2015 22:03
    Highlight Scheint der australische Premier nicht alle Flüchtlinge wieder nach Indonesien ab? Im Vergleich zu seinen Landsleuten haben die nix verbrochen...
    19 22 Melden
    • Stephan Locher 29.04.2015 06:26
      Highlight Ist dem so?

      Etwas mehr Hintergrund dazu in den nächsten Tagen wäre #newsunfucked liebe watson Redaktion
      2 1 Melden
  • roger.schmid 28.04.2015 21:58
    Highlight Drogen lassen sich nicht einfach gesetzlich abschaffen. Dies kann niemals funktionieren, egal welche Strafen angedroht werden. Quelle: die letzten paar Jahrhunderte.
    49 5 Melden
  • Jimmy :D 28.04.2015 21:40
    Highlight Was passiert mit den Erschiessungskomando ? Werden die auch hingerichtet ?
    Sie haben ja schliesslich Jemanden umgebracht.
    33 23 Melden
  • Menel 28.04.2015 20:47
    Highlight Egal was Menschen getan haben. Todesstrafe ist immer abzulehnen.
    73 25 Melden
    • Gelöschter Benutzer 28.04.2015 22:09
      Highlight Ist es nicht humaner, jemanden seinem Reinkarnationszyklus zuzuführen, wenn er sich menschenverachtend verhält, anstelle eine zigjahrelange Käfighaltung wie bei einem Tier und ihn darauf warten zu lassen dass er endlich von selber stirbt?
      23 36 Melden
  • Gelöschter Benutzer 28.04.2015 20:47
    Highlight sind das nun haendler oder konsumenten, welche hier die blitze vergeben ?
    12 61 Melden
    • Azrag 28.04.2015 21:23
      Highlight Das sind Personen, die solche menschenverachtende Strafen ablehnen und nicht mehr mittelalterliche Rachegelüste hegen. Und falls sie meinen, die Strafe sei abschreckend, so schauen sie mal die Drogenstatistik Indonesiens an.
      62 13 Melden
    • Gelöschter Benutzer 28.04.2015 21:38
      Highlight nachdem ich jahren einem projekt mitgerbeitet habe kinder von drogenabhaengigen eine zukunft zu bieten haben sich meine ansichten darueber was menschenverachtend ist etwas geaendert.
      18 51 Melden
    • #10 29.04.2015 00:08
      Highlight Du kannst Drogen scheisse finden, zzyzxx, und Drogenhändler erst recht. Da gebe ich dir absolut recht. Aber daraus darfst du nie ein Recht ableiten, über das Leben anderer Menschen zu entscheiden. Der Mensch hat nie das Recht, das Leben eines anderen zu beenden. Kein Drogenhändler, und schon gar nicht ein Richter.
      17 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 29.04.2015 13:33
      Highlight Am besten seht ihr alle weiterhin weg, fuehlt euch wohl in der warmen stube und jammert weiter auf hoechtem niveau.

      "es kotzt mich an"

      Schade, dass es dafuer keine freundlichere aussage gibt.
      1 9 Melden
    • stiberium 29.04.2015 14:30
      Highlight @zzyzxx Die Erfahrungen die du machen musstest sind sehr schlimm. Du solltest aber unterscheiden zwischen Drogendealern und Drogenschmugglern. Schmuggler transportieren die Ware illegal zum Dealer oder Händler. Diese nehmen dann die Menschen aus und stürzen sie ins Elend.
      2 0 Melden
  • Päsu 28.04.2015 20:40
    Highlight Weinen wir jetzt Drogenschmugglern nach?
    32 70 Melden
  • Gelöschter Benutzer 28.04.2015 20:31
    Highlight So ein Tamtam wegen Verbrechern die anderen tödliches Gift verkaufen. Ich glaub die Gesetze gibt's in Indonesien schon länger, ist quasi Selbstmord, dort Drogen zu verkaufen.
    47 49 Melden
    • 's all good, man! 28.04.2015 21:28
      Highlight Das heisst noch lange nicht, dass die Todesstrafe deswegen okay wäre. Diese gehört überall abgeschafft, egal für welches Verbrechen. Fertig.
      67 20 Melden
  • Gelöschter Benutzer 28.04.2015 20:23
    Highlight Es ist allseits bestens bekannt, dass drogenhandel in indonesien wirklich bestraft wird. Es gibt IMHO keinerlei entschuldigung fuer offensichtlich bzw. bewiesen nicht untergeschobenes kokain in rauhen mengen.
    30 37 Melden
    • Gelöschter Benutzer 28.04.2015 21:15
      Highlight Man gebe bei google bildersuche "cracolandia" ein (ohne ")
      und sehe sich die bilder aus sao paulo an. Es ist nahezu unvorstellbar was die drogendealer anrichten.
      11 24 Melden
    • Gelöschter Benutzer 29.04.2015 05:53
      Highlight Das Problem wird durch Prohibition nicht gelöst. Hat damals beim Alk nicht funktioniert, tut es heute mit dem Hanf auch nicht und wird es auch in Zukunft für keine Substanz tun.
      13 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 29.04.2015 13:27
      Highlight Wir reden hier nicht von hanf, dessen weltweite freigabe ich uebrigens sehr begruessen wuerde.
      1 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 29.04.2015 15:46
      Highlight Das Problem wird durch ein Verbot oder gar der Todesstrafe nicht gelöst. Egal welche "Droge".
      1 2 Melden

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