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Briefe von der Heimatfront (2)

Escort-Deutsche in der Kolonie

31.01.14, 14:38 28.03.14, 15:36

Leo Fischer

Liebe deutsche Kolonisten,

während Sie dafür sorgen, dass das Land der Uhren täglich ein bisschen schneller tickt, ähnelt sich Ihre alte Heimat stetig der neuen an: Wie auch die Schweiz wird Deutschland nun durch einen wohlausgewogenen Allparteienkompromiss regiert, bei der sich im Grunde alle liebhaben und wo man sich sogar eine Opposition leisten kann, die zu repräsentativen Anlässen aus dem Keller gelassen wird. 

Wie auch die Schweizer sind die Deutschen mittlerweile bestens informiert über alles, was in Europa vor sich geht, ärgern sich tüchtig über die Schlampereien der anderen – tun aber im Gegensatz zur Schweiz was dagegen! Alles, was Deutschland zur vollständigen Swissifikation fehlt, ist die direkte Demokratie, aber wenn man sieht, welchen Unfug die Schweizer damit anstellen, ist das kein grosses Manko. Sogar ein Zuwanderungsproblem haben wir jetzt, aber mit diesem Hinweis lässt sich leider wenig Sympathie gewinnen: Bloss, weil der deutsche Kolonist gegen Rumänen und Bulgaren zetert, macht ihn das beim Schweizer Wirtsvolk nicht beliebter – Flöhe, die Läuse kritisieren, hält man deswegen doch nicht gleich als Haustiere. 

«Flöhe, die Läuse kritisieren, hält man deswegen doch nicht gleich als Haustiere»

Nein, die politische Anähnelung kann nur ein Nebenschauplatz sein – in Wahrheit führt der Weg ins Herz der Schweizer durch die Schlafzimmer. Die Anbahnungsagentur First-Class Escorts erklärte jüngst in einer Pressemitteilung: «Für Schweizer Männer sind deutsche Frauen erste Wahl». Man wisse aus empirischen Untersuchungen, dass die Herren «ganz gezielt nach einer deutschen Escort-Dame» suchen, und auch nicht enttäuscht würden: «Sehr häufig kommt es nach einem ersten Kontakt zu Folgebuchungen. Anfragen kommen häufig aus den Metropolregionen Basel, Zürich und Bern

Doch beschränkt sich das Interesse nicht auf käufliche Liebe, wie die Agentur sogleich ergänzt: «Viele Prominente der Schweiz, wie DJ Bobo oder Thomas Sevcik, sind mit einer deutschen Frau verheiratet.» Was tagsüber am Deutschen verachtet wird, seine polternde laute Art, sein durch nichts zu erschütternder Stolz auf sich selbst, wird nächtens plötzlich zum Desiderat: «Schon aus der Geschichte heraus mussten deutsche Frauen immer wieder ‹ihren Mann› stehen. Durch ihre selbstverständliche Berufstätigkeit, ihr Selbstbewusstsein, ihre Erziehung, begegnet sie einem Mann auf Augenhöhe.»

Ist es, liebe Kolonistinnen, denn Ihre Schuld, dass die durchschnittliche Schweizerin so demütig, ungebildet und arbeitslos ist? Machen Sie doch was draus! Aus dem vorrevolutionären Frankreich weiss man, dass es die Mätressen und Kokotten waren, die nach ein paar Liebesnächten plötzlich die Staatsgeschäfte in Händen hielten...

Leo Fischer

Der ehemalige Chefredaktor vom Satiremagazin «Titanic» schreibt jede Woche einen «Brief von der Heimatfront». Er liefert den deutschen Invasoren in der Schweiz Schlachtpläne, wie sie die deutsche Dominanz in den Universitäten oder dem Gesundheitswesen noch stärker durchsetzen und festigen können. Er wird aber auch seinen Landsleuten mit ordentlich Humor grob aufs Dach hauen.

Mehr von Leo Fischer gibts bei Titanic

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Wolfsblut_2 31.01.2014 22:05
    Highlight Ich finde diese Kolumne ein Ärgernis und freue mich jedes Mal, wenn ich sie hier entdecke. Eine echte Trouvaille!
    8 0 Melden

Briefe von der Heimatfront (31)

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Jüngst bewirtete ich in Frankfurt Freunde mit Produkten, die ich zuvor in der Schweiz erworben hatte. Zur Erfrischung reichte ich Cola, ebenfalls dort erstanden. Als einer der Gäste den Aufdruck «Made in Switzerland» auf den Flaschen sah, ging es los mit dem Geraune: Wie? Ein urkapitalistisches Konsumerzeugnis, Sinnbild der Globalisierung selbst, gibt sich hier den Anstrich eines regionalen Produkts? Ist das nicht eine Verhöhnung all der klitzekleinen Mikrounternehmen, die …

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