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Briefe von der Heimatfront (10)

Keine Angst vorm Mindestlohn!

28.03.14, 17:08 29.03.14, 15:28

Am 18. Mai sollen die Schweizer über den Mindestlohn abstimmen, und schon jetzt kann kaum einer ein gutes Nasenhaar dran finden: Er schade all den Leuten, die aus kulturellen oder religiösen Gründen keine hohen Gehälter beziehen dürfen, er verringere den Kundenstamm von «Migros Budget» und mache die Schweiz überdies für Zuwanderer noch einmal um ein Vielfaches attraktiver als ohnehin schon (Honigtopf-Argument). Dabei ist dies lediglich eine Frage der Umsetzung – und der Zielgruppe. 

Der nun in Deutschland geplante Mindestlohn zum Beispiel strotzt nur so vor Ausnahmeregelungen: Er gilt derzeit nur für die Branchen der Leimsieder, Bänkelsänger, Bratscher, Montgolfieren-Heizer, Fusshaarfriseure und selbständige Gabelstaplerfahrer unter fünfzig. Kriegswichtige Unternehmen bleiben hingegen ebenso verschont wie klassische Niedriglohnjobs: Erzieherinnen, Krankenschwestern, Bayerntrainer. Diese Berufsgruppen sollen nach dem Willen Merkels allerdings einen neuen Arbeitsanreiz erhalten, indem ein Drittel ihres Lohns an die DAX- Entwicklung gekoppelt wird. So hat jede noch so kleine Friseurin die Chance, die Scherchen auch mal ein bisschen schneller klappern zu lassen – zum Wohle des eigenen Geldbeutels und des Bruttosozialprodukts.

«Eine Frau ist, was man draus macht!» 

Überhaupt ist die hohe Zeit der Ausnahme-Gesetzgebung angebrochen: Die von der deutschen Familienministerin Schwesig forcierte Frauenquote gilt für umgerechnet etwa dreissig Frauen, von denen demnächst zwei auch noch in Rente gehen. Und auch hier ist der Ermessensspielraum gross, denn laut Leitlinie fallen auch Männer mit langen Haaren, Ohrringen oder weibisch klingenden Vornamen («Ijoma Mangold») unter die Quote. Motto: Eine Frau ist, was man draus macht! Selbst die mit grossem Elan angekündigte Energiewende wurde mittlerweile durch eine freiwillige Flexiquote ersetzt, bei der die grossen Atomkonzerne sich verpflichten, jeden Monat eine selbst festgelegte Anzahl Windräder in ihren Werbespots zu zeigen. Zudem sind sie gehalten, den von ihren Kraftwerksanlagen benötigten Hausstrom ausschliesslich aus regenerativen Energien zu beziehen.

Es bleibt nur eine Konsequenz: Künftige Gesetzesinitiativen müssen generell von begleitenden Ausnahmeinitiativen flankiert werden. Jeder Bürger muss selbst entscheiden können, ob ein neues Gesetz für ihn Gültigkeit hat oder ihm gerade nicht so gut in den Kram passt. Möglich wäre dies z.B. durch eine chipbasierte Legi-Card, in welcher man bis zu zehn Paragraphen eintragen kann, die einen nicht so begeistern. Denn was schliesslich ist eine Demokratie wert, wenn man keine Wahl hat?

Leo Fischer

Der ehemalige Chefredaktor vom Satiremagazin «Titanic» schreibt jede Woche einen «Brief von der Heimatfront». Er liefert den deutschen Invasoren in der Schweiz Schlachtpläne, wie sie die deutsche Dominanz in den Universitäten oder dem Gesundheitswesen noch stärker durchsetzen und festigen können. Er wird aber auch seinen Landsleuten mit ordentlich Humor grob aufs Dach hauen.

Hier schreibt Leo Fischer auch: Titanic

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 28.03.2014 20:10
    Highlight 4000.- sollte der Höchstlohn und Mindestlohn zugleich sein. Ob Manager oder Putzfrau. Das wäre mal was! Alle verdienen gleich viel.
    2 12 Melden
    • Gelöschter Benutzer 29.03.2014 07:43
      Highlight Da haben wir ja genügend Beispiele (DDR, Sowjetunion) was daraus resultiert, wenn alle gleich viel verdienen. Anreiz etwas wirkliches zu leisten, gibt es dann nicht mehr. Das wäre dann definitiv der Einstieg ins Armenhaus für die Schweiz.
      11 2 Melden
    • Biene Maja 30.03.2014 17:30
      Highlight Dann braucht es weder Qualifikation, noch Einsatz noch Leistung. Ein fauler Taugenichts würde gleich bezahlt wie ein fleissiger Arbeiter... ist das dein Ernst? Planwirtschaft wie zu Zeiten des Ostblocks? Solche Aussagen kommen - wenn sie ernst gemeint sind - in der Regel von Leuten ohne Ehrgeiz, Begabung, Qualifikation und Fleiss
      4 0 Melden

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